In der letzten Ausgabe seiner Late-Night-Show bewies Stephen Colbert einmal mehr, warum ihn das Fernsehen dringend braucht.
Letzte Ausgabe der „Late Show“ mit Stephen ColbertEin Abschied in Würde

Moderator Stephen Colbert
Copyright: Chris Pizzello/AP/dpa
Der Papst, den sich der gläubige Katholik Stephen Colbert als letzten Gast für die „Late Show“ gewünscht hatte, kam dann doch nicht auf die Bühne. Aber hey, Paul McCartney ist ja kein ganz schlechter Ersatz. Die Beatles-Legende machte am Ende der letzten Ausgabe der Show im Ed Sullivan Theatre das Licht aus, was natürlich perfekt passte, hatte seine Band doch genau hier im Jahr 1964 ihren ersten Auftritt im US-Fernsehen.
Danach wurde das ganze Studio von einem Wurmloch eingesaugt, das entstanden sei, weil zwei gegensätzliche Realitäten aufeinanderprallten, wie der Astrophysiker Neil deGrasse Tyson erklärte: Eine Show, die die Nummer eins im US-Late-Night-Fernsehen war, wurde vom Sender völlig überraschend abgesetzt. Dass dies, wie CBS behauptet, nur finanzielle Gründe hat, glaubt niemand. Der lustigste und schärfste Kritiker von Donald Trump musste gehen, weil es der kleingeistige Mann im Weißen Haus nicht aushält, wenn jemand seinen Irrsinn seziert. Man müsste darüber lachen, wäre es nicht so traurig.
Nicht nur Paul McCartneys kam und sang zum Abschied, auch viele andere Stars gaben sich in dieser Woche die Klinke in die Hand, um Colbert zu verabschieden. Seine Kollegen Jimmy Fallon und Jimmy Kimmel setzten ihre Shows aus Solidarität für diesen Abend sogar aus. Doch selbst die größten Stars konnten nicht verhindern, dass Colbert nun gehen muss. Zur politischen Meinungsbildung vieler Zuschauer hat die „Late Show“ vermutlich mehr beigetragen als die meisten Kommentatoren klassischer Nachrichtenmedien.
Die Melancholie, die im Studio herrschte, war daher berechtigt. Eine solch politisch begründete Absetzung eines Erfolgsformats wäre in den USA noch vor Jahren undenkbar gewesen. Presse- und Meinungsfreiheit sind im Land der Freien längst nicht mehr selbstverständlich. Stephen Colbert weigerte sich dennoch, sich als Opfer der MAGA-Bewegung zu inszenieren. Sein kluger Abschied in Würde war der beste Beweis, wie sehr er auch künftig gebraucht wird – und was in den USA auf dem Spiel steht.