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„Immer wieder sonntags“Hier zerbricht die heile Welt von Stefan Mross

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06.09.2026, Baden-Württemberg, Rust: Sänger und Moderator Stefan Mross hält sich während der Liveübertragung der letzten Ausgabe der ARD-Schlagershow «Immer wieder sonntags» ein Taschentuch ans Gesicht, als ihm die Tränen kommen. Die Sendung lief rund 30 Jahren im Ersten und gehörte zu den beliebtesten Volksmusik-Shows in Deutschland.

Stefan Mross hält sich während der Liveübertragung der letzten Ausgabe der ARD-Schlagershow «Immer wieder sonntags» ein Taschentuch ans Gesicht, als ihm die Tränen kommen. 

Stefan Mross moderierte in der ARD seine letzte „Immer wieder sonntags“-Show und musste dabei mit den Tränen kämpfen.

Es ist kurz vor Sonntagmittag und Stefan Mross zerreißt es. „Ich möcht meine Eva an meiner Seite haben“, presst er mit brüchiger Stimme heraus. Die Verlobte eilt sofort herbei, küsst und stützt den Moderator. Unter ihrer Sonnenbrille fließen Tränen. „Eigentlich wollte ich die letzten 30 Sekunden noch irgendwas sagen“, spricht Mross feuchten Auges in die Kamera, „aber mir fällt nichts mehr ein.“ Dann brechen alle Dämme.

Im März hatte die ARD angekündigt, „Immer wieder sonntags“, seine sommerliche Liveshow, nach 31 Jahren abzusetzen. Die Öffentlich-Rechtlichen müssen sparen. Auch an Schlager und volkstümlicher Musik. Zwar hat die immer noch ihr Publikum – nachdem Stefan Mross vor 21 Jahren die Moderation von Max Schautzer und Sebastian Deyle übernommen hatte, waren die Quoten sogar kräftig gestiegen –, doch das Problem ist ein strukturelles: Weil immer weniger Menschen lineares Fernsehen schauen, erreicht das Programm aus dem Europapark Rust laut SWR heute rund 30 Prozent weniger Menschen als noch vor zehn Jahren.

Der heilen Welt sterben die Bewohner weg. Das kleine Vergnügungspark-Paradies passt mit seinem fröhlichen Playback-Geschunkel nicht mehr in die Zeit. „Sonntags ist es leider bald vorbei“, singt denn auch gleich zur Eröffnung der Abschiedsshow am 6. September ein bunter Strauß an Interpreten, darunter Kollegen wie Beatrice Egli, Patrick Lindner und Nicole, zum Viervierteltakt. Dabei könnte das Rhythmus-Preset aus dem Keyboard noch ewig weiterstampfen.

Stramm und stabil steht Mross in seiner Krachledernen auf der Bühne

Und Stefan Mross würde das auch sehr gerne. Im Vorfeld hatte er zu Protokoll gegeben, dass er die Entscheidung der ARD-Oberen nicht nachvollziehen könnte. Dass er noch zehn Jahre weitermachen könne. Jetzt springt er mit einem kämpferischen „Jawohl!“ auf die knallgelbe Bühne, die seit einigen Jahren gar nicht mehr im Europa-Park steht, sondern ein paar Hundert Meter weiter im Wasserpark Rulantica.

Kämpferisch klingt auch der Applaus des „besten Publikums der Welt“. Mross kneift die Augen zusammen, steht stramm und stabil in seiner Krachledernen (obenrum trägt er Anzug und Krawatte), tönt trotzig von einer „Ära, die in die Musikgeschichte eingeht“. Ja, er fühlt sich selbst von den Auswirkungen der Klimakatastrophe in seiner Mission bestätigt: „In dieser Saison haben wir keinen einzigen Tropfen gehabt in der Sendung: Weil der Petrus und alle, die dort oben sind, haben sich einfach gefreut, dass es 'Immer wieder sonntags' gibt.“

06.09.2026, Baden-Württemberg, Rust: Sänger und Moderator Stefan Mross und die Sängerin Stefanie Hertel stehen während der Liveübertragung der letzten Ausgabe der ARD-Schlagershow «Immer wieder sonntags» auf der Bühne. Die Sendung lief rund 30 Jahren im Ersten und gehörte zu den beliebtesten Volksmusik-Shows in Deutschland.

Sänger und Moderator Stefan Mross und die Sängerin Stefanie Hertel stehen während der Liveübertragung der letzten Ausgabe der ARD-Schlagershow «Immer wieder sonntags» auf der Bühne.

Rhetorisch bleibt der gelernte Trompeter herausgefordert, zumal er sich in seiner finalen Show überraschen lassen will: „Es kommt eine Sendung auf uns zu, da weiß ich noch nicht mal, was auf mich zukommt.“ Aber gerade das ungelenk radebrechende wissen die Fans des Mannes zu schätzen, der einst vor laufenden Kameras nach dem Verzehr einer extrascharfen Currywurst kollabierte.

Der Oberbayer redet mit dem Bauch. „Er ist halt noch ein Kind, mehr Herz als Verstand“, beschreiben Marianne und Michael den 50-Jährigen – das First Couple der volkstümlichen Musik ist eigens für ihn aus dem Ruhestand zurückgekehrt. Aber sie meinen das nicht böse, sondern ausdrücklich als Lob.

Mit bibbernder Unterlippe greift Stefan Mross zum Taschentuch

„Männer dürfen Gefühle zeigen“, hatte ihn zuvor der Sänger einer A-cappella-Gruppe getröstet. Niemand zeigt an diesem Sonntag mehr Gefühl als Mross. So entkräftet er den altbekannten Vorwurf, das Genre würde seine Rührseligkeit nur vortäuschen. „Wir spielen das nicht, wir meinen das ernst“, kommentiert er den Auftritt seiner Ex-Frau Stefanie Hertel, die „ein Stückerl heile Welt“ beschwört.

Fast alle Gäste haben ein Mitklatsch-Medley ihrer größten Hits mitgebracht, fast alle haben diese Lieder auf den unfreiwilligen Abschied des Moderators umgedichtet. Und jedes Mal wirft es Mross aus der Routine. „Natürlich geht’s mir nicht so gut“, widerspricht er den jungen Zillertalern, die „vorne gute Laune, hinten gute Laune“ propagieren. Muss mit bibbernder Unterlippe zum Taschentuch greifen, als das Dirndl-Duo Sigrid & Marina ihn an gemeinsame Auftritte erinnert, und auch als der argentinische Schmusesänger Semino Rossi ihm zur Begleitung einer brutalst verstimmten Gitarre „La Paloma“ vorsäuselt: „Wir müssen alle zusammenhalten.“

Lauscht ergriffen seinem Kollegen Andy Borg, der ihm ein Liebeslied umwidmet: „Wie du uns berührst, so wie du moderierst.“ Der österreichische Schlagersänger musste schon vor zehn Jahren den letzten „Musikantenstadl“ abmoderieren, den er von Mross’ Mentor Karl Moik geerbt hatte. Er weiß, wie weh das tut. Mross küsst ihn auf die Wange, erinnert Borg an den innigen Moment, „als wir uns in den Armen lagen in Baden-Baden“.

Selten wog die leichte Unterhaltung schwerer als an diesem Sonntagvormittag, der so nicht mehr wiederkommen wird.