Das „Junge Buch für die Stadt“ ist im kleinen Kölner Péridot-Verlag erschienen.
Junges Buch für die StadtKleiner Verlag für große Comic-Kunst

Comic-Zeichner und Péridot-Verleger Ferdinand Lutz.
Copyright: Alexander Schwaiger
Schutz vor negativer Energie, Herzöffnung und Mitgefühl, Optimismus und Lebensfreude – der Peridot ist ein Edelstein, dem viele wundersame Kräfte nachgesagt werden. Und so sollen auch die Bücher des kleinen Kölner Péridot-Verlags sein. „Wohlstand und Fülle“ soll der Edelstein übrigens auch bringen – aber wer den ganz großen Reichtum will, gründet eigentlich keinen Verlag für Kunst-Comics.
Doch genau das hat Ferdinand Lutz vor fünf Jahren getan: Sein Verlag ist mehr oder weniger ein Ein-Mann-Betrieb mit Sitz in einer Zwei-Zimmer-Wohnung in Köln-Ehrenfeld. Und weil er Frankreich liebt, hat er noch ein Accent aufs E gemacht, als er sich für den glanzvollen Verlagsnamen entschied. „Dass dieser Stein den Menschen schon seit vielen Jahrhunderten als Kostbarkeit gilt, war für mich ein gutes Symbol. Weil ich versuche, kleine Schätze zu bergen.“
Schätze wie „Sailor und Pekka erledigen was in der Stadt“. Das Buch des schwedischen Künstlers Jockum Nordström wurde schon vor 30 Jahren veröffentlicht, aber die deutschen Verlage ignorierten es. Oder, wie Ferdinand Lutz es formuliert: Sie haben sich diesen Leckerbissen entgehen lassen. Bis er den schwedischen Künstler für sich entdeckte, begeistert war – und das Buch einfach selbst veröffentlichte.
In der „Sailor und Pekka“-Reihe sind sechs Bände erschienen, die bei Péridot nach und nach veröffentlicht werden sollen. Gemeinsam ist ihnen eine ganz eigene Bildsprache, irgendwo zwischen minimalistisch und surrealistisch: Die Figuren erinnern an Kinderzeichnungen, dafür wirken die Gebäude wie aus einer Architekten-Planung. Im zweiten Band, in dem Sailor Fieber hat, wird es auch ein bisschen psychedelisch. Der Ton ist lakonisch, die Geschichten alltäglich – mal davon abgesehen, dass Hund Pekka spricht. In „Sailor und Pekka erledigen was in der Stadt“ braucht der nette Seemann Sailor zum Beispiel einen neuen Pullover und will deswegen einkaufen fahren. „Gut, dann kann ich mir auch gleich die Haare schneiden lassen“, beschließt Pekka pragmatisch – und los geht's.

In Jockum Nordströms Buch sind viele interessante Gestalten unterwegs.
Copyright: Péridot
„Jockum Nordström ist ja heute ein bedeutender Künstler. Und dass er vor mehr als 30 Jahren ein Kinderbuch gemacht hat, ist ein unglaubliches Glück und Geschenk“, sagt Ferdinand Lutz. Für ihn ist das Buch gerade deswegen interessant, weil es in keine Schublade passt, ein Grenzgänger ist zwischen Erwachsenen- und Kinderbuch, aber auch zwischen Kunst- und Bilderbuch. Genau in dieser Grauzone ist der Péridot-Verlag zu Hause.
Eigentlich hat Ferdinand Lutz Volkswirtschaft und Soziologie studiert – nicht unbedingt die klassische Laufbahn für einen Verleger von Comic-Kunst. Während seines Studiums hat er aber immer gezeichnet und schließlich ein Angebot vom Kinder-Ableger des „Spiegel“ bekommen, dort regelmäßig zu veröffentlichen. Eine einmalige Chance, die es ihm ermöglichte, vor Publikum zu wachsen, wie er sagt. In Frankreich gäbe es viele Magazine, in denen sich Zeichner und Zeichnerinnen ausprobieren können. Und genau so eine Spielwiese habe in Deutschland gefehlt. So entstand die Idee für das Comic-Magazin „Polle“, das seit 2018 in Köln-Ehrenfeld entsteht.
Ich will die Leute, quasi ohne dass sie es merken, für Bild-Erzählungen begeistern
Die erste Buchveröffentlichung aus dem Péridot-Verlag erschien vier Jahre später und hatte gleich einen prominenten Autor: Grüffelo-Zeichner Axel Scheffler. Der hatte über Jahrzehnte seine Briefe mit aufwendig gestalteten Briefumschlägen verschickt, die in einer Frankfurter Ausstellung gezeigt wurden. „Und dann habe ich mich da irgendwie selber ins Spiel gebracht und gesagt: Also wenn man das als Buch rausbringen würde, dann müsste man das so und so machen...“.
Inzwischen verlegt Ferdinand Lutz pro Jahr zwei „Polle“-Ausgaben und vier weitere Bücher. Gerade entsteht unter anderem ein Buch mit gesammelten Kolumnen des deutschen Comiczeichners und Künstlers ATAK (Hans Georg Barber). Über so eine ATAK-Kolumne ist Ferdinand Lutz überhaupt erst auf Jockum Nordström aufmerksam geworden. Und dieser Text ist auch als Nachwort von „Sailor und Pekka“ zu lesen. „So etwas Seltsames hatte ich nie zuvor gesehen“, heißt es darin begeistert. Und so schließt sich der Kreis im Péridot-Kosmos.
Dass „Sailor und Pekka“ als „Junges Buch für die Stadt“ ausgewählt worden ist, ist für Ferdinand Lutz „ein Glücksfall“ – denn natürlich wünscht er dem Buch so viel Aufmerksamkeit wie möglich, welcher Verleger wollte das nicht? Wenn sich 1500 Stück verkaufen, sei das für so einen kleinen Verlag schon in Ordnung, sagt er. „Ich will einfach nur, dass sich das Buch selbst trägt. Dass die Druckkosten und die Vorschüsse halbwegs wieder reingespielt werden.“ Seine Brötchen verdient er vor allem mit seinen eigenen Zeichnungen und Büchern, zum Beispiel der „Q-R-T"-Reihe. Und die „Visual Diarys“, hübsche Tagebücher zum Selbst-Zeichnen, verkaufen sich super.
Fan-Sein und Verleger-Sein liegen bei Ferdinand Lutz nah beieinander, auch bei Jockum Nordström. „Was gibt es Schöneres, als zu sagen: Ich bin ein Verleger aus Deutschland und ich würde gerne Ihr Buch veröffentlichen? Dann kommt man natürlich ganz anders ins Gespräch ,und das ist toll.“ Außerdem ist er auch missionarisch unterwegs – undercover: „Ich will die Leute, quasi ohne dass sie es merken, für Bild-Erzählungen begeistern. Sie wie so eine Art trojanisches Pferd auch mit großen Namen wie Jockum Nordström oder dem Übersetzer Hinrich-Schmidt-Henkel zu locken.“
Besonders freut er sich, dass durch die deutsche Ausgabe jetzt auch viele englische Verlage auf einmal auf die „Sailor und Pekka“-Reihe aufmerksam werden und sie veröffentlichen wollen. „So sind diese Geschichten nach Jahren noch einmal neu belebt worden.“
Am Sonntag, 28. Juni, wird die Aktionswoche für das „Junge Buch für die Stadt“ im Interim der Zentralbibliothek auf der Hohe Straße eröffnet. Mit dabei sind der Übersetzer Hinrich Schmidt-Henkel und Verleger und Comic-Zeichner Ferdinand Lutz, die das Buch mit Moderatorin Britta Weyers vorstellen. Der Eintritt ist frei, Anmeldung über die Kölner Stadtbibliothek. Danach gibt es eine Woche lang Veranstaltungen wie Bilderbuchkino und Mal- und Bastelaktionen im Literaturhaus und in den Stadtteilbibliotheken. Das „Junge Buch für die Stadt“ ist eine Aktion des Jungen Literaturhaus Köln, der Kölner Stadtbibliothek und „Kölner Stadt-Anzeiger“/„Kölnische Rundschau“.