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Zum Anhören und genießenDas sind die neuen Weihnachtsalben der Saison

5 min
Das Cover des Weihnachtsalbums «A Christmas to Remember» von Sänger Tom Gaebel (undatierte Aufnahme).

Prösterchen! Tom Gaebel trinkt auf Fest.

Cher lädt zur Weihnachtsparty, Gregory Porter schmeichelt sich durch die Feiertage – Axel Hill hat sich durch die neuen Albem zum Fest gehört und sagt, wo man zugreifen, wo die Finger von lassen soll.

Cher hat in diesem Jahr die größte Bugwelle in Sachen Werbung für ihr Weihnachtsalbum erzeugt: Seit dem Sommer plaudert sie über „Christmas“ (Warner Records), tummelt sich dafür auf den Pariser Modenschauen und der „Wetten Dass?!“-Couch. Mal abgesehen von der Tatsache, dass das Cover aufgrund des gleichgültigen Jeanslooks zu einem der schlechtesten ihrer Karriere gehört, ist das Resultat nicht verkehrt, wenn auch ein weihnachtlicher Gemischtwarenladen: autogetuntes Gewummer wie das herzige „Angels in the snow“, ein bisschen Rock'n'Roll („Run, Rudolph, run“) und prominente Gaststars wie Stevie Wonder, Cyndi Lauper oder Michael Bublé, mit dem sie dessen „Home“ sehr berührend interpretiert.


Wenn Ronan Keating oder Gary Barlow Deutsch singen würden, klängen ihre Platten sicher so wie die von Wincent Weiss: poppige, eingängige, mit angenehmem Timbre dargebotene Lieder, deren Texte auf angenehme Weise die bekannten Bilder rund ums Fest in Worte fassen. Ohne Frage: „Wincents Weisse Weihnachten“ (Vertigo/Universal) ist die Überraschung der Saison!


Andrea Berg ist so ein Fall, an dem sich die Schlager-Geister scheiden. Mit „Weihnacht“ (Bergrecords/Sony) schlägt sie elegant die Brücke zwischen tobendem Disco-Fox-Schlager und gepflegtem Pop. Und auch ihre Stimme ist weniger schneidend, als hätte sie mit einem großen Kakao mit einer Extraportion Sahne gegurgelt.


Swingend geht Tom Gaebel auch auf seinem dritten Weihnachtsalbum „A Christmas To Remember“ (Warner) das Fest der Feste an. Ob man nun die entsprechenden Versionen von Whams „Last Christmas“ und Mariah Careys „All I want for Christmas“ oder die x-te Fassung von „White Christmas“ braucht, sei dahingestellt — wobei man sich diese Frage bei fast allen neuen Weihnachtsalben stellen kann. Aber wie immer bei Gaebel ist das musikalisch natürlich keinen Moment lang zu beanstanden. Wirklich herausragend sind die vier neu verfassten deutschen Lieder – vor allem „Komm, wir geh'n zusammen“, wo er so viel Soul wie Max Mutzke hat.


Nur Stimme und Klavier – mit dieser schlichten Kombination überzeugen die holländische Jazz-Sängerin Fay Claassens und der Pianist Cor Bakker auf „Christmas Time Is Here“ (Jazzjazz). Mit Klassikern wie „Silent night“ oder auch Lieder wie „Tweedehands sneuw“ und „Het wonder“ erzeugt das Duo eine heimelige, intime Stimmung.


Soul und Jazz gehen bei Gregory Porter Hand in Hand, da macht „Christmas Wish“ (Blue Note/Universal) keine Ausnahme. Weihnachtliche Metaphern drängen sich bei seiner Stimme geradezu auf: feiner Karamell, schmelzende Schokolade, Sahnehäubchen auf allen zwölf Liedern, von denen einige aus Porters Feder stammen – und das alles, ohne dass man einen Zuckerschock bekommt.


Aus Schweden kommt Nils Landgren alle zwei Jahre mit einer Neuauflage von „Christmas With My Friends“ (ACT) auf Tournee und auf den Plattenteller. Die eingespielte Truppe kombiniert Traditionelles, auch aus der Heimat, mit Standards des American Songbooks, so auch auf der achten Ausgabe. Man ist immer wieder überrascht, dass das Konzept weiterhin funktioniert und Landgren und Co. mit so viel Freude immer wieder neue Lieder für sich entdecken.


Udo Jürgens hat zeit seines Lebens drei Weihnachtsplatten veröffentlicht. Nun haben seine Erben mit „Die schönsten Lieder zur Weihnachtszeit“ (Sony) einen weiteren Sampler herausgebracht, auf den drei CDs wurden alle deutschen Lieder versammelt sowie einige besinnliche Nicht-Weihnachtssongs – so weit, so vorhersehbar. Doch es gibt einen Knüller: Von der deutschen Platte von 1968 gibt es eine italienische Version, die erstmals auf CD erscheint — für Fans ein Fest!


Die Platte vom letzten Jahr mit Bonustracks noch mal auf dem Weihnachtsmarkt zu verhökern, gehört mittlerweile zum Standard. Sarah Connor bringt nun von „Not So Silent Night“ nun „The Cozy Edition“ (Polydor) heraus, die es in sich hat. Neben drei neuen Songs, die sich nahtlos in das bekannte hinreißende Pop-Material einreihen, findet sich eine zweite CD mit Live-Aufnahmen des Albums, auf denen Connors Röhre kräftig zum Einsatz kommt.


Roland Kaiser hat seiner vor zwei Jahren erschienenen „Weihnachtszeit“ ein „Goldene“ (Sony) vorangestellt, fünf neue Songs dazu gepackt (darunter „Baby, it's cold outside“ mit Michelle Hunziker) sowie die Instrumentalfassungen der 15 alten Nummern. Kann man machen, haut aber nicht aus den Latschen.


Pe Werner definierte vor zehn Jahren mit „Ne Prise Zimt“ (Energie Kultur) den Standard für deutschsprachige Weihnachtsplatten: mal witzige, mal nachdenkliche, aber immer kluge Texte zu raffinierten Melodien – ein Klassiker, an dem sich alle Jahresendzeit-Produkte aus deutschen Landen messen lassen müssen und an dem man sich nie leid hören kann. Zum Jubiläum kommt das Album mit goldenem Cover und zwei tollen neuen Liedern, „Handwarme Kastanien“ und „Diese stille Nacht“.


Hornist Felix Klieser hat sich mit „A Golden Christmas“ (Berlin Classics) einen persönlichen Traum erfüllt. Das Repertoire reicht von Buxtehude und Humperdinck bis zu bekannten Weihnachtsliedern aus deutschen oder anderen Landen. Allen Aufnahmen gemein ist der satte, warme Ton von Kliesers Horn – eine entspannte, extrem besinnliche Angelegenheit, auch für Ohren, die ansonsten eher im Pop unterwegs sind.


KultBlech Dresden nennt sich das Blechbläserensemble der Dresdner Philharmonie. Auf „Kommet, ihr Hirten“ (Berlin Classics) schicken sie unter anderem das bekannte Weihnachtslied einmal rund um die Welt – und darüber hinaus, wenn die Weise etwa auf Ravels „Bolero“ oder das Thema aus „Star Wars“ trifft. Ein großer Spaß, der manchmal fast so leichtfüßig wie James Last daherkommen mag, aber musikalisch selbstredend vom Konzertant-Feinsten ist.


Wenn der Baum brennt und alle den Raum, nein das Haus verlassen müssen, sollte noch schnell Wolfgang Petrys „Immer wenn es schneit“ (Sony) aufgelegt werden. Ansonsten nicht.