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"Kaffee und Zigaretten" auf der lit.CologneResterampe und Gedankensprünge

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"Glück ist eine Farbe und immer nur ein Moment." Nein, dieser Satz stammt nicht von Paulo Coelho, sondern steht am Ende von Ferdinand von Schirachs neuem Buch "Kaffee und Zigaretten", mit dem er am 26. März bei der lit.Cologne auftritt.

Wenn man bös' wäre, würde man den 190-Seiten-Band eine Resterampe nennen. Eine Handvoll bereits veröffentlichter Beiträge, die in Publikationen von Bild bis Rolling Stone erschienen sind, steht neben kurzen Gedankenflügen, noch kürzeren Ideenblitzen und etwas ausführlicheren Erinnerungen. Hier und da werden Gedankensprünge mal mehr, mal weniger elegant verknüpft. Und immer scheint die Haltung "Literatur" suggerieren zu wollen.

Der Grundton ist melancholisch bis nörgelig. Da wird über den zugegeben albernen Trend der Ausmalbücher für Erwachsene gespottet oder über die Telekom (immer ein dankbares Ziel), als sie einen Tarif Magenta nennt. Dies, so weiß der Autor zu berichten, würde sich ja auf die gleichnamige Stadt in der Lombardei beziehen. Dort seien bei einer Schlacht im Jahr 1859 "so viele Soldaten abgeschlachtet" worden, "dass sich die Erde rot färbte. Der Name der Farbe ,Magenta' soll daher stammen". Hätten wir das also auch gewusst.

Eine gewisse Beliebigkeit

Und immer wieder erzählt er von Begegnungen mit Menschen - mit dem schwedischen Autor Lars Gustafsson, einer Lokalpolitikerin, einer ukrainischen Anwältin für Menschenrechte, mit Mandanten und alten Bekannten. Einige der 48 Kapitel erinnern an Tagebucheinträge, die Fallbeschreibungen wirken wie Outtakes, die es nicht in seine vorherigen Bücher geschafft haben.

Gibt es einen roten Faden? Klar, "Kaffee und Zigaretten" werden reichlich konsumiert, und man ist viel unterwegs, wie sich das für einen umtriebigen Anwalt und erfolgreichen Autor, kurz: einen Mann von Welt gehört. Man steigt in guten Hotels ab, besucht die Wüste, reist in die Vergangenheit. Doch lässt sich eine gewisse Beliebigkeit nicht verleugnen.

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Am stärksten sind die bekannten Texte. So schrieb er für die FAZ eine Doku über die Anwälte Schily, Ströbele und Horst Mahler, vergleicht diese drei höchst unterschiedlichen Biografien. Und kann sich aber auch hier nicht zurückhalten, ins Pseudopoetische abzugleiten: "Es ist Herbst geworden, das Laub ist in Haufen zusammengerecht, eine Woche lang hat es ununterbrochen geregnet", beschreibt er die Sicht aus dem Café, in dem er sitzt, um den Text zu schreiben - und das sich vor dem Gericht befindet, in dem 1973 der Prozess gegen das RAF-Mitglied Mahler stattfand. Zufall oder geschmäcklerisches Kalkül?

"Bei unserer Geburt wird ein Pfeil auf uns abgeschossen, der uns in dem Moment unseres Todes erreicht", heißt es in einem anderen Text. Zitate von Hemingway, F. Scott Fitzgerald oder Dylan Thomas werden exakt nachgewiesen. Jean Paul, von dem das Bild des Pfeils stammt, nicht.

Ferdinand von Schirach, Kaffee und Zigaretten. Luchterhand Verlag, 192 S., 20 Euro.

Die Lesung auf der lit.Cologne, 26.3., 18 Uhr, im WDR ist ausverkauft.