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Folkrock-Legende in KölnRichard Thompsons Sehnsucht nach der Todeswand

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Der englische Folkrock-Gitarrist Richard Thompson in der Kölner Kantine.

Der 77-jährige britische Gitarrist trat in der Kantine auf. Und begann sein Set mit einem 6–7-Witz. Unsere Kritik.

Das deutsche WM-Spiel läuft noch, als Richard Thompson die Bühne im kleinen Yard-Club der Kantine betritt. Den Spielstand, sagt der Gitarrist, wolle er uns nicht vorenthalten: „Germany: 6, Curaçao: 7.“ Ein 6–7-Witz. Nicht schlecht für einen 77-Jährigen. Eventuell hält das jung, in einer sechs Jahrzehnte umfassenden Karriere stets Geheimtipp geblieben zu sein, sich nie auf seinen Lorbeeren ausruhen zu können.

Noch minderjährig, hatte Thompson 1967 die Londoner Folkrock-Gruppe Fairport Convention mitgegründet und deren inoffizielle Hymne geschrieben: „Meet on the Ledge“ spielt er als Zugabe. Die Alben, die er mit seiner damaligen Frau Linda als Duo aufgenommen hat, waren sogar noch erfolgreicher – leider nur bei den Kritikern.

Alte Scheidungsquerelen, heute ganz entspannt

Erst die letzte gemeinsame Platte, „Shoot Out the Lights“ von 1982, brachte den Durchbruch. Es gibt keinen besseren Song-Zyklus über das Ende einer Beziehung, was dazu führte, dass das Ex-Paar inmitten schlimmster Scheidungsquerelen durch die USA tingeln musste – die sogenannte „Tour of Hell“.

Am Sonntagabend beendet Richard Thompson sein Set mit „Wall of Death“, dem letzten Song von „Shoot out the Lights“: Das Leben ist ein Jahrmarkt, der Erzähler will sich noch einmal ganz allein mit seinem Motorrad an der Todeswand versuchen, „das kommt dem Leben am nächsten“. In Köln singt er das ganz entspannt mit seinem immer noch beeindruckenden Bariton, unterstützt von seiner dritten Frau Zara Phillips und seinem Freund Julian Dawson, der das herrlich launige Vorprogramm bestritten hatte.

Richard Thompsons wohl beliebtester Solosong ist ebenfalls die reine Kradverherrlichung: „1952 Vincent Black Lightning“, die Geschichte eines tödlich getroffenen Räubers, der seiner rothaarigen Flamme die titelgebende Kultmaschine vermacht, wurde sogar von Bob Dylan gecovert.

Lobt Thompson heute die schnellen und gefährlichen Dinge, meint er wohl vor allem seine flinken Finger. Die tanzen mit unverminderter Geschwindigkeit übers Griffbrett, ja, man wundert sich, wie hart so eine akustische Gitarre rocken kann. Gäbe es dafür Punkte, fiele sein Spielstand zweistellig aus: 67 zu null für diese quicklebendige Legende.