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Håkan Hardenberger in der Kölner PhilharmonieNoch immer ein Strahlemann

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Trompetenspieler Håkan Hardenberger mit seinem Instrument

Trompetenspieler Håkan Hardenberger gastierte in der Kölner Philharmonie

Mit großer Ausdruckspalette und einem Sinn für Spaß: Trompeter Håkan Hardenberger bewies in der Kölner Philharmonie sein Können.

Håkan Hardenberger war seit Jahrzehnten ein Strahlemann – und ist es mit 64 Jahren immer noch. Das scheint auf Anhieb nicht erwähnenswert, Trompeter können im Unterschied zu anderen Bläsern auch in reifstem Alter noch anständig spielen. Trotzdem: Gleich zwei zentrale Werke der Sololiteratur für das Instrument – die einschlägigen Konzerte von Haydn und Hummel – nicht anständig, sondern souverän an einem einzigen Abend abzuliefern, das nötigt zu Respekt und Begeisterung.

Dabei ist der Mann mit der silbrig-grandseigneuralen Präsenz alles andere als tumber Schmetterer – wie er jetzt im Kölner philharmonischen Konzert mit dem Mahler Chamber Orchestra unter Daniel Harding wieder einmal unter Beweist stellte. Sicher, seine instrumentenspezifischen Dreiklangsfanfaren kommen mit glasklarer Präzision, aber in den Mittelsätzen lässt Hardenberger den intensiven, erfüllten Atem der Opernarie strömen. Im Hummel-Andante wurde daraus eine schier unendliche Melodie. Im folgenden Finale wiederum gefiel, dass der Refrain im Gestus stets leicht verändert erklang.

Imposante Palette

Die imposant breite Palette von Hardenbergers Ausdrucksmöglichkeiten, zu denen auch eine geschmackvolle Verzierungspraxis gehört, hat selbstredend – wieder mal – mit Technik zu tun, also mit der kontrollierten Führung des Luftstroms. Die wohl im Eigenbau gefertigte – und sehr stilgerechte – Kadenz im ersten Haydn-Satz zeitigte darüber hinaus jenen Effekt einer fiktiven Mehrstimmigkeit, für den das Instrument von Haus aus gar nicht gemacht und gedacht ist. Mehr als hörenswert geriet auch die (zusammen mit dem Orchester absolvierte) Zugabe, Mark-Anthony Turnbridges „Nocturne“ von 2018. Wie bitte, die Trompete als Gute-Nacht-Sagerin? Ja, das gelang dank Hardenberger vorzüglich, und die massiven Jazz-Anmutungen waren ein Spaßfaktor besonderer Art.

Zu den Solokonzerten steuerte das in allen Belangen vorzügliche Orchester – tolle Bläsersolisten, wunderbar geschmeidig-gesanglich, dann wieder agil-brillant aufspielende Streicher –mit José Maria Blumenschein, dem Konzertmeister des WDR-Sinfonieorchesters, am ersten Pult zwei Sinfonien als Rahmenwerke bei: Haydns Nr. 85 und Beethovens vierte. Das sind bekannte Werke, denen Harding aber sehr wohl interessant-individuelle Aspekte abgewann. Nicht nur wurde die Musik solchermaßen zu einer feingliedrigen, von simultanen Kontrasten erfüllten und in der Tiefe durchgearbeiteten Erscheinung.

Vielmehr ließen Stauungen und Neuansätze immer wieder Unerwartetes um die Ecke kommen. Exzellent gerieten etwa die inneren Spannungen unter äußerer Ruhe im Scherzo-Trio, während die Gewalt der Crescendi den Hörer schier aus seinem Sitz holte. Der erste Haydn-Satz fiel im maßvollen Allegro ungewohnt, vielleicht zu lyrisch aus, aber die genüssliche Eindringlichkeit, mit der der Dirigent den „Hängenbleiber“ im Menuett-Trio zelebrierte, war eine kongeniale Umsetzung des diesem Komponisten eigenen skurrilen Humors.