Köln – Dr. Peter Bach gründete 1994 den Kunstsalon als eingetragenen Verein mit dem Ziel, die Kultur in Köln und der Region voranzutreiben. Den Vorsitz hat er nach 22 Jahren an Andreas C. Müller übergeben. Friederike Stier kam 1997 als Event-Managerin dazu. Vor drei Jahren übergab sie das Geschäft in die Hände von Tom Kurz.
Wie kam es zum Kunstsalon?
Bach: In erster Linie habe ich eine Fabrik gesucht. In den 90ern ein schwieriges Unterfangen, es war die Hoch-Zeit der Lofts. Alle wollten so wohnen. Ich besitze ein ausgesprochenes Faible für die besondere Schönheitsentwicklung und Architekturentwicklung. Ich habe Spaß am Sanieren und möchte alte Gebäude erhalten. In Raderberg wurde ich halt fündig. Die ehemalige Kupferschmiede wurde in den 90ern im Erdgeschoss als Papierfabrik genutzt. Im ersten Stock, im jetzigen Kunstsalon, wohnte ein Künstler. Im Raum standen lediglich eine Couch und ein Bett.
Stier: Ich kam 1997 dazu. Da waren die Renovierungsarbeiten zur Hälfte abgeschlossen. Ich war für die gewerbliche Vermietung verantwortlich, die es schon immer parallel zur Kultur gab. Neben Seminaren und Workshops vermieten wir für private Veranstaltungen. Die Location wird immer noch gut angenommen.
Der Kunstsalon
Mehr als 300 Künstler waren bis heute zu Gast im Kunstsalon. 25 Jahre nach ihrer Gründung unterstützt die Privatinitiative mit fast 800 Mitgliedern alle kulturellen Sparten. Im Mittelpunkt steht die Nachwuchsförderung mit einem Finanzierungsvolumen von insgesamt einer Million Euro.
Im Jubiläumsjahr finden zahlreiche Veranstaltungen statt. Offiziell feierte der Kunstsalon seinen Geburtstag am Sonntag mit einem Sommerfest. Emanuele Soavi und seine Crew tanzten, das Theater am Bauturm zeigte einen Ausschnitt aus „Sommerloch. Eine Reisewarnung“. Bekannt sind die Festivals des Salons, Musik und Literatur in den Häusern der Stadt. (sam)
Ist das erstaunlich?
Stier: Ich habe damals selbst in der Mannsfelder Straße gewohnt. Die Lage ist ja nicht gerade top, ein bisschen wie Harlem. Es verirren sich immer mal Besucher in den Hinterhof und sind überrascht, was sie vorfinden.
Bach: Vor Jahren haben wir über die Stadt versucht, die Kreuzung zu verändern. In unseren Anfängen bestand sie nur aus Werbetafeln. Kern der ganzen Problematik ist und war die U-Bahn. Uns fehlen Parkplätze, aber vor allem die Anbindung an den Nahverkehr. 2012 sollte alles fertig sein. Mittlerweile haben wir 15 Jahre Baustelle hinter uns – und vor uns.
Stier: Für die Logistik der Veranstaltungen ist das ein Problem. Wir sind eine anerkannte Außenstelle des Standesamtes. Unsere größte Veranstaltungsreihe, um die wir uns damals beworben haben. In Kombination mit dem Kulturbetrieb erfüllen wir das Kriterium, ein Ort des öffentlichen Interesses zu sein.
Bach: Es wird geheiratet wie verrückt. Oftmals war es in den Anfängen so, dass die Leute erst vorsichtig geschaut haben, was wir machen. Aber die Leistung überzeugte immer. Egal, ob bei Businesskonferenzen oder Managertreffen. Gleichzeitig haben die Besucher dann die Besonderheit dieser Architektur kennengelernt.

Auch für Hochzeiten und andere Feiern wird der großzügige, helle Raum heute gerne genutzt.
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Der Raum, der war es?
Bach: Der Raum, in dem der Künstler wohnte, hatte das Potenzial. Meines Erachtens wurde er nach dem goldenen Schnitt gebaut, denn er ist ebenso erhaben wie gemütlich. Die alten Industriefenster, das ganze Areal wurde unter Denkmalschutzgesichtspunkten saniert. Das hat fünf Jahre gedauert.
Stier: Eine spannenden und aufregende Zeit. Alles war neu. Am Anfang stand beim Catering kein Glas im Schrank.
Bach: Und es gab keinen Schrank.
Und die Vision?
Bach: Ich wollte die Künste implementieren und interdisziplinär zusammenbringen. Die bildende Kunst, die Musik, Schauspiel und Tanz. Das war damals in Köln alles getrennt. Ich hatte in allen Segmenten zu tun und auch von Seiten der Künstler bestand ein hohes Interesse, die Sparten zusammenzuführen. Wir wollten beweisen, dass es eine Gesellschaft aus eigener Kraft schafft, ohne gleich auf städtische Mittel zurückgreifen zu müssen.
Und warum „Salon“?
Bach: Der Salongedanke war wichtig. Das lief in den 90ern gegen den Zeitgeist, wo jeder machte, was er wollte. Wir wollten den Salon, nicht historisch, sondern modern interpretiert, als Zusammenführung.
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Hollywood in Raderberg?
Bach: Bitte machen Sie daraus keine Überschrift oder reduzieren den Kunstsalon darauf. Die gesamte Kölner Kulturszene war im Wesentlichen hier. Natürlich kamen berühmte Persönlichkeiten. Michael Ballhaus, allen voran. Er kam gerade vom Dreh von „Goodfellas“ und brachte ein Making of des Films mit. Volker Schlöndorff war mit den Schauspielern der „Faßbinder-Generation“ im Kunstsalon. Maximilian Schell war Gast oder die Mezzosopranistin Iris Vermillion. Sie kam ganz locker in Jeans. Ich hatte eine Diva erwartet. Im Mittelpunkt stand immer das Gespräch, das mindestens eine Stunde dauert. Und jeder Künstler hat etwas mitgebracht.
Was feiern Sie persönlich?
Bach: Ich feiere vor allem, dass die Idee gezündet hat. Das war sehr schwer am Anfang. Wenn ich eine Fördergesellschaft zu Ehren von Heinrich Böll gegründet hätte, wäre es einfacher gewesen.
Stier: Ich überlasse ein Objekt, das auf sicheren Beinen steht. Es war eine tolle Zeit, ich habe vieles gelernt. Und der Künstler aus dem ersten Stock? Dem haben wir ein neues Atelier besorgt.


