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Studie zur AlltagsspracheJüngere sagen seltener „bitte“ – gelten aber nicht als unhöflicher

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Was ist höflich? Das untersuchen Forscher in Berlin und Bielefeld. (Symbolbild)

Was ist höflich? Das untersuchen Forscher in Berlin und Bielefeld. (Symbolbild)

Bei 30-Jährigen fällt „bitte“ nur bei jeder vierten Bitte. Forscher sehen darin einen anderen Höflichkeitsbegriff.

Jüngere Menschen sagen im Alltag seltener „bitte“ als ältere, gelten deshalb aber nicht als unhöflicher. Daten eines Forschungsprojekts der Freien Universität Berlin und der Universität Bielefeld zeigen, dass 30-Jährige es nur bei jeder vierten Bitte verwenden. Bei 70-Jährigen geschieht dies fast doppelt so oft.

Die Forscher schließen daraus nicht, dass jüngere Menschen unhöflicher kommunizieren. Ihrer Ansicht nach liegt vielmehr ein anderes Verständnis von Höflichkeit vor. Auch Wörter wie „vielleicht“ oder „eventuell“ wirken sprachlich sanft und freundlich. Die Frage „Kannst du mir das vielleicht erklären?“ kann deshalb auch ohne „bitte“ und „danke“ höflich sein.

Jüngere Menschen duzen auch häufiger

Auch die förmliche Anrede „Sie“ verliert an Bedeutung. „Jüngere Menschen duzen häufiger als ältere“, sagt Janel Zoske, Linguistin an der FU Berlin. „Die Wahl der Anrede hängt aber nicht nur vom eigenen Alter ab, sondern auch davon, wie alt unser Gegenüber ist.“

Die Ergebnisse stammen aus dem internationalen Forschungsprojekt „Variantenpragmatik des Deutschen: Kommunikative Muster im Vergleich“. Untersucht wurde unter anderem, wie Menschen Bitten formulieren und welche Rolle Alter und Region spielen. Vor allem kamen Online-Fragebögen zum Einsatz. Die Befragten notierten, wie sie in einer bestimmten Situation sprachlich reagieren würden.

Henrik Discher über regionale Höflichkeitsmuster

Auch regional zeigen sich Unterschiede. In der Schweiz ist es weit verbreitet, die Mitmenschen mit dem Namen zu grüßen. In Deutschland und Österreich geschieht das seltener. Linguist Henrik Discher erklärte dazu gegenüber dem FU-Magazin „Campus.Leben“, Menschen in der Schweiz nähmen Deutsche eher als schroff wahr. „Bisher gibt es jedoch keine überzeugenden empirischen Belege dafür, dass Menschen in Deutschland unhöflicher sprechen als in Österreich oder der Schweiz.“

Siezen, „bitte“ und „danke“ lassen sich laut Discher auch von Laien leicht als höflich erkennen. Es gibt jedoch zahlreiche weitere Möglichkeiten, Höflichkeit zu signalisieren. Dazu zählen der Konjunktiv („Hättest du Zeit...?“), indirekte Formulierungen und vorsichtige Fragen. Im Süden des deutschsprachigen Raums seien mehr solcher Merkmale zu beobachten, auch in Kombination, so Discher. Er nennt als Beispiel den Satz: „Könnte ich bitte eventuell ganz kurz mal?“

Am Mittwoch (4. November) befasst sich eine Podiumsdiskussion an der Freien Universität in Berlin unter dem Titel „Die Berliner Schnauze auf dem Prüfstand“ mit Höflichkeit in der Alltagssprache. Dem Klischee zufolge herrscht dort traditionell ein rauer Ton. (dpa/red)