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Kommentar

Neue Euro-Geldscheine
Eigentlich würde ich lieber mit Bud Spencer bezahlen

2 min

Vorschlag für eine 10-Euro-Banknote mit Ludwig van Beethoven als Motiv.

Die Europäische Zentralbank lässt uns über zehn mögliche Designs für neue Euro-Banknoten abstimmen. Aber zwischen Beethoven und Basstölpeln regiert der öde Konsens. 

Womit würden Sie gerne zahlen? Mit Ludwig van Beethoven, einem Basstölpel oder Bud Spencer und Terence Hill? Bis jetzt existieren lediglich die beiden italienischen Haudraufs als Geldschein-Motiv. Die entsprechende Banknote – gedruckt mit Erlaubnis der Europäischen Zentralbank (EZB) – besitzt freilich nur einen Gegenwert von 0 Euro, sie ist ein lustiges Souvenir, wenn auch mit echtem Wasserzeichen.

Der Bonner Komponist und der auf Helgoland brütende Meeresvogel gehören dagegen zu zehn von der EZB vorgeschlagenen neuen Euro-Serien, über die wir Bürger jetzt abstimmen können. Genau genommen handelt es sich um zwei zuvor durch Unterausschüsse, demoskopische Studien und Ratsbeschlüsse festgelegte Themenkomplexe: „Flüsse und Vögel“ und „Europäische Kultur“, umgesetzt von jeweils fünf verschiedenen Designbüros.

Fünf-Euro-Schein mit Operndiva Maria Callas

Bereits bei dieser Vorauswahl haben sich die EU-Banker nicht gerade vor Originalität überschlagen. Es ist das öde Mittel aus zu vielen Meinungen. Als wollte man ein meisterliches Gemälde per Umfrage malen. Das gilt auch für die Rückseiten: Wendet man die Porträts von so unstrittigen Heldinnen des europäischen Kultur- und Geisteslebens wie Operndiva Maria Callas, „Don Quijote“-Autor Miguel de Cervantes oder Physikerin Marie Curie, wird man mit Szenen aus dem Freizeitleben der Bessergestellten konfrontiert – Museumsbesuche, Chorkonzerte, ein Parkbesuch mit gutem Buch. Niemand tanzt im Techno-Club, niemand brüllt sich im Fußballstadion die Seele aus dem Leib.

20-Euro-Schein mit der Europäischen Zentralbank in Frankfurt am Main.

Den idyllischen Naturmotiven gegenübergestellt sind repräsentative Bauwerke europäischer Institutionen, darunter auch die verglasten Frankfurter Doppeltürme der Europäischen Zentralbank. Die dürften den Flug so mancher Vögel schon jäh ausgebremst haben.

Die einzelnen Design-Vorschläge halten sich entsprechend zurück, geben sich betont nüchtern oder sanft kubistisch, versuchen es hochkant wie beim stabilen Schweizer Franken oder im luftigen Ambiente der 1950er Jahre, als das vereinte Europa noch eine schöne Utopie war.

Kurz, das alles wirkt doch etwas muffig, wie ein sanfter Stups hin zum bargeldlosen Bezahlen. Aber Hauptsache, niemand regt sich auf. Wofür soll man sich entscheiden, wenn man für nichts wirklich brennen kann? Meine Stimme gehört Bud Spencer.