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Veranstaltung in KölnDiese Neuheiten zeigt das Film Festival Cologne im Oktober

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Julianne Moore in May December von Todd Haynes

Julianne Moore in May December von Todd Haynes

Das Film Festival Cologne zeigt zwischen dem 19. und 26. Oktober spannende neue Spielfilme, Dokumentationen und Serien. Ein Überblick

Die Pandemie scheint ewig weit weg. Doch für Martina Richter und ihr Team ist die diesjährige Ausgabe des Film Festival Cologne die erste „ohne Corona und ohne Regeln“. Knapp 1400 Einreichungen habe man gesichtet, knapp 80 davon ausgewählt, die nun zwischen dem 19. und 26. Oktober zu sehen sein werden. „Sie kommen aus mehr als zwei Dutzend Ländern, darunter Newcomer wie Tunesien oder Rumänien – und der erste Spielfilm aus dem Sudan“, freut sich Richter. Dadurch werde das Programm „so vielfältig wie noch nie“.

Vermeer Film Festival Cologne

Ein Blick hinter die Vermeer Ausstellung in Amsterdam

Thematisch kann Richter einige rote Fäden ausmachen. Oft müsse man sich als Zuschauer fragen, „was ist real, was Imagination? Alles hängt in der Luft, Raum und Zeit scheinen aufgehoben zu sein.“ Immer wieder stünden „schwierige Familiensituationen“ im Mittelpunkt. „Wobei gerade die jungen Mitglieder sehr verloren und auf der Suche sind, während sie sich vor ein paar Jahren noch auflehnten“.

Best of Cinema Fiction

In dieser Sektion gibt es ein Wiedersehen mit einer Reihe bekannter Regisseure: So zeigt Wim Wenders seinen in Japan spielenden Film „Perfect Days“ über einen älteren Mann, der in Tokio Toiletten putzt – „wahrscheinlich Wenders' bester Film seit langer Zeit“.

Außerdem zu sehen: „Hit man“, ein neuer Film von Richard Linklater, Todd Haynes' „May December“ mit Julianne Moore und Nathalie Portman oder „Evil Does Not Exist“ von Ryusuke Hamaguchi. Von ihm ist des weiteren „Gift“ – in der Kategorie „Look“ – zu sehen: Für den Stummfilm hat er übrig gebliebenes Material seines Spielfilms montiert, in Köln wird das Resultat von der Komponistin Eiko Ishibashi live begleitet.

Doch auch Regisseurinnen kommen zum Zuge: Eröffnet wird das Festival von Catherine Corsini und ihrer „Rückkehr nach Korsika“, von der Britin Molly Manning Walker läuft „How to have sex“. Justine Triets erhielt für „Anatomie eines Falls“ mit Sandra Hüller in der Hauptrolle in Cannes die Goldene Palme. Beim Film Festival Cologne folgt nun der „Filmpreis Köln“ (siehe Infokasten).

Best of Cinema Documentary

Bei den Dokumentationen engagierten mehr und mehr Regisseure mittlerweile Schauspieler, hat Martina Richter festgestellt, um das Schreckliche darstellen zu können – wie etwa in „Four Daughters“ von Kaouther Ben Hania. Um die Geschichte einer Familie erzählen zu können, von deren vier Töchtern sich zwei dem IS anschließen. Die beiden Verschwundenen werden von zwei Schauspielerinnen verkörpert.

Szene aus „Four Daughters“

Szene aus „Four Daughters“

Für alle, die die große Vermeer Retrospektive im Amsterdamer Rijksmuseum verpasst haben, bietet die Dokumentation von Suzanne Raes einen Blick in die Ausstellung und hinter deren Kulissen.

Top Ten TV Zu den ausgewählten TV-Highlights gehören „Davos 1971“, die wohlteuerste Schweizer Serie, „The Day Logan Woke Up“, Xavier Dolans erste Unternehmung in diesem Format, oder auch „The Curse“. Der Zehnteiler mit Emma Stone in der Hauptrolle stammt von der US-Produktionsfirma A24, auf deren Konto auch „Everything Everywhere All At Once“ geht.

Während von den Serien meist nur ein paar Folgen zu sehen sind, wird Jan Bonnys Reichbürgersatire „Freiheit ist das einzige, was zählt“ komplett gezeigt.

NRW-Wettbewerb

Dass sich NRW als Produktionsland „wahnsinnig entwickelt“ habe, schlägt sich für Martina Richter auch im Wettbewerb nieder. „Ein schöner Ort“ geht mit einem kleinen Vorteil ins Rennen: Katharina Huber gewann in Locarno den Nachwuchs-Preis für die beste Regie.

In Köln tritt sie an gegen „Schock“ von Daniel Rakete Siegel und Denis Moschitto, Marco Bellocchios „Die Bologna Entführung“ oder „Fossil“. Darin erzählt Regisseur Henning Beckhoff die Geschichte eines Mannes, der 40 Jahre lang im Tagebau einen Schaufelradbagger gefahren hat.

Komplettes Programm unter www.filmfestival.cologne


And the winner is...

Anders als in der Vergangenheit stehen die Gewinnerinnen und Gewinner der meisten Preise schon fest.

So geht der „Filmpreis Köln“ an Justine Triet für „Anatomie eines Falls“. Xavier Dolan erhält für die Serie „The Day Logan Woke Up“ den „Hollywood Reporter Award“.

Den „International Actors Award“ bekommt Oliver Masucci. Regisseurin Kaouther Ben Hania wird für „Four Daughters“ mit dem „phoenix-Preis“ ausgezeichnet.

Nur der Siegerfilm des NRW-Wettbewerbes wird erst bei der offiziellen Verleihung am 26. Oktober im E-Werk verkündet. (EB)