Mit ihrem düsteren Sound prägen KitschKrieg den Deutschrap. Jetzt erscheint ihr neues Album mit aufstrebenden Künstlern.
Neues von KitschKriegBerliner Hit-Macher veröffentlichen reine Elektro-Platte

Christian Meyerholz (Fiji Kris) und Christoph Erkes (Fizzle) vom Produzententeam KitschKrieg.
Copyright: KitschKrieg/Sony Music Entertainment Germany GmbH/dpa
Gedanken an die wichtigsten Produzenten im Hip-Hop rufen oft Bilder von renommierten Studios in Los Angeles oder eindrucksvollen Label-Hochhäusern in New York hervor. Man assoziiert damit Grammys, Billboard-Titelbilder und die strahlenden Werbeflächen am Times Square. Kenner der hiesigen Hip-Hop-Szene müssen ihren Blick jedoch nicht in die Ferne schweifen lassen.
Für Interessierte an Deutschrap und deutschem Pop ist KitschKrieg ein etablierter Name, der mittlerweile auch auf internationaler Ebene als Produzententeam gefragt ist. Ihr Erkennungsmerkmal ist ein reduzierter, elektronisch beeinflusster Klang mit einer düsteren Soundästhetik, welcher die musikalische Landschaft hierzulande während der letzten Jahre mitgestaltet hat. Die Suche nach einem unverkennbaren Hit-Klang führt häufig zu dem Trio aus Berlin. Aktuell bringen sie eine neue Platte heraus.
Der Erfolg kam mit Trettmann
Das Kollektiv KitschKrieg besteht aus Christian Meyerholz (Fiji Kris), Christoph Erkes (Fizzle) sowie Nicole Schettler (awhodat), die für die visuelle Konzeption zuständig ist. Die Gründung liegt mehr als zehn Jahre zurück; der Startschuss fiel 2015 im Zentrum Berlins. Ihren kommerziellen Durchbruch erzielten sie mit dem Titel «Knöcheltief» der Rapper Trettmann und Gzuz, welcher sich anschließend auf dem von KitschKrieg verantworteten Album «#DIY» wiederfand.
Die breite Kompatibilität ihres Sounds wurde schnell deutlich: Ihre zweite Single-Auskopplung «Standard» platzierte sich an der Spitze der deutschen Hitparade und wurde hierzulande mit Platin ausgezeichnet. Innerhalb der puristischen Basslinien lassen sich Elemente aus Dancehall, britischem Grime und elektronischer Musik erkennen.
Kollaborationen mit Peter Fox, Nena und Marteria auf der ersten Platte
«Uns erkennt man am Funken Melancholie, gradlinigen Texten und der schwarz-weißen Bildsprache, die uns metaphorisch zusammenhält», äußert Meyerholz in einem Gespräch mit der dpa. «Auf unseren Alben bauen wir unsere eigene Welt, wie sie uns gefällt, und dann laden wir Künstler ein, sie mit uns zu bevölkern», fügt Erkes hinzu.
Anfänglich überzeugte das Trio insbesondere durch eine unverfälschte Echtheit, die ihren Ursprung in einer Wohngemeinschaft in Kreuzberg hatte. «Hip Hop lebt von dieser DIY-Kultur - dass Menschen sich ihre Möglichkeiten selbst erkämpfen», so Erkes. Für ihr erstes Album «KitschKrieg» holten die Berliner im Jahr 2020 eine Vielzahl bekannter deutscher Künstler an Bord, zu denen Peter Fox, Cro, Marteria und Nena zählten.
Fokus auf Nachwuchstalente bei neuem Werk
Jetzt, sechs Jahre danach, erscheint «KITSCHKRIEG ZWEI». Dabei handelt es sich um ihr erstes rein elektronisches Album, das Inspirationen von Kraftwerk bis hin zu Future-Retro-Breaks aus dem Vereinigten Königreich vereint. Zudem sind Gastbeiträge von aufstrebenden deutschen Acts wie Milleniumkid, Ennio und Domiziana enthalten.
«Für dieses Album haben wir uns entschieden, mit der neuen Generation deutscher Künstler zusammenzuarbeiten», erklärt Erkes. «Und eindeutig, the kids are alright. Diese jungen Künstler stehen in einer Reihe mit Peter Fox und Trettmann, sie bauen aufeinander auf, entwickeln die deutsche Sprache weiter und setzen neue Standards», meint er. «Und sie erschaffen keine Kopien, sondern sehr gute eigene Musikentwürfe. Ihr Skillset ist größer als je zuvor.»
Die Wirkung von KitschKrieg reicht inzwischen weit über die deutschen Grenzen hinaus. Im Jahr 2023 reisten Erkes und Meyerholz in die Vereinigten Staaten, wo sie in Los Angeles, Atlanta und New York auch mit amerikanischen Künstlern wie Mariah the Scientist und Future zusammenarbeiteten. Diese Phase sei prägend gewesen. «Es war für uns wichtig, an die Orte zu gehen, wo Hip-Hop seine Wurzeln hat, und herauszufinden, was unsere authentische Stimme in dem Ganzen ist», so Meyerholz.
Die Suche nach dem eigenen Sound in den USA
«An Orten wie Atlanta ist Hip-Hop keine Subkultur. Es ist die Kultur schlechthin. Es war für uns ein Spiegel, um zu sehen, was uns von dort unterscheidet. Wir haben schon immer diesen elektronischen Einschlag gehabt, durch unser Zuhause in Berlin. Berlin zu verlassen, hat uns geholfen, unseren Sound zu festigen.»
Hierzulande sei Hip-Hop häufig eine Nachahmung der Flows und Beats, die man aus Atlanta oder London kenne. «Aber wir wollen Originale erschaffen», betont Erkes.
In diesem Kontext verfolgt das Produzententeam auch die zunehmende Bedeutung von KI in der Musik mit großer Aufmerksamkeit. «Neue Technologien bieten Chancen, mit denen man sich auseinandersetzen sollte. Künstler haben technische Revolutionen schon immer für sich zu nutzen gewusst», ist Meyerholz der Meinung.
Die Auswirkungen von KI auf Schaffende bewertet KitschKrieg jedoch skeptisch. «Dass Kunst einfach in den Häcksler der KI reingeworfen wird, ohne dass jemand gefragt oder dafür bezahlt wird - ich kriege meinen Kopf nicht darum gewickelt, wie das okay sein sollte», sagt Erkes. «Die Querverbindung zu anderen Menschen ist im nebulösen Brei der KI einfach gekappt», ergänzt Meyerholz. «Dabei geht es bei Musik doch um die Verbindung zu anderen Menschen.»
Diese Verbindung beabsichtigen Erkes und Meyerholz laut eigener Aussage noch für lange Zeit zu pflegen und sind deshalb bereits mit der Arbeit an neuen Stücken beschäftigt. (dpa/red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.