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Fotograf H. G. EschSo sieht sonst nur Gott den Kölner Dom

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Kölner Dom, Mittelschiff von oben

Das MAKK zeigt in der Ausstellung „Hans Georg Esch: Der architektonische Blick“ großformatige Architektur-Fotografien von der Dubai-Skyline bis zu Pompeji.  

Es ist ein Glücksfall für das Museum, anders kann man es nicht nennen: Die Doppelschau aus Architekturfotografien von Hans Georg Esch („Der architektonische Blick“) und Architekturtheorien („O. M. Ungers – Architektur als Idee“) bespielt zwar nur das Treppenhaus des Museums für angewandte Kunst (MAKK), den Eingangsbereich und wenige weitere Räume – doch lässt sie das von Rudolf Schwarz so großartig entworfene Museumshaus endlich wieder glänzen. Man hätte fast vergessen, welches Schatzhaus sich hinter all den Bauzäunen und Absperrplanen, hinter Containerdörfern und Baugerüsten verbirgt. Doch all das ist in den vergangenen Tagen weitgehend abgebaut worden; der Zugang ins MAKK ist tatsächlich wieder niederschwellig möglich.

Während der Besucher zur bereits vor drei Wochen eröffneten Ungers-Ausstellung nur ein paar Stufen hinabsteigen muss – auf die Ebene des Innenhofs, dessen Wiedereröffnung noch aussteht –, steht vor der Esch-Schau glücklicherweise der Gang über eine der schönsten Treppenanlagen von Köln hinauf ins erste Obergeschoss. Dort wird mit zwei Großformaten direkt der Rahmen gesetzt für die große Werkschau des Fotografen, zu dessen Auftraggebern zahlreiche Top-Architekten aus aller Welt gehören: Links schlägt ein Foto eines weniger bekannten Baus von Ungers – sein Erweiterungsbau der Berliner Messe von 1996 – den Bogen zur Ungers-Schau im Parterre. Und rechts öffnet sich der ganze Kosmos der Esch-Fotografie mit einem seiner bekanntesten Bilder, der Skyline von Dubai: Aus dem Nebel ragt nur der obere Teil der Hochhäuser, darunter mit dem Burj Khalifa auch das höchste Haus der Welt – behutsam ausgeleuchtet vom frühen Sonnenaufgang.

Der Kölner Dom aus völlig neuer Sicht

Stand Esch für dieses Bild im Jahr 2013 selbst auf einem Hochhaus, wo er tagelang auf das perfekte Zusammentreffen von Dunst und Morgenlicht wartete, nutzt er insbesondere für die Auftragsfotografie inzwischen vorzugsweise Drohnenkameras. So zeigte er im vergangenen Jahr den Kölner Dom aus völlig neuer Sichtweise, nahm die archäologischen Schätze in Pompeji auf – und fotografierte immer wieder Einzelbauten oder Ensembles in Asien, Australien oder den USA aus der Luft. Selbst in Peking, wo Drohnen sonst strengstens untersagt sind, durfte er unter strikter Aufsicht des chinesischen Militärs eine Drohne persönlich steuern, um das gewünschte Ergebnis sicherzustellen.

Auch das Panorama der Wüstenstadt Shibam im krisengeschüttelten Jemen konnte nur entstehen, weil die örtlichen Behörden dem deutschen Fotografen während des nächtlichen Wartens auf das frühe Morgenlicht eine Polizeieskorte zur Seite stellten. Raimund Stecker, der Kurator der Ausstellung, hat das Bild mit Wohnblöcken in der chinesischen Mega-City Shenyang und einem Foto aus dem Herzen Manhattans kontrastiert – Häusermeere allesamt, zwar extrem unterschiedlich in der Anmutung, doch erschließen sich bei genauer Betrachtung zahlreiche Parallelen.

Oper Köln Baudokumentation

Die Kölner Oper im Bau

Bei allen globalen Aktivitäten ist Esch, 1964 in Neuwied geboren und seit vielen Jahren in Stadt Blankenberg im Rhein-Sieg-Kreis ansässig – inzwischen in einem mehrfach preisgekrönten Atelierhaus von Nebel Pössl Architekten –, dem Rheinland auch in seinem fotografischen Wirken eng verbunden. Dabei hat es ihm zuletzt vor allem der Kölner Dom angetan. Vor einem Jahr erkundete er die Kathedrale – ebenfalls mit Drohnenhilfe – von außen und von innen noch einmal ausführlich. Nun ist der Dom fotografisch eigentlich kein Neuland mehr. Doch die Bilder, die Esch fertigte, seien „so noch nie gesehen“, sagt einer, der es wissen muss: Dombaumeister Peter Füssenich. Das gilt nicht nur für die Außenaufnahmen, bei denen sich die Drohne wie ein Vogel an das gotische Strebewerk annähern konnte. Es gilt auch für das spektakulärste (und neueste) Bild der Esch-Ausstellung: den Hochchor der Kathedrale in strenger Senkrechtaufnahme, aufgenommen im völlig leeren Dom am Rosenmontag dieses Jahres. Die Verfremdung durch die Perspektive überrascht, die Gesamtwirkung ist überwältigend – ein Bild von allergrößter Schönheit.

Ebenfalls mit Drohnenhilfe gelang ein eindrucksvolles Bild des nach der Kriegszerstörung neu aufgebauten Vierungsturms, den die zwischen den beiden Domtürmen durchscheinende Sonne in ein rötliches Licht taucht. Art déco auf dem gotischen Dom, Art déco in Manhattan: Kontrast und Nähe zur daneben hängenden Aufnahme des Chrysler Buildings in New York sind frappierend.

Ganz anders die Bildsprache einer Nahaufnahme der ehemaligen Domplombe am Fuß des Nordturms – vielen Kölnern noch im unverkleideten Nachkriegszustand vertraut.

Auch mit den Bauten der Kölner Architektur-Dynastie Böhm hat sich Esch über Jahre intensiv auseinandergesetzt, ihnen gar ein Buch und eine eigene Ausstellung gewidmet. So sind zahlreiche Fotos auch in der aktuellen Schau zu sehen: Sie zeigen Kirchenbauten von Gottfried oder Dominikus Böhm, aber auch die von Paul Böhm entworfene Zentralmoschee. Auch eine Innenaufnahme des Zuschauerraums der Oper am Offenbachplatz darf nicht fehlen; sie korrespondiert in der Ausstellung mit einem Bild des neuen Stuttgarter Bahnhofs des Düsseldorfer Architekten Christoph Ingenhoven – gleich zwei Problembaustellen, allerdings in Köln ja, anders als in Stuttgart inzwischen fast vollendet.

Ganz am Schluss der Schau im MAKK dann der Blick auf das Panorama von Jerusalem. Das größte Bild der Ausstellung zeigt die ganze Stadt, aufgenommen wieder am frühen Morgen – eine Gesamtaufnahme im Breitwand-Format, in der es unzählige Details zu entdecken gilt. Und wer immer noch tiefer einsteigen will in die Bildwelt von HG Esch, kann das in der einzigen Videoanimation der Ausstellung: Vierzehn Bilder aus den unterschiedlichsten Metropolen und Mega-Cities dieser Welt wechseln in manchmal fast unmerklicher Bewegung – Wolkenkratzer und Straßenschluchten, tiefe Blicke auf bewohnte Hochhäuser, leere Ruinen in Pompeji. Der ganze architektonische Blick eben, komprimiert auf 18 Minuten.


„HG Esch – der architektonische Blick“, Museum für Angewandte Kunst, An der Rechtschule 7, Köln, Di.-So. 10-18 Uhr, 11. Juni bis 27. September 2026