Das ZDF hat sich für eine umstrittene Sendung der Kindernachrichten „logo!“ entschuldigt und den Beitrag aus dem Archiv entfernt.
Wirbel um KindernachrichtenbeitragZDF löscht „logo“-Sendung und räumt „Fehler“ ein

Das Logo der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt Zweites Deutsches Fernsehen (ZDF).
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Das ZDF hat sich für eine umstrittene Sendung der Kindernachrichten „logo!“ entschuldigt. Der Beitrag über Kirchen sei „aus dem Archiv unserer Erklärstücke entfernt worden“, schrieb ZDF-Intendant Norbert Himmler in einer Antwort auf mehrere Beschwerden, wie die christliche Medieninitiative „Pro“ berichtete. Auch sie hatte Programmbeschwerde beim Mainzer Sender eingereicht. In der ZDF-Mediathek erscheint anstelle des Beitrags jetzt ein Hinweis.
„Pro“-Geschäftsführer Christoph Irion kritisierte, das Erklärvideo werde dem Ziel, den Anstieg der Kirchenaustritte sachlich zu verdeutlichen, nicht gerecht. Der Beitrag enthalte „durch Weglassung und fehlende Kontextualisierung mehrere teils problematische historische Fehler“. Dadurch entstehe „eine einseitige und teils sachlich falsche Darstellung von Kirche und Glauben“, begründete Irion die Programmbeschwerde der Medieninitiative.
„Einseitiger Hetzbericht über die Geschichte der christlichen Kirchen“
Auch Zuschauerinnen und Zuschauer hatten bemängelt, dass in der Sendung das Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan überwiegend positiv dargestellt worden sei, während das anschließende Erklärvideo zur Geschichte der Kirche einen stark kritischen Fokus gehabt habe. Austritte, Angst vor der Hölle und Ablasshandel nahmen viel Raum ein. Neben dem Vorwurf einer tendenziösen Gegenüberstellung brachten Kritiker auch vor, dass in dem Beitrag viele Informationen fehlten.
Größere Öffentlichkeit bekam das Thema durch einen Beitrag auf der Plattform X des Wirtschaftslobbyisten Thorsten Alsleben, der früher Redakteur des ZDF-Hauptstadtstudios war. Er nannte den Beitrag dort einen „einseitigen Hetzbericht über die Geschichte der christlichen Kirchen“.
ZDF-Intendant: „Kombination war ein Fehler“
„Tatsächlich war die Kombination beider Inhalte innerhalb einer einzigen ‚logo!‘-Sendung ein Fehler, da dadurch der Eindruck einer beabsichtigten Gegenüberstellung entstehen konnte“, schrieb Himmler in seiner von „Pro“ veröffentlichten Antwort.
„Dies war seitens der Redaktion jedoch keinesfalls intendiert. Vielmehr wurden ursprünglich beide Beiträge unabhängig voneinander geplant und behandelten unterschiedliche aktuelle Anlässe: Anlass für das Erklärvideo zu den christlichen Kirchen waren neu veröffentlichte Mitgliederzahlen der beiden großen Kirchen in Deutschland, während der Beitrag zum Ramadan-Ende angekündigt wurde, da dessen Feier an jenem Tag begann.“
ZDF bedauert Irritationen
Es sei planerisch nicht beabsichtigt gewesen, beide Beiträge inhaltlich miteinander zu verknüpfen. „Die Redaktion bedauert sehr, dass dies bei Ihnen und auch bei anderen Zuschauerinnen und Zuschauern zu Irritation, Verärgerung oder dem Gefühl mangelnder Ausgewogenheit geführt hat.“
Man nehme die Hinweise zu inhaltlichen Verkürzungen und zur fachlichen Tiefe der Darstellung sehr ernst. „Im Nachhinein ist sich die Redaktion bewusst, dass es schwerlich möglich ist, die Fragestellung der historischen Entwicklung der christlichen Kirchen in einem anderthalbminütigen Beitrag angemessen und in all ihren theologischen und gesellschaftlichen Dimensionen darzustellen.“
Kritiker wollen Thema dennoch im ZDF-Fernsehrat
Der „Pro“-Geschäftsführer Christoph Irion erwiderte, man nehme die Antwort des Intendanten mit Respekt zur Kenntnis. „Wir begrüßen ausdrücklich, dass das ZDF die Kritik an der ‚logo!‘-Sendung ernst nimmt, Fehler einräumt und den Beitrag aus dem Archiv entfernt hat.“
Dennoch halte man es für wichtig, dass die Programmbeschwerde im ZDF-Fernsehrat behandelt werde. „Es geht aus unserer Sicht nicht allein um einen einzelnen misslungenen Beitrag, sondern um grundsätzliche Fragen journalistischer Sorgfalt bei religiösen Themen – zumal in einem Nachrichtenangebot für Kinder“, so Irion.
Kritiker: Programmbeschwerde soll im ZDF-Fernsehrat behandelt werden
Dazu gehörten „die faire Darstellung religiöser Überzeugungen, historische Genauigkeit, Ausgewogenheit und die besondere Verantwortung öffentlich-rechtlicher Angebote gegenüber jungen Zuschauerinnen und Zuschauern“, hieß es weiter vom „Pro“-Geschäftsführer.
Auch Kritiker Alsleben erklärte auf X: „Das reicht nicht.“ Durch die Entfernung aus dem Archiv werde der „Schaden, der bei der Indoktrination der jungen Zuschauer angerichtet wurde, nicht korrigiert“, schrieb Alsleben. „Das Mindeste wäre eine offizielle Entschuldigung“ sowie „ein neuer Beitrag, der die Kirche differenziert zeigt“, hieß es weiter von Alsleben, der ebenfalls forderte: „Der Fernsehrat muss die beanstandete Sendung auch offiziell rügen.“ (das/kna)