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Festakt in der Kölner OperGutes Ende eines Himmelfahrtskommandos

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Kay Voges, Bettina Böttinger und Hein Mulders stehen auf einer Bühne.

Kay Voges, Bettina Böttinger und Hein Mulders beim Festakt zur Wiedereröffnung der Kölner Oper und des Schauspielhauses. 

Der Festakt zur Eröffnung der Kölner Oper blieb von Pannen verschont. Selbst die Feuermelder schwiegen andächtig. 

Hatte die Moderatorin etwa die Zeitung nicht gelesen oder war hier eine gar nicht mal so subtile Ironie im Spiel? Als Bettina Böttinger im Gespräch mit Opernintendant Hein Mulders und Schauspielchef Kay Voges von „der besten Technik der Welt“ sprach und davon, dass diesbezüglich ja wohl „alles perfekt“ sei, kam aus der Mitte des Publikums in der Kölner Oper ein unterdrücktes, wenngleich deutlich vernehmbares Lachen. Klar, da stand ein Elefant im Raum, der sich während des Festaktes, mit dem die Bühnen der Stadt Köln am Donnerstagabend die Wiedereröffnung der Spielstätten am Offenbachplatz begingen, auch nicht völlig vertreiben ließ.

Und es hilft ja tatsächlich nichts: Die Mängelmeldungen zur Funktionstüchtigkeit der Bühnentechnik, zumal im Opernhaus, die sogar die „Rosenkavalier“-Premiere am Sonntag zu gefährden schienen, hängen wie ein Wolkenschatten über den Jubelfeierlichkeiten. Erst eine 14 Jahre dauernde, mit Inkompetenz, Pannen und Kostenexplosionen gespickte Sanierungsgeschichte – für die sich der (völlig „unschuldige“) Oberbürgermeister Torsten Burmester in seiner Eröffnungsansprache bei den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt entschuldigte –, dann ein drohendes Premierendesaster just im Augenblick der „Erlösung“: Es sieht dies alles zu sehr nach dem weithin belachten und auch verachteten Kosmos Köln aus, als dass man darüber ungerührt, mit einem achselzuckenden „Wird schon werden!“ zur Tagesordnung übergehen könnte.

Vor diesem Hintergrund wuchs jedenfalls einem möglicherweise zufälligen Umstand etwas Zeichenhaftes zu: Die Kölner gute Gesellschaft, die sich länger als eine Stunde vor Beginn bei schönstem Spätsommerwetter meistenteils festlich gewandet auf dem Offenbachplatz versammelte und dann, von Mulders begrüßt, über einen roten Teppich ins Foyer bewegte – sie blieb an diesem Abend weitgehend unter sich, musste auf den Zusatzglanz etwa von Bundesprominenz verzichten.

Die Begeisterung über das endlich Vollbrachte war einhellig

Dabei ertrank das Ganze keineswegs in Trübsinn – die Genugtuung, die Freude, ja die Begeisterung über das endlich Vollbrachte war einhellig und echt und in diesem Sinne auch ungetrübt. Was ins Imaginäre entschwunden schien und wovon manche wohl nicht mehr erwartet hatten, dass sie es selbst noch erleben würden – es wurde am Donnerstag festliche Wirklichkeit. Dass die Opernfreunde seit der Schließung selbst 14 Jahre älter geworden sind, dass sich die Welt in diesen Jahren grundstürzend verändert hat – all dies verhinderte übrigens keineswegs ein sich rasch ausbreitendes Vertrautheitsgefühl, eine selbstverständliche Wiederinbesitznahme.

„So viel hat sich hier ja gar nicht verändert“ – dieser Satz war oft zu hören beim Blick auf die legendären Schubladenbalkone, oder, in der langen sektbefeuchteten Pause, gegen die lichte Decke im oberen Foyer. Oder beim Betasten der neubezogenen Sitze. Tatsächlich hat die Sanierung das der Riphahn-Architektur eigene Stilambiente der 50er Jahre nicht beschädigt. Es teilte sich auch demjenigen mit, der zu später Stunde den von Baugerüsten befreiten Offenbachplatz (jetzt leider ohne begleitendes Brunnenrauschen) überquerte – keineswegs im Sinne von Nachkriegskümmernis, sondern dem einer großzügig-modernen Urbanität.

Der Festakt selbst gestaltete sich als munter-kleinteilige, inklusive Pause gut drei Stunden dauernde Revue mit Rede-, Gesprächs- und Musikanteilen. Dem Pathos des Augenblicks wurde dabei beharrlich die Spitze gebrochen: Beschwingtheit, mit einer Prise Ironie gewürzt, dominierte, ohne den ernsten Gedanken zu blockieren. NRW-Kulturministerin Ina Brandes etwa widmete sich auf erfrischende Weise dem Legitimationsdiskurs und seinen Fragwürdigkeiten: Immer sei es die Kultur, die sich für die Inanspruchnahme von Ressourcen rechtfertigen müsse: „Warum fragt eigentlich niemand, wenn ein Parkhaus gebaut werden soll, warum man das Geld nicht in eine Bibliothek steckt?“ 

„Wir bleiben mutig“, versprach Schauspielchef Kay Voges

Mulders und Voges ließen noch einmal die 14-jährige Exilgeschichte der Bühnen Revue passieren und feierten deren Ende. Er sei „noch ganz perplex“ angesichts der Realität der Wiedereröffnung, die bekanntlich quälend wieder und wieder verschoben wurde. Voges versicherte, das „experimentelle Theater“, das sich im Mülheimer Depot entwickelt habe, an den Offenbachplatz „mitzunehmen“: „Wir bleiben mutig.“ In Böttingers Gespräch mit dem Projektleiter Jürgen Marc Volm und dem künstlerischen Bauleiter Remigiusz Otrzonsek wurde noch einmal deutlich, dass auch die späte Sanierungsphase ein wiederholt von Scheitern bedrohtes „Himmelfahrtskommando“ gewesen sei.

Den – immer wieder von spontanem Beifall begleiteten – gedanklichen und rhetorischen Glanzpunkt des Abends setzte Carsten Brosda, Präsident des Deutschen Bühnenvereins und Hamburger Kultursenator (seine Festrede ist nebenstehend dokumentiert). Auch hier stand ein ungenannter Elefant im Raum: die alarmierenden Zugewinne für extremistische Parteien bei den jüngsten Landtagswahlen. Die Aufgabe, auch und gerade mit Kultur und ihren Institutionen die demokratische Lebensform zu verteidigen – nie seit 1945 dürfte sie so drängend-notwendig gewesen sein wie heute.

Musik anlässlich der (Wieder-)Eröffnung eines Opernhauses ist kein verzichtbares Ornament, sondern zwingend in der Sache begründet. Das Ensemble des Opernhauses, der Opernchor (in Kostümen), die Knaben und Mädchen der Dommusik und das Gürzenich-Orchester unter Andrés Orozco-Estrada ließen sich nicht lange bitten, sondern baten schwungvoll gleichsam zum Tanz – in einer Folge populärer Nummern von Wagner, Bizet, Johann Strauß und dem Kölner Musikheiligen Offenbach bis hin zu Bernstein und David Bowie (hier mit „Starman“ aus „Requiem für eine marode Brücke“, gesungen von Mitwirkenden der Kölner Schauspielproduktion in Kolumba). Am Schluss standen ein amüsantes Medley von Auszügen quer durch die Operngeschichte und das berühmte „Gran pezzo concertato“ für 14 Stimmen aus Rossinis „Il viaggio a Reims“. Musikalischer Star des Abends war die Sopranistin Alina Wunderlin, die mit amüsantem Spiel und unangestrengt-federleichten Koloraturen kongenial auf die atmosphärische Grundlinie des Abends einschwenkte.

Die Zuhörer konnten – nach den 14 Interimsjahren – endlich mal wieder eine vielleicht nicht überragende, aber doch sehr gute Akustik erleben, die den Bühnensound gegliedert und doch fokussiert herüberbrachte. Technische Pannen gab es übrigens (noch) nicht: Die Technik der Bühne war freilich auch nicht gefordert: Das Gürzenich-Orchester saß dort, vor einer sich abendhimmelhaft verfärbenden Leinwand. Nun ja, selbstredend hätte immer noch der Feueralarm unbotmäßig losgehen können. Tat er aber nicht.