Zwölf hochkarätige Cellisten der Berliner Philharmoniker gastierten mit einem bunten Programm beim Kölner In-Motion-Festival.
In-Motion-Festival in der Kölner PhilharmonieGroßer Spaß, trotz Etikettenschwindels

Tänzerin Krasina Pavlova mit den Cellisten der Berliner Philharmoniker in der Kölner Philharmonie
Copyright: NEKAME.KLASOHM; Nekame Klasohm
„Dancing around the planet“ – so lautete der Plan. Und bei der Umsetzung hatten die zwölf Cellisten der Berliner Philharmoniker den Mund wahrlich nicht zu voll genommen. Polnische Mazurka, böhmischer Furiant, spanische Pavane, argentinischer Tango – das und vieles mehr vereinte das Programm der exquisiten Truppe, die sich in der Kölner Philharmonie übrigens als fast reine Herrenriege präsentierte: Nur eine einzige Dame bereicherte das Gruppenbild. Zumindest in der Cello-Sektion scheint das hauptstädtische Elite-Orchester seinen alten Usancen treu geblieben zu sein.
Das gut besuchte Konzert war Teil des neuen Festivals „In Motion“, das mit dem Anspruch antritt, Musik und Tanz „zu etwas Größerem zusammenwachsen“ zu lassen. Hier muss man indes einen gelinden Etikettenschwindel anmerken: Der Beitrag des Tanzduos Krasina Pavlova und Lucio Vidal beschränkte sich auf drei kurze Auftritte, was umso bedauerlicher war, als die beiden ihre Interpretationen der Musik perfekt auf den Punkt setzten und man auch von Arshak Ghalumyans stiloffener Choreografie gerne mehr gesehen hätte.
Entspanntes Easy Listening mit künstlerischem Anspruch
Im Grunde lief der Abend so, wie man es von den zwölf Cellisten kennt: Das bunte Programm verband künstlerischen Anspruch und entspanntes Easy Listening; das hochvirtuose Spiel war mit kleinen Kapriolen humorvoll gewürzt – so musste der Instrumentenkorpus immer mal wieder für sanft grundierende Percussion herhalten.
Wie gewohnt faszinierte die chamäleonhafte Mimikry, mit der das Team jede erdenkliche Ensemblefarbe annahm: In einer Suite von Henry Purcell verwandelte es sich in ein barockes Gambenconsort, bei Astor Piazzollas „Libertango“ und „Adiós nonino“ in eine glutvoll aufspielende Tangokapelle. Beim seidigen Walzer aus Dmitri Schostakowitschs Suite für Varietéorchester fischten die Berliner Cellisten gar in den (keineswegs seichten) Gewässern von André Rieu.
Der nächste Hit lauert schon um die Ecke
Im Eifer des Gefechts kam es gelegentlich zu kleinen Missgriffen und Unsauberkeiten, aber Hand aufs Herz: Wenn sich zwölf Vollblut-Cellisten so mächtig ins Zeug legen, dann muss zuweilen auch mal ein bisschen derber geschrubbt werden, sonst macht es ja keinen Spaß.
Und Spaß hatte das Publikum zweifellos genug; es fraß den Musikern auch sprödere Nummern wie Boris Blachers „Rumba philharmonica“ oder die rhythmisch komplex verhakten Miniaturen von Giovanni Solima und Marijn Simons bereitwillig aus der Hand. Man wusste ja auch, dass der nächste Hit immer schon um die Ecke lauerte, sei es „America“, „Tea for Two“ oder „Sous les ponts de Paris“ mit der wunderbaren Anmutung einer verstimmten Drehorgel.
Das ursprünglich avisierte Konzertende wurde um eine Dreiviertelstunde überzogen, aber das wird niemanden im Saal ernsthaft erzürnt haben. Die letzte Zugabe sagte Moderator Ludwig Quandt denn auch mit der Bemerkung an, nun sei das Pulver verschossen – und passenderweise erklang Ennio Morricones ikonisches Mundharmonika-Thema aus „Spiel mir das Lied vom Tod“.
