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Neu auf Netflix„Agatha Christie’s Seven Dials“ ist temporeiche Krimikost mit britischem Humor

3 min
Agatha Christie's Seven Dials - Lady Eileen „Bundle“ Brent (Mia McKenna-Bruce)Netflix

Regisseur Chris Sweeney und Drehbuchautor Chris Chibnall liefern eine temporeiche Agatha-Christie-Adaption auf Netflix. Axel Hill verrät, ob sie sich lohnt.

Agatha Christie? Geht eigentlich immer, wenn auch nicht immer gut. Nachdem sich Kenneth Brannagh dreimal im Kino an den Vorlagen der vor genau 50 Jahren gestorbenen Grande Dame des Krimis versucht und bisweilen verhoben hat, schickt Netflix in der Mini-Serie „Agatha Christie’s Seven Dials“ eine unbekanntere Figur aus dem Universum der Engländerin ins Rennen.

Retter ohne weißen Hengst

England, Mitte der 1920er Jahre: Lady Eileen „Bundle“ Brent (Mia McKenna-Bruce) und ihre Mutter Lady Caterhem (Helene Bonham Carter) bewohnen ein viel zu großes Anwesen und können es sich eigentlich nicht leisten, den in die Jahre gekommenen Schuppen in Schuss zu halten. So sehen die beiden sich gezwungen, Neureiche gegen entsprechende Entlohnung fürs Wochenende einzuladen.

Als Retter ohne weißen Hengst erscheint der schöne und heiratswillige Gary Wade (Corey Mylchreest) nur dumm, dass er am morgen nach einer Party tot in seinem Bett liegt. Hat er versehentlich zu viel von einem Schlafmittel genommen, oder war der Druck bei seinem Job im Außenministerium zu groß, das er seinem Leben bewusst ein Ende gesetzt hat? „Nein, das wäre nicht der Gary Wade, den ich kannte“, begehrt Bundle auf und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln.

Ins Londoner Elendsviertel

Diese Recherchen führen sie unter anderem in das titelgebende Londoner Elendsviertel „Seven Dials“ (heute eine hippe Gegend, in deren Zentrum ein Musicaltheater steht). Wie sich das für eine Nachwuchsspürnase gehört, gerät sie immer wieder in Konflikte mit einem Profi hier in Gestalt des kauzigen Superintendent Battle (Martin Freeman) und stolpert über eine Reihe weiterer Leichen.

Die drei Folgen bieten satte Krimikost, bieten aber mehr Schauwerte und vor allem mehr Pep als so manche gemächlichere TV-Adaption der Abenteuer von Miss Marple oder Hercule Poirot. Das geht sicherlich auf die Kappe von Regisseur Chris Sweeney, aber vor allem wohl auch auf die von Drehbuchautor Chris Chibnall.

Politische Dimension

Der Brite war nicht nur Autor bei „Torchwood“ oder „Doctor Who“ , sondern verantwortete auch die hochgelobte Serie „Broadchurch“ mit Olivia Colman und David Tennant. Christies Vorlage „The Seven Dials Mystery“ krempelt er nicht nur in Sachen Personal einmal auf links, sondern verleiht seiner Fassung auch eine politische Dimension, in dem er die Serie auch zu einer Abrechnung mit der Unsinnigkeit von Kriegen und die kolonialen Verstrickungen der Europäer zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu einem nicht unwichtigen Dreh- und Angelpunkt der Handlung macht.

Nach einer gekonnten Mischung aus eleganter Salon- und Partyplauderei, britischem Humor und wohl dosierter Action kommt es zu einer überraschenden Auflösung verbunden mit dem Ausblick, dass aus Bundle eine Serienheldin werden könnte.

„Agatha Christie’s Seven Dials“, drei Folgen, 52 bis 56 Minuten, Netflix.