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Festival FelixJede Punktierung ein Stich ins Herz

2 min
Das Felix-Eröffnungskonzert in der Philharmonie.

Das Felix-Eröffnungskonzert in der Philharmonie.

Václav Luks und seine Ensembles eröffneten das Alte-Musik-Festival Felix.

Václav Luks ist eine Größe in der Alten Musik und vor allem in seinem Heimatland Tschechien. Der Hornist, Musikwissenschaftler, Cembalist und Dirigent hat böhmische Komponisten auf der Agenda und sorgt mit historisch informierten Aufführungen für deren Wiederentdeckung. Mit Werken von Jan Dismas Zelenka, Josef Mysliveček oder Georg Anton Benda begeistert er inzwischen die Podien Europas.

Genau gesetzte Akzente

Der eher kleine schmächtige Mann mit dick umrandeter Brille und dichtem schwarzen Haar ist ein Erfolgsgarant. Das war in der gut besuchten Philharmonie beim Eröffnungskonzert des Alte-Musik-Festivals Felix zu erleben.

Alle waren gespannt auf den Höhepunkt des Mozart-Requiems nach der Pause. Aber die Überraschung war das Stabat Mater von František Ignác Tůma, zuvor die einleitende Sinfonia in c-Moll von Franz Xaver Richter. Wie langweilig die mehr als 70 von ihm komponierten Sinfonien klingen können, beweist so manche Aufnahme.

Mit genau gesetzten Akzenten und perfekt artikulierten Motiven gingen die Streicher des von Luks gegründeten und geleiteten Ensemble Collegium 1704 aber zu Werk. Jeder Bogen wurde dynamisch differenziert ausgestaltet. Keine noch so lange Sequenz verlor ihre Spannung. Und dabei war der Klang nie ruppig, kein Akzent forciert. Von František Ignác Tůma weiß man nur, dass er wie viele Böhmen in Wien als Kapellmeister eines Grafen gewirkt hat.

Drama der leidenden Mutter Gottes

Er war Schüler von Johann Josef Fux, wovon die Schlussfuge in dessen Stabat Mater in g-Moll eindrucksvoll zeugte. Vor allem zog der Schmerzensausdruck mit Seufzern und atemberaubend gezogene Linien der neun Damen und acht Männer des Collegium vocale 1704 in seinen Bann. Das Drama der leidenden Mutter Gottes mit Blick auf den sterbenden Sohn leitete die auf ein Continuo reduzierte Begleitung mit heftigen Punktierungen ein. Jede einzelne ein Stich ins Herz.

Die in sich wunderbar abgerundeten vier Chorstimmen, dazu Chorsolisten, lebten den Schmerz vom Forte bis ins Pianissimo aus, wurden trotzig, aber auch hinwendend. Die Musik lässt nicht nur Mutterschmerz mitfühlen, sondern sie ruft den Beistand der Muttergottes an. Da geht es um Zuversicht in der Stunde des Todes.