Auf der Herbstausgabe der lit.Cologne stellen im Oktober viele bekannte Gesichter ihre neuen Bücher vor. Auch Boris Becker wird in Köln vorbeischauen.
Auch Boris Becker ist dabei„lit.cologne Spezial“ lockt mit viel Prominenz

Frank Schätzing im Bowie-Look
Copyright: Frank Schätzing
Ursprünglich war die Spezialausgabe der lit.Cologne mal eine Woche lang: knapp, knackig, das Neueste aus dem Bücherherbst. In diesem Jahr ist die Kernzeit auf den 15. bis 19. Oktober konzentriert, mit einer ganzen Menge Lesungen schon im Vorfeld und auch danach. Insgesamt 28 Veranstaltungen haben Programmleiter Tobias Bock und sein Team zusammengestellt in der üblichen Kombination von leichter Unterhaltung bis Literatur, von Sachenbuchthemen bis zu aktuellen politischen Debatten. Und natürlich sehr viel Prominenz.
Bekannte Gesichter
In Sachen Prominenz die Nummer eins dürfte Boris Becker sein, der seine Autobiografie „Inside. Gewinnen - Verlieren - Neu Anfangen“ vorstellt. Das Buch erscheint schon dieser Tage, Köln wird er erst am 21. Oktober besuchen, wenn sich der erste Rummel um die Veröffentlichung gelegt haben wird. „Er macht sehr wenige Auftritte, Köln wird einer von zweien sein“, freut sich Tobias Bock über die Verpflichtung dieser „Ikone der deutschen Gesellschaft“.
Ebenfalls Ikonenstatus hat sicherlich Otto Waalkes, eigentlich eher ein Kandidat fürs Comedy-Festival. „Er hat Kunst studiert, ist auch Maler. Und nun hat er eine eigene kleine Kunstgeschichte verfasst, sehr vergnüglich.“ (17. Oktober).
Axel Prahl, bekannt als Münsteraner „Tatort“-Kommissar, gibt es nun in Buchform: Sein langjähriger Freund Knut Elstermann hat aus „Interviews, Erinnerungen und Beobachtungen“ ein Porträt geschaffen, zur Präsentation von „Was man liebt, braucht Zeit“ treten sie gemeinsam an (4. November).
Katja Riemann reiht sich ein in die immer länger werdende Liste der Schauspielerinnen und Schaupieler, die schreiben. Nach zwei Sachbüchern gibt sie nun mit der Dystopie „Nebel und Feuer“ ihr Debüt als Romanautorin (18. Oktober).
Literatur
Aber natürlich gibt es auch literarische Schwergewichte. Wie Thomas Melle, „den wir schon verpflichtet hatten, bevor er für den Deutschen Buchpreis nominiert worden war“, freut sich Tobias Bock. Wenn Melle am 17. Oktober in Köln aus „Haus zur Sonne“ liest, wird er wissen, ob er die Auszeichnung erhalten hat: Sie wird am 13. Oktober in Frankfurt während der Buchmesse verliehen.
Sibylle Berg, mittlerweile mit Sitz im Europäischen Parlament, wird ihren neuen Roman „PNR: La Bella Vita“ präsentieren, aber auf eine „künstlerische, multimediale“ Art und Weise, verspricht Bock (15. Oktober).
Fast 30 Jahre ist es her, dass Arundhati Roy ihren mit dem Booker-Prize ausgezeichneten Roman „Der Gott der kleinen Dinge“ herausbrachte. Seitdem erschien nur ein weiterer Roman, Roy schrieb vor allem Sachbücher, in Köln stehen ihre Memoiren „Meine Zuflucht und mein Sturm“ im Mittelpunkt des Abends mit der Autorin Jagoda Marinić (24. Oktober).
Arundhati Roy nutzte ihre Bekanntheit in den letzten Jahren aber auch, um zu den unterschiedlichsten politischen Themen Stellung zu nehmen. Im Oktober 2024 hatte sie einen offenen Brief unterzeichnet, in dem zum Boykott israelischer Institutionen aufgerufen worden war. Ein Aufruf, den ebenfalls Ocean Vuong, der schon am 18. September mit seinem Roman „Der Kaiser der Freude“ auf Einladung der lit.Cologne nach Köln kommt, unterschrieben hat.
Hanns-Josef Ortheil hat mit „Schwebebahnen“ den 50er Jahren der Stadt Wuppertal ein literarisches Denkmal gesetzt (18. Oktober).
Krimis
Während Simon Beckett mit „Knochenkälte“ seine Reihe um den forensischen Anthropologen David Hunter fortsetzt (5. November), hat sich Jussi Adler-Olsen um sein Erbe gekümmert: Er holt für den elften Band der Sonderdezernat Q-Bücher die Autorinnen Stine Bolther und Line Holm mit an Bord. Die beiden sind dann auch live in Köln, der unheilbar an Knochenmarkkrebs erkrankte Adler-Olsen wird zumindest per Video zugeschaltet (16. Oktober).
Andreas Pflüger verwandelt in „Kälter“ die beschauliche Insel Amrum in die Kulisse für einen Agententhriller (18. Oktober).
Sachbücher
„Darm mit Charme“ war nicht nur ein erfolgreiches Buch, der Titel wurde fast so etwas wie ein geflügeltes Wort. „Giulia Enders hat danach keine Bücher mehr veröffentlicht, sondern weiter als Ärztin praktiziert“, erzählt Bock, der sich noch an Enders Auftritt bei der lit.Cologne 2014 erinnert. „Jetzt hat sich einmal eines geschrieben, ‚Organisch’, in dem sie sich allen möglichen menschlischen Organen nähert, in einer sehr schönen, sehr metaphernreichen Sprache, was aber natürlich alles wissenschaftlich gedeckt ist.“ (15. Oktober).
Unzählige Bücher sind in diesem Jahr anlässlich des Doppeljubiläums von Thomas Mann erschienen. Quasi als Nachschlag kommt von Florian Illies „Wenn die Sonne untergeht“. Darin geht es um die Entscheidung der Familie Mann, aus dem Sommerurlaub 1933 nicht nach Deutschland zurückzu kehren (24. Oktober).
Als Alain Claude Sulzer Autorinnen und Autoren einlud, über „Haydn“ zu schreiben, war auch Elke Heidenreich darunter. Sie revangiert sich nun mit einer Einladung nach Köln, und neben einem Gespräch über den Komponisten, wird auch Musik von ihm aufgeführt (18. Oktober).
Dass Frank Schätzing ein großer Fan von David Bowie ist, weiß man, wenn man seine Bücher genau liest, denn dort versteckt er immer wieder kleine Hinweise. Nun lässt er mit dem Buch „Spaceboy“ seiner Leidenschaft für den „Thin White Duke“ freien Lauf.
Politisch
Gerade erst war Michel Friedmann bei der phil.Cologne zu Gast, jetzt kommt er mit „Mensch“, der „Liebeserklärung eines verzweifelten Demokraten“ (17. Oktober). Carolin Emcke, ebenfalls ein Stammgast der lit.Cologne, hat mit „Respekt ist zumutbar“ eine Sammlung ihrer Reden und Kolumnen im Gepäck (19. Oktober).
Komplettes Programm unter www.litcologne.de
