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Geburtstagsfeier eines Jazz-VeteranenNils Landgren wird 70

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Nils Landgren, schwedischer Jazz-Musiker, steht mit seiner Posaune in einem Hotel. Der Musiker veröffentlicht jetzt sein neues Album «Christmas With My Friends VII». (zu dpa-Listicle "Weihnacht im Mariachi-Sound und «Last Christmas» in Zeitlupe") +++ dpa-Bildfunk +++

Ein schwedischer Export-Schlager: Nils Landgren

Der gefeierte schwedische Posaunist Nils Landgren wird 70 Jahre alt und ist seit einem halben Jahrhundert Profimusiker.

Die Frage, die ihm wohl am häufigsten gestellt wurde, ist die nach der Farbe seines Instruments. Und seine Antwort darauf lautet dann immer so oder so ähnlich, wie am 28. August 2017 in einem Podcast des Deutschlandfunks: „Ich habe Miles Davis gesehen in den 70er-Jahren mit einer schwarz-orangenen Trompete, und ich dachte, das ist aber cool. Kein langweiliges gelbes Ding mehr, sondern das, was man selber haben will. Und ich wollte gerne rot haben, weil Rot meine Favoriten-Farbe ist. Das ist die Farbe der Liebe, das ist die Farbe von, ja, wie mein Herz schlägt sozusagen, und das ist auch die Farbe von meinem Fußballverein.“

Sein Fußballverein ist der Degerfors IF (Idrottsförening, auf Deutsch Sportverein). In Degerfors, einer kleinen schwedischen Ortschaft im Osten Värmlands, kam Nils Landgren am 15. Februar 1956 zur Welt. Sonntag wird „Mr. Red Horn“ 70 Jahre alt. Und der Posaunist, Komponist, Produzent und Sänger, der als einer der erfolgreichsten, aktivsten und vielseitigsten Jazzmusiker Europas gilt, hat noch einen weiteren Grund, zu feiern. Er ist jetzt seit 50 Jahren Profimusiker.

Ursprünglich lernte der kleine „Nisse“ Schlagzeug, ehe er mit 13 Jahren auf Posaune umsattelte. Er studierte klassische Posaune, wandte sich dann aber schon früh dem Jazz zu. Sein Credo: „Jazz ist die einzige Musikform in ständiger und ewiger Veränderung.“ Ehe ihm 1994 beim „JazzBaltica“-Festival auf Schloss Salzau mit seiner Band Nils Landgrens Funk Unit der Durchbruch gelang, war er schon international gefragt.

So tourte er unter anderem mit dem schwedischen Popstar Björn Skifs, machte bei Thad Jones’ Bigband-Projekt „Ball of Fire“ als Lead-Posaunist mit und arbeitete mit The Crusaders, Eddie Harris und Herbie Hancock. Oder ging 1979 mit ABBA ins Studio, um für den Song „Voulez Vous“ die markanten Posaunensätze einzuspielen. Einer Band, der er ein Vierteljahrhundert später mit „Funky ABBA“ seine ganz eigene Reverenz erweisen sollte.

Inzwischen hat Landgren bei mehr als 500 Alben mitgespielt und mit der Funk Unit und anderen über 50 eigene Platten veröffentlicht. In Spitzenzeiten kamen bei ihm 200 Konzerte pro Jahr zusammen. Der samtige Groove seiner Posaune kommt nicht nur bei Funk, Soul, Jazzstandards und Pop zum Einsatz, sondern auch bei Folkloremusik aus seinem Heimatland.

Vielseitig ist er fürwahr. Er stand schon als Schauspieler und Tänzer auf der Bühne, sang Balladen und Bluesstücke, feierte musikalisch Weihnachten mit Kolleginnen und Kolleginnen aus Skandinavien und spürte der meditativen Kraft des Sees bei Schloss Salzau nach. Landgren produzierte unter anderem Alben der Sängerin Viktoria Tolstoy, des Geigers Adam Baldych und der Band Mo’ Blow, und er gewann unzählige Preise und Auszeichnungen.

Seit 2014 lehrt er als Professor an der Musikschule Hamburg Jazz-Posaune und setzt sich, in Kooperation mit „Ärzte ohne Grenzen“, mit dem Projekt „Funk for Live“ für die musikalische Ausbildung afrikanischer Kinder und Jugendlichen ein. 2012 schloss sich für ihn ein Kreis. Seitdem leitet er „JazzBaltica“, das Festival, mit dem seine Karriere einst so rasant Fahrt aufnahm.