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Kürzungen bei der Popmusik„Kultur, das heißt eben nicht nur Bayreuth“

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Menschen verlassen ein Festivalgelände.

Hat Kürzungen bei der Förderung zu verkraften: das Kölner c/o pop-Festival

Die geplante Kürzung der Musikförderung trifft besonders die Popmusikszene. In Köln muss das c/o pop-Festival mit Einbußen rechnen.

„Musikfestivals sind ein unverzichtbarer Bestandteil der Kulturlandschaft Deutschlands.“ Mit diesem Satz beginnt das Grußwort zur ersten großen Festivalstudie, die im September vergangenen Jahres erschien. Geschrieben hat es Wolfram Weimer, Staatsminister für Kultur und Medien, der die Bestandsaufnahme fördern ließ. Als Orte künstlerischen Ausdrucks und gesellschaftlicher Teilhabe, lobte er, seien die Musikfestivals zugleich ein bedeutender Wirtschaftsfaktor und für den musikalischen Nachwuchs die Gelegenheit prägender erster Bühnenmomente. „Sie schaffen Raum für experimentelle Formate, ermöglichen Begegnungen und Austausch.“

Zehn Monate später legte sein Ressort den viel diskutierten Entwurf für den Kulturhaushalt 2027 vor. Die Initiative Musik, zentrale Förderstelle für populäre Musik, soll von 19,25 auf 15 Millionen Euro sinken – knapp 22 Prozent weniger. Der Festivalförderfonds, den die Initiative verwaltet, wird von vier auf zwei Millionen Euro halbiert. Für die Bayreuther Festspiele sind dagegen mehr Mittel vorgesehen – und das, obwohl der Etat für Kultur und Medien im kommenden Jahr von 2,57 Milliarden Euro auf 2,36 Milliarden Euro sinkt. Weimer begründet die Einschnitte mit den allgemeinen Haushaltsvorgaben des Bundes.

c/o pop ist das größte Fördervorhaben im Referat für Popkultur

Von den Kürzungen ist auch das Kölner c/o pop-Festival betroffen, das unter anderem von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie der Initiative Musik gefördert wird. Für Mitgründer und Geschäftsführer Norbert Oberhaus ist der Haushaltsentwurf eine kulturpolitische Wertentscheidung. „Weimer spricht ja von Exzellenz und das ist für ihn, was in Bayreuth geschieht.“ Die Branche habe lange dafür gekämpft, dass die Popmusik überhaupt gefördert werde. „Der Initiative Musik, die zur Stärkung der Musikwirtschaft in Deutschland erst 2007 ins Leben gerufen wurde, standen in der ersten Förderrunde gerade mal zwei Millionen Euro aus den Jahren 2007 und 2008 zur Verfügung. Der Etat ist zwar bis heute auf knapp 20 Millionen angewachsen, aber es ist immer noch eine vergleichsweise kleine Summe, sieht man sich die Förderung anderer Sparten wie Film oder Games an. Wenn man also jetzt genau hier wieder kürzen will, ist das natürlich eine klare Aussage zu Ungunsten einer sich in der Krise befindlichen Branche.“

Ein Mann blickt freundlich in die Kamera.

Norbert Oberhaus ist Mitgründer und Geschäftsführer des c/o pop Festivals.

Im April fand die 23. Auflage der c/o pop statt. Bis zu 150 Bands und Einzelkünstler treten bei dem Festival auf. Daneben gibt es die Konferenz mit etwa 1300 Fachbesuchern aus der Musikwirtschaft und ungefähr 150 Gastrednern. Seit zehn Jahren werde die c/o pop über die Initiative Musik gefördert, sagt Oberhaus. Dieses Geld mache ungefähr ein Drittel des Gesamtumsatzes aus und fließe in erster Linie in die Gagen.

Oberhaus: Zu erwartende Einsparungen derzeit noch verkraftbar

„Wir sind ein Nachwuchs-Festival“, ordnet der Geschäftsführer ein. „Bei uns stehen Künstler:innen auf der Bühne, die erst noch entdeckt werden müssen.“ Die Konzerte seien über Ticketverkäufe gar nicht refinanzierbar. Auch wenn Weimers Pläne im Bundestag bestätigt werden sollten, könne die c/o pop die zu erwartenden Einsparungen nach aktuellem Stand noch verkraften. Oberhaus befürchtet allerdings, dass das erst der Beginn von noch viel drastischeren Einsparungen sein könnte: „Im Augenblick ist da eine Tendenz erkennbar. Die Energiekosten steigen, Produktionen werden dadurch teurer, die Gagen müssen entsprechend angepasst werden. Hinzu kommt ein verändertes Ausgehverhalten. Um unser Niveau zu halten, bräuchten wir eigentlich jedes Jahr zehn Prozent mehr Geld. Stattdessen wird jetzt gekürzt. Die Lücke wird immer größer.“

Diese Aussage deckt sich mit den Ergebnissen der Festivalstudie. Weimer zufolge liefere diese „ein wertvolles wissenschaftliches Fundament, um die lebendige Festivallandschaft gezielt und nachhaltig zu stärken.“ Was das wissenschaftliche Fundament aber tatsächlich sagt: 82 Prozent der befragten Veranstaltenden nennen die Sicherung der Finanzierung als größte Herausforderung – quer durch die Genres. 30 Prozent schlossen ihre letzte Ausgabe mit Verlust ab, im Schnitt mit 36.000 Euro Defizit. Zwei Drittel erwarten, dass die Zahl der Festivals in Deutschland sinken wird. Und mit 72 Prozent ist der Wegfall von Fördergeldern der meistgenannte Grund der Veranstaltenden, die keine Zukunft für ihr Festival sehen.

Stadt kann Wegfall anderer Förderungen nicht kompensieren

Laut Till Kniola, Referent für Popkultur im Kölner Kulturamt, ist die c/o pop das größte und wichtigste Fördervorhaben in seinem Referat. Im Jahr 2025 habe es Bundesmittel in Höhe von 760.000 Euro erhalten. „Ich halte nichts davon, einzelne Kulturbereiche gegeneinander auszuspielen“, sagt er im Hinblick auf die vorgesehene Aufstockung bei den Wagner-Festspielen.

In den vergangenen Jahren seien die Bundesförderprogramme eine wichtige Stütze für die Arbeit von Kölner Projekten, Festivals sowie Künstlerinnen und Künstlern der Popkultur gewesen, so Kniola. „Dies ist zum Beispiel beim Festival ‚Freedom Sounds‘ der Fall, das aus dem Festivalförderfonds im Jahr 2025 ungefähr 25.000 Euro Bundesförderung erhalten hat“, oder es betreffe Förderungen für Veranstaltende aus der Livemusikförderung „Live500“ oder Technikförderungen für Clubs aus dem Programm „Plug In“.

Nach groben Schätzungen seien in den Jahren 2024 und 2025 für die Technikförderung der Clubs und Spielstätten insgesamt Mittel in einer Größenordnung von 120.000 Euro nach Köln geflossen, bilanziert Kniola. „Sollte sich der Entwurf des Bundeshaushaltes realisieren und der Festivalförderfonds wirklich um zwei Millionen Euro reduziert werden, ist dies kein gutes Signal für die vielfältige und lebendige Festivallandschaft in Deutschland und damit auch in Köln.“ In Einzelfällen könne es zwar passieren, dass die Stadt finanziell einspringe, „aber grundsätzlich kann das Kulturamt Köln den Wegfall anderer Förderungen nicht kompensieren.“

So viel finanzielle Unabhängigkeit wie möglich, sagt Oberhaus, das sei ihm als c/o pop-Geschäftsführer wichtig – insbesondere für den Fall, dass sich der politische Wind drehe. „Aber Kultur, das heißt eben nicht nur Bayreuth. Das heißt, sich Veranstaltungen zu leisten, die die gesamte Gesellschaft widerspiegeln und auch jungen Menschen eine kulturelle Teilhabe ermöglichen.“