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Gabriele Conrath-SchollSie leitete das Museum, das viel zu wenige Kölner kennen

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Gabriele Conrath-Scholl steht vor einem Regal mit Karteikästen.

Gabriele Conrath-Scholl, Leiterin der Photographischen Sammlung, zu Beginn ihrer Direktion im Jahr 2008

Gabriele Conrath-Scholl führte beinahe 20 Jahre die Photographische Sammlung in Köln. Eine Begegnung zum Abschied.

Im Wirtschaftsleben spricht man von „Hidden Champions“, unbekannten Weltmarktführern, die sich anscheinend besonders gerne in der deutschen Provinz verstecken. Nun liegt Köln zwar am Nabel der Welt (jedenfalls vom Dom aus gesehen), und die Photographische Sammlung ist auch mitnichten ein Wirtschaftsunternehmen – aber Weltmarktführerin und für das Publikum gut verborgen ist die erste Adresse für August Sander und sachliche Fotografie sehr wohl.

Beinahe 20 Jahre hat Gabriele Conrath-Scholl die Photographische Sammlung geführt – und sich wohl gelegentlich leise darüber gewundert, warum das Kölner Publikum nicht Schlange für ihre hochgelobten Ausstellungen zu Sander, Bernd und Hilla Becher, Walker Evans und anderen Klassikern der Kunstgeschichte steht. Vielleicht taten die Leute es ja, wurden aber von den böigen Winden im unwirtlichen Mediapark davongeweht. Oder sie haben tatsächlich geglaubt, was Conrath-Scholl selbst von Menschen, die es besser wissen müssten, zu hören bekam: Ihr zeigt doch immer nur das Gleiche.

Die letzte Ausstellung, die Conrath-Scholl vor ihrer Pensionierung vorbereitete, zeigt nun tatsächlich noch einmal mehr vom Gleichen: Ab 11. September gratuliert die Photographische Sammlung ihrem Hausheiligen, August Sander, mit einer großen Ausstellung zum 150. Geburtstag. Mit Sander fing hier schließlich alles an. Das riesige Archiv des Kölner Fotografen, des Schöpfers der weltberühmten „Menschen des 20. Jahrhunderts“, wurde 1992 durch die Stadtsparkasse Köln erworben und der eigenen Kulturstiftung einverleibt. Als erste Leiterin wurde Susanne Lange berufen; die Sander-Expertin Conrath-Scholl kam als Mitarbeiterin bald hinzu.

Die Stadt schien mit dem August-Sander-Nachlass nicht klarzukommen
Gabriele Conrath-Scholl

„Die Stadt schien mit dem Sander-Nachlass nicht klarzukommen“, erinnert sich Conrath-Scholl. „Auf jeden Fall war Gustav Adolf Schröder dann derjenige, der gesagt hat: Okay, ich unterstütze das und ich nehme das in die schon existierende Stiftung auf. Die hatte damals noch den lustigen Namen Citytreff.“ Und residierte in der Kreishausgalerie auf der St.-Apern-Straße. Mit den 10.000 Sander-Negativen und mehreren Tausend Originalabzügen war es aber nicht getan. Bald kam das Archiv von Bernd und Hilla Becher hinzu, dann eine Dauerleihgabe mit Werken von Karl Blossfeldt und schließlich die Sammlung der Deutschen Gesellschaft für Photographie.

Aus heutiger Sicht war das „Nicht-Klarkommen“ der Stadt ein Glücksfall für Köln. Die Sammlung der Stiftung Kultur ist auf mehr als 40.000 fotografische Werke angewachsen, und der Schwerpunkt auf sachlich-dokumentarischer Fotografie klingt spröder, als er ist. Unter diesen Begriff fielen in der Amtszeit Conrath-Scholls so unterschiedliche Meilensteine der Kunstgeschichte wie die Blumenfotografie Karl Blossfeldts, die „mitleidlosen“ Porträts von Diane Arbus oder die in revolutionären Farben getauchten Stadtlandschaften Stephen Shores. Manche trauern zwar bis heute der verpassten Gelegenheit eines reinen Fotografie-Museums nach. Aber was sollte dieses mehr leisten als die Photographische Sammlung in den Sparkassenräumen?

Im Rheinland gibt es mehrere Museen mit bedeutenden Fotografie-Sammlungen, die eher ausnahmsweise bedeutende Fotografie-Ausstellungen zeigen; auch im Kölner Museum Ludwig steht die Gattung nicht gerade ganz oben auf der Agenda. Das ist im Mediapark 7 naturgemäß anders, wie auch Conrath-Scholl betont: „Was ich als Alleinstellungsmerkmal für die Photographische Sammlung besonders finde, ist, dass wir eine wirkliche Sammlung entwickelt haben. Und dass wir parallel dazu aus der Sammlung immer wieder Ausstellungen hervorgebracht haben. Das ist etwas, was es in Deutschland nur hier in dieser Form gibt.“

Bestimmte Werke, die unsere Sammlung stärken würden, sind im Preis unglaublich in die Höhe gegangen
Gabriele Conrath-Scholl

Diese Erfolgsgeschichte erklärt sich keinesfalls mit den vollen Geldspeichern der Sparkasse Köln-Bonn. Auch für Conrath-Scholl waren „Ankäufe nur im kleinen Umfang möglich, wenn am Ende des Jahres noch etwas vom Budget übrig war“. Das klingt nach Klagen, die man so ähnlich auch verlässlich aus vielen städtischen Museen hört. „Ich erinnere mich an eine Arbeit von August Sander, die wir erworben haben, für 10.000 Euro, die ursprünglich für 30.000 Euro angesetzt war, wo aber der Galerist am Ende auch Mitleid hatte. Manchmal muss man Galeristen nur lange genug warten lassen.“

Allein mit Bauernschläue kommt man auf dem Markt für Fotografien aber nicht mehr weit. „Bestimmte Werke, die unsere Sammlung stärken würden, sind im Preis unglaublich in die Höhe gegangen“, so Conrath-Scholl. „Schon deswegen bin ich sehr froh darüber, dass wir mit dem Studio Becher so gut zusammenarbeiten und jetzt auch mit Max Becher, der sein Augenmerk nicht auf den Markt legt, sondern auf den Erhalt der Arbeiten.“

Damit ist der Sohn von Bernd und Hilla Becher aber eher die Ausnahme. Conrath-Scholl plädiert deshalb dafür, ihrer noch zu bestimmenden Nachfolgerin einen festen Ankaufsetat zu spendieren. „Es ist wunderbar, wer sich alles bereit erklärt hat, Dauerleihgaben einzubringen oder auch Schenkungen. Aber keinen Ankaufsetat zu haben, schädigt auf Dauer das Renommee der Sammlung.“ Ein Werk wie das von August Sander müsse international gesehen werden, so Conrath-Scholl, zumal in den USA, wo die Fotografie einen deutlich höheren Stellenwert in den Museen habe als in Deutschland und Europa. „Diese Internationalität herzustellen, war mir grundsätzlich wichtig, und ich würde mir wünschen, dass diese Ausrichtung ins Internationale bestehen bleibt. Um sich als Player im Kunstmarkt und unter Künstlern behaupten zu können, ist dies unbedingt notwendig.“

Verglichen mit den großen Playern in den USA ist die Photographische Sammlung ein Leichtgewicht – jedenfalls in finanzieller Hinsicht und gemessen an der Mitarbeiterzahl. Inklusive Teilzeitkräfte beschäftigte Conrath-Scholl weniger als zehn Fachfrauen und -männer, was für sie allerdings auch ein Garant für effizientes Arbeiten gewesen ist. „Das ganze Team war toll“, sagt sie, „und wir mochten uns.“ Mit Claudia Schubert, ihrer langjährigen Stellvertreterin, könnte sie Hochzeit feiern, so lange hätten sie zusammengearbeitet.

Auch ein tolles Team kann allerdings nicht alles ausgleichen. „Es gibt Dinge, die nicht so einfach zu realisieren sind, wie thematische Ausstellungen oder Gruppenausstellungen“, so Conrath-Scholl. „Man muss eine Balance finden zwischen nach der Decke strecken und die Augen offen halten für Möglichkeiten, irgendwas umzusetzen.“ Das klingt beinahe wie ein kölsches Grundgesetz für das Kulturleben. Es ist aber auch eine gute Maxime für einen „Hidden Champion“.