Abo

Eurovision Song Contest in MalmöIsrael bereit zu Überarbeitung von ESC-Song

Lesezeit 3 Minuten
Die Trophäe des Eurovision Song Contest 2023. Das diesjährige ESC-Finale findet am 11. Mai in Malmö statt.

Die Trophäe des Eurovision Song Contest 2023. Das diesjährige ESC-Finale findet am 11. Mai in Malmö statt.

Der aktuelle Text von „October Rain“ (auf Deutsch: Oktoberregen) hätte aus Sicht der EBU-Regeln als „zu politisch“ gedeutet und daher disqualifiziert werden können.

Nach Wirbel um den mutmaßlich zu stark politischen Inhalt von Israels Beitrag für den diesjährigen Eurovision Song Contest (ESC) im schwedischen Malmö hat sich der öffentlich-rechtliche Sender Kan bereit erklärt, den ursprünglich eingereichten Songtext zu überarbeiten. Der Sender erklärte am Sonntag, er habe sich mit den Textern des erstplatzierten ausgewählten Liedes „October Rain“ sowie denen des zweitplatzierten Songs „Dance Forever“ in Verbindung gesetzt „und sie gebeten, die Texte unter Wahrung ihrer künstlerischen Freiheit neu zu schreiben“.

Kan werde nun unter den neuen vorgeschlagenen Texten „den Song auswählen, der dem Eurovisions-Kontrollkomitee“ zur Zulassung zu dem Wettbewerb vorgelegt werde. Das ausgewählte Lied werde am 10. März bekannt gegeben.

Teilnahme Israels am ESC soll sichergestellt werden

Laut Kan hatte Präsident Isaac Herzog „notwendige Anpassungen“ gefordert, um die Teilnahme Israels an der Veranstaltung sicherzustellen. Herzog habe betont, dass Israel „gerade in einer Zeit“ seine Stimme „laut und deutlich in jedem Weltforum erheben“ müsse, „in der diejenigen, die uns hassen, versuchen, den Staat Israel zu unterdrücken und zu boykottieren“, hieß es in der Kan-Erklärung.

Alles zum Thema Nahostkonflikt

Der aktuelle Text von „October Rain“ (auf deutsch: Oktoberregen“) hätte aus Sicht der EBU-Regeln als „zu politisch“ gedeutet und daher disqualifiziert werden können. Laut israelischen Medienberichten bezieht sich das größtenteils auf Englisch und mit einigen hebräischen Worten gesungene Lied auf die Opfer des Hamas-Angriffs auf Israel vom 7. Oktober.

Sängerin Eden Golan tritt im Malmö auf

Ende Februar hatte Kan erklärt, der Sender habe „nicht die Absicht, das Lied zu ersetzen“, sei aber mit der EBU „im Gespräch“. Die EBU ließ ihrerseits verlauten, dass sie „derzeit den Text prüft“. „Wenn ein Lied aus irgendeinem Grund als inakzeptabel eingestuft wird, haben die Sender die Möglichkeit, gemäß den Regeln des Wettbewerbs ein neues Lied oder einen neuen Text einzureichen“, heißt in den EBU-Statuten zum ESC.

Zugleich hatte die EBU Forderungen zurückgewiesen, Israel wegen des Kriegs im Gazastreifen vom diesjährigen Wettbewerb auszuschließen. Zur Begründung hieß es, beim ESC träten keine Regierungen gegeneinander an, sondern öffentlich-rechtliche Rundfunksender als Mitglieder der EBU.

Die Sängerin Eden Golan hatte sich dafür qualifiziert, Israel im Mai in Malmö bei dem weltweit größten Musikwettbewerb zu vertreten. Der ESC findet vom 7. bis 11. Mai in Schweden statt.

Israel einer der erfolgreichsten ESC-Teilnehmer

Mit vier Siegen und zahlreichen vorderen Platzierungen gehört Israel zu den erfolgreichsten Teilnehmern der Musikshow. 1973 nahm Israel erstmals am ESC teil. 1998 gewann die transsexuelle Dana International mit ihrem Song „Diva“ den Wettbewerb, zuletzt holte die Israelin Netta mit dem feministischen Song „Toy“ den ESC-Sieg nach Israel.

Die ESC-Teilnahme und die Ausrichtung der Veranstaltung sind immer wieder umstritten. In der Vergangenheit wurden Beträge trotz klarer politischer Aussagen für den ESC zugelassen, darunter das ukrainische Lied „1944“ der ESC-Gewinnerin Jamala 2016, das sich auf die Deportation der Krim-Tataren bezieht, sowie der Song der isländischen Band Hatari 2019, die bei ihrem Auftritt offen Bezug zum Nahostkonflikt nahm. (afp)

Rundschau abonnieren