Nach Projekten zu Ludwig van Beethoven und Arnold Schönberg gastiert die Berliner Opernkompanie Novoflot mit einem Programm zur Fünften Jahreszeit in Köln.
Kölner PhilharmonieKarneval, importiert aus Berlin

Die freie Opernkompanie Novoflot gastierte in der Kölner Philharmonie.
Copyright: Novoflot
Karneval und Oper: Zu diesem Thema fällt dem erfahrenen Theatergänger sofort ein ganzes Bündel von Werken ein. Mit diesem Wissen kommt man aber bei Novoflot nicht viel weiter: Was die Berliner „Opernkompanie“ bei ihrem dritten Besuch in Köln präsentierte, hatte mit der Gattung wenig mehr gemein als Vielfalt und sinnliche Opulenz.
Die spielfreudige Truppe war in Köln zuvor schon mit Jubiläums-Projekten zu Ludwig van Beethoven und Arnold Schönberg hervorgetreten, bei denen die Geehrten zu Objekten einer gebrochenen und hintersinnig ironisierten Hagiografie wurden. Dass sich die Berliner Kräfte dabei auch kooperativ mit Vertretern der hiesigen Musikszene verbanden, dass sie neben dem philharmonischen Musentempel auch frei und kostenlos besuchbare Spielorte integrierten, machte die Unternehmungen zusätzlich sympathisch. „Oper“ als niederschwelliges Spektakel für die ganze Stadt – wer wollte dem nicht zustimmen?
Ein Varieté der Skurrilitäten
Womit man gleich beim Karneval wäre, dem sich Novoflot bei seinem dritten Köln-Besuch widmete. „Die fünfte Jahreszeit“ hieß das Projekt, das nach Veranstaltungen im Stollwerck und auf städtischen Plätzen nun sein Finale bei einem „dicken Dienstag“ feierte – so die Übersetzung des „Mardi Gras“, mit dem traditionell (unter anderem) in New Orleans der Karneval endet.
Was da in pausenlosen 75 Minuten in der ausgesprochen dürftig besuchten Philharmonie vor sich ging, hatte indes mit Karneval nicht das geringste zu tun. Eher erlebte man ein Varieté der Skurrilitäten, das durchaus unterhaltsam begann, dann aber zunehmend an Spannung verlor und Längen zeigte.
Zur Berliner Kerntruppe unter der musikalischen Leitung von Vicente Larrañaga kamen die Neue-Musik-Ensembles dissonArt und ColLAB Cologne; das Jugendblasorchester der Rheinischen Musikschule schlug in voller Mannstärke auf. Für diese Besetzung hatten Antonis Anissegos und Michael Wertmüller einen rhythmisch zugespitzten Soundtrack von hohem klanglichen Oberflächenreiz komponiert, zu dem Posaunist Nils Wogram jazznahe Improvisationen beisteuerte.
Die sechs Frauenstimmen der „Bulgarian Voices“ boten einen perfekt intonierten, faszinierend kehlig gefärbten Ensembleklang; viel zu kurz fiel leider der Auftritt eines hinreißenden Oberton-Gesangsduos aus. Dazu kamen Tanzbeiträge und bizarre Performance-Acts, verbunden durch die sanft durchgeknallte Moderation der britischen Sopranistin Rosemary Hardy.
Fast war man geneigt, mehrere angekündigte, infolge technischer Pannen aber ausbleibende Video-Zuspielungen als geplanten Teil des Konzepts anzusehen. Diese Unsicherheit in der Rezeption zu schaffen und gängige Qualitätsmuster zu durchbrechen, war vielleicht das größte Verdienst des Abends, der dann aber leider in einer uferlosen „Philharmonischen Karnevalshypnose“ des Schauspielers Peter Fasching (er heißt wirklich so) endete. Da hatten die Macher Sven Holm und Malte Ubenauf offenbar jedes Gespür für Timing und Dramaturgie verlassen.
