Der Widerstand gegen das Aus des WDR-Senders Cosmo wächst. Auch der Musikrat und 100.000 Unterzeichner sind gegen das geplante Ende.
Kritikwelle trifft Kölner SenderProminenter Protest gegen WDR-Pläne – Duo gibt Musikpreis zurück

Das Logo des Westdeutschen Rundfunks an einem Gebäude in Köln. (Archivbild)
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Die geplante Einstellung des interkulturellen Radiosenders Cosmo durch den Westdeutschen Rundfunk (WDR) sorgt weiterhin für lautstarke Proteste. Wie das Bündnis #SaveCOSMOradio mitteilte, hat eine Online-Petition für den Erhalt der Welle die Marke von 100.000 Unterschriften überschritten. Zu den Unterzeichnern gehören demnach Prominente wie Herbert Grönemeyer, Peter Fox, Jan Delay, Fatih Akin, Ilker Çatak und die Kölner Band AnnenMayKantereit.
Der WDR-Rundfunkrat hatte die Neuausrichtung der jungen Radiowellen mit knapper Mehrheit gebilligt. Laut Beschluss des Gremiums soll Cosmo im April 2027 eingestellt und durch das Format „1LIVE Street“ ersetzt werden. Außerdem wird die Welle „1LIVE Diggi“ in „1LIVE Lounge“ umbenannt. Kritiker warnen vor einem Verlust an inhaltlicher Tiefe und kultureller Vielfalt.
Kölner Sender in der Kritik: Scharfer Gegenwind für den WDR
Zuletzt hatte etwa der Entertainer und Satiriker Jan Böhmermann die Pläne als das „Allerletzte“ und das „Allerdümmste“ gescholten. Auch von der Linken in NRW hatte es deutlichen Gegenwind gegen die Pläne des Kölner Senders gegeben. „Die Linke NRW verurteilt die Pläne von WDR und ARD, den Radiosender Cosmo in seiner bisherigen Form einzustellen und zahlreiche muttersprachliche Angebote – darunter die kurdischsprachigen Sendungen – ab 2027 zu streichen“, so die Partei.
Der Generalsekretär der Kurdischen Gemeinde Deutschland, Cahit Basar, fand ebenfalls deutliche Worte. „Cosmo ist das mediale Herzstück einer diversitätsbetonten Einwanderungsgesellschaft“, hieß es in einer Stellungnahme im sozialen Netzwerk Instagram. Es stehe mehr als nur ein Radiosender auf dem Spiel, sondern auch die „Prophylaxe gegen Populismus und nationalistischen Wahnsinn unserer Zeit“.
Besonders deutlich gegen die Veränderungen positioniert sich auch der Deutsche Musikrat. Generalsekretärin Antje Valentin betonte, dass migrantische Stimmen und Perspektiven ein Anrecht auf Präsenz im öffentlich-rechtlichen Rundfunk hätten. Sie forderte einen „ARD-Schulterschluss für COSMO 2.0“. Für viele Menschen mit Migrationsgeschichte sei der Sender bisher der einzige Kanal, der ihre Lebenswirklichkeit in den Mittelpunkt stelle.
Aus für Cosmo: WDR verteidigt Pläne nach Protestwelle
Der WDR verteidigte sich derweil in einer Pressemitteilung damit, dass auch das neue Format „1LIVE Street“ – genauso wie Cosmo aktuell – eine kulturell diverse, urban orientierte Zielgruppe ansprechen solle. „Passend zum im WDR-Gesetz festgelegten Auftrag zur Stärkung des interkulturellen Zusammenlebens bleibt kulturelle Vielfalt zentrales Thema des Senders“, heißt es in der Mitteilung.
Die Kritik an dem Kölner Sender ebbt dennoch nicht ab – der Widerstand gegen die Pläne wird von einer breiten Allianz getragen. Mehr als 500 Organisationen aus Kultur, Wissenschaft und Medien wandten sich bereits in einem offenen Brief an die ARD. Sie sprechen sich gegen die Streichung muttersprachlicher Programme aus und den damit verbundenen Verlust einer wichtigen Plattform für „Global Pop“ in Deutschland.
Künstler-Duo gibt 1LIVE-Krone zurück: „Eher so ein Rückschritt“
Auch symbolischen Protest gegen die WDR-Pläne gibt es. So gab das Elektronik-Duo Mouse on Mars seine im Jahr 2000 gewonnene „1LIVE Krone“ an den WDR zurück. „Wir wollen unsere 1LIVE-Krone zurückgeben aus Protest, weil Cosmo dichtgemacht werden soll.“
Den Preis habe man damals in der Kategorie „Innovation“ bekommen, das „Canceln dieses Formats“ sei jedoch „eher so ein Rückschritt, kulturell und demokratisch“, erklärten Jan Stephan Werner aus Köln und Andi Toma aus Düsseldorf, die zusammen das Duo Mouse on Mars bilden, nun in einem Instagram-Video. (mit dpa)
