- „Bauer sucht Frau“-Moderatorin Inka Bause hadert mit Berlin.
- Im Interview mit Dirk Fisser verrät die 52-Jährige, warum sie ihre Heimat nicht mehr als Stadt der Freigeister wahrnimmt – und wehrt sich gegen den Vorwurf, ihre Sendung transportiere ein falsches Bild der Landwirtschaft.
Sie haben im Internet zur Unterstützung einer Petition aufgerufen, die den Hahnenschrei oder die Kuhglocke unter besonderen rechtlichen Schutz stellen lassen will. Wie kam es dazu?Ich wurde angesprochen von den Initiatoren. Das kommt häufiger vor. Meistens muss ich absagen, ich kann ja auch nicht jeden retten. Aber dieses Ziel hat mich echt überzeugt. Es geht darum, das Landleben mit seinen Gerüchen, Geräuschen etc. unter besonderen Schutz zu stellen. Wir stellen ja auch Denkmäler und alte Gebäude unter Denkmalschutz. Hier geht es aber um Mensch und Tier und Umwelt! Da wird beispielsweise ein Landwirt in Bayern von Zugezogenen verklagt, weil seine Kühe mit Glocken um den Hals auf der Alm stehen. Das muss man sich mal vorstellen! Was ist denn das für eine Zeit, in der wir leben! Ich kenne das hier in Berlin ja auch…
Inwiefern? Ist das kein Stadt-Land-Konflikt?
Nein, nicht unbedingt. Nach Prenzlauer Berg in Berlin, also in ein In-Viertel, ziehen Menschen aus ganz Deutschland und Europa hin. Kaum sind die Möbel gerückt und die Bilder an der Wand, wird dann als erstes der Gastwirt verklagt, der seit Jahrzehnten unten im Haus eine Kneipe betreibt und dessen Wirtschaft jetzt plötzlich stört. So etwas ärgert mich. Der Respekt vor dem Lebensmodell des Anderen ist abhanden gekommen. Wer sich so ignorant verhält, ist eine Gefahr für unsere Gesellschaft, weil er spaltet. Und nach meiner Wahrnehmung werden es immer mehr. Mensch, ich rede mich hier richtig in Rage!

Seit 2005 moderiert Inka Bause die RTL-Sendung „Bauer sucht Frau“.
Copyright: TVNOW/Guido Engels
Haben Sie den Berlin-Blues?
Das muss ich jetzt einfach mal sagen: Als Berlin noch durch die Mauer getrennt war, lebten im Westteil Wehrdienstverweigerer, viele Linke, Künstler und Menschen, die eben mit dem Leben in dieser besonderen Stadt und Umgebung kein Problem hatten. Im Ostteil lebten auch viele Künstler, weil in der DDR zentralistisch gedacht wurde und alle Medien hier angesiedelt waren. Es war eine Freigeist-Stadt. Nach dem Mauerfall sind Künstler aus aller Welt hergezogen. Davon ist nicht mehr viel übrig geblieben, das Feeling hat sich total geändert. Das ist sehr bedauerlich.
Suchen Sie schon nach einer Wohnung auf dem Land?
Nee, ich liebe die Stadt trotz allem, ich bin ein Stadtmensch! Ich bin in Leipzig geboren und in Berlin groß geworden. Mein Kiez ist auch ein ziemlich idyllischer. Ich wache hier tatsächlich morgens mit einem Hahnenschrei auf – also noch. Zwei Straßen weiter ist eine Laubenpieper-Siedlung, die dürfen auch Kleinvieh wie Hühner halten. Mal sehen, wie lange noch, bis der erste dagegen klagt… Ich kann das schlecht nachvollziehen, was mit den Menschen los ist. Ich bin zu Toleranz erzogen worden. Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden – da halte ich es ganz mit Rosa Luxemburg. Das hat mich geprägt.
Ist die Meckerkultur etwas, das aus Westdeutschland importiert ist?
Das kann man nicht verorten. Das scheint mir eher der Zeitgeist heute zu sein. Früher war es doch sowohl im Osten als auch im Westen anders. Da war es doch eher selbstverständlich, wenn die Kinder laut draußen spielten oder der Teppich draußen ausgeklopft wurde. Heute ist es doch eher so, dass als erstes der Anwalt in Gang gesetzt wird, wenn der Nachbar sonntags den Rasenmäher anwirft. Mir scheint das auch mit unserem Wohlstand zusammenhängen. Wir haben keine echten Probleme mehr. Deswegen suchen wir uns welche.
Apropos Probleme: Viele Landwirte haben in den vergangenen Monaten ihre Probleme in die Städte getragen und mit ihren Traktoren protestiert. Haben Sie davon etwas mitbekommen?
Ja, klar, ich stand auch im Stau. Aber da war es mir dann auch egal, ob ich zu spät komme. Ich konnte den Unmut gut nachvollziehen. Ich sage meinen Städtern immer: Fahrt raus aus der Stadt, guckt euch die Höfe an, kauft dort eure Lebensmittel! Es muss nicht immer Bio sein, Hauptsache aber regional!
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Fehlt gerade den Städtern der Bezug zu ihrem Essen?
Wir haben uns doch insgesamt sehr weit entfernt von unseren Lebensmitteln. Wir wollen unser foliertes Fleisch aus dem Tiefkühlregal nehmen und gar nicht so genau wissen, was vorher passiert ist. Und wehe, der Preis steigt. Das muss sich ändern. Gute Landwirtschaft geht nur mit guten Preisen. Am Anfang unserer Sendung „Bauer sucht Frau“ gab es manchmal Kritik, weil wir auch Nebenerwerbslandwirte gezeigt haben. Da hieß es dann: „Das ist ja kein echter Bauer!“ Ich habe dann immer gesagt: Mensch, denkt doch mal drüber nach, warum er das nicht im Vollerwerb macht. Weil er nicht davon leben kann!
Hat ihre Sendung mit dem Fokus auf Unterhaltung ein falsches Bild des Landlebens und der Landwirtschaft in den Köpfen verankert?
Das sehe ich ganz anders. Der Erfolg der Sendung hat auf diese Berufsgruppe aufmerksam gemacht. Erst danach kamen doch diese ganzen Landleben-Magazine auf den Markt. Den Grundstein haben wir mit „Bauer sucht Frau“ gelegt. Wir haben uns nie über die Bauern lustig gemacht. Meine Texte aus dem Off waren nie hämisch. Aber ja, es gibt sicher gerade in den Städten Menschen, die sich über Bauern und das Landleben erheben. Aber ich will klar sagen: Die Bauern sind klarer im Kopf und strukturierter als zwei Drittel der Menschen in der Großstadt. Wenn man hier in Berlin die Ampeln ausschaltet, dann kommt niemand mehr selbstständig über die Straße.
Wird es dieses Jahr trotz Corona eine neue „Bauer sucht Frau“-Staffel geben?
Ja, unsere Ostersendung ist im Kasten, an Pfingsten kommen die neuen Bauern. Wir hangeln uns da ein bisschen von Woche zu Woche bei den Dreharbeiten. Es kann ja jederzeit passieren, dass Lockerungen wieder zurückgenommen werden müssen.
Sie sind ja nicht nur Moderatorin, sondern – vor allem in Ost-Deutschland – auch als Sängerin bekannt…
Moment, da möchte ich einhaken: Mit meiner letzten Single aus dem Album „Lebenslieder“ war ich auf Platz 1 der Charts, das war der meistgespielte Song im Bereich Schlager/Pop. Das hätte ich ohne die Wessis nicht geschafft! Da bin ich total stolz drauf. Ich habe ja viele alte Ost-Songs aufgenommen, die in Vergessenheit geraten sind oder in Teilen des Landes nie bekannt waren. Das gilt auch für die kommende Single – „So ging noch nie die Sonne auf“. Das Lied kommt aus den 70ern, das habe ich in meiner Kindheit gehört. Als ich mit dem fast 90 Jahre alten Komponisten gesprochen habe, hätte der fast geheult vor Freude, weil jemand sein Lied neu aufnehmen möchte.
Sie planen trotz Corona auch eine Tour. Ist das nicht ziemlich riskant?
Ich will das einfach durchziehen, auch wenn ich bei allen Sicherheitsbestimmungen vielleicht kein Geld damit verdienen werde. Ich will da auch ein Zeichen setzen für meine Techniker und meine Band. Wir wollen und wir müssen weitermachen. Ich kenne viele Betroffene aus der Kreativbranche, die jetzt in der Pandemie ohne Arbeit dastehen. Meine Leute und ich wollen weitermachen und auch Hoffnung geben, dass es weiter geht.

