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Streit um Olivia RodrigoIhr mädchenhafter Look sorgt vor neuem Album für Kritik

5 min
Olivia Rodrigo

Hat gerade ihr drittes Album veröffentlicht: Olivia Rodrigo.

Olivia Rodrigos neues Album wird gefeiert, doch eine Debatte um ihr kindliches Image lenkt von der Musik ab.

Die 23-jährige Olivia Rodrigo bringt ein von Kritikern gelobtes Album heraus. Eine Diskussion um ihre kindliche Garderobe stellt jedoch die Kunst in den Schatten. Worum geht es?

Olivia Rodrigo gilt als eine der derzeit führenden Songschreiberinnen der Popmusik. Dieser Umstand wurde jedoch jüngst von einer anderen Thematik überlagert. Die 23-Jährige hat gerade ihr Werk „you seem pretty sad for a girl so in love“ herausgebracht, doch im Vorfeld löste ihr jugendliches Erscheinungsbild Kontroversen aus. Bei öffentlichen Anlässen bevorzugt sie sehr kurze, weite Nachthemden, die als Babydolls bekannt sind. Ihr aktuelles Musikvideo zeigt sie in Shorts mit Rüschen. Daraufhin beschuldigen sie manche, eine absichtlich kindliche Darstellung zu pflegen.

Die Auseinandersetzung geht über eine reine Stilfrage hinaus, wenn man sie genauer analysiert. Im Kern dreht es sich um die Wahrnehmung und Beurteilung von weiblichen Pop-Künstlerinnen und den Grund, weshalb ihre äußere Erscheinung häufig mehr Aufmerksamkeit erhält als ihr künstlerisches Schaffen.

Der musikalische Stil des neuen Albums

In musikalischer Hinsicht beeindruckt Rodrigos neueste Veröffentlichung und beweist ihr Gespür für dramaturgische Bögen in der Popmusik. Häufig handelt es sich um Piano-Balladen, die sich langsam aufbauen und dann in dynamischen Rhythmen münden, mitunter dezent von Streichinstrumenten begleitet. Dass der Klang nicht sentimental wirkt, sondern vielmehr an Pop-Klassiker von Interpreten wie Elton John, U2, The Cure oder Taylor Swift denken lässt, ist ein Kunstgriff, den nur wenige beherrschen. Dies zeigt sich exemplarisch in den Stücken „stupid song“ und „the cure“. Auf dem Titel „what's wrong with me“ ist mit Robert Smith sogar der Sänger von The Cure als Gastmusiker zu hören.

Rodrigos Ästhetik: Zwischen „Girlhood“ und dem Vorwurf der „Infantilisierung“

Vor kurzem enthüllte Rodrigo auf Instagram das Cover ihrer neuen Platte vor über 40 Millionen Abonnenten. Das Bild zeigt die Künstlerin auf einer Schaukel in einer Bekleidung, die an eine kurze Schuluniform erinnert. Zahlreiche Anhänger deuten dies als Anspielung auf das kulturelle Phänomen „Girlhood“. Dabei handelt es sich um eine spielerische und gemeinschaftliche Zelebrierung des Jungmädchen-Daseins, wie sie auch von der Regisseurin Sofia Coppola oder der Sängerin Sabrina Carpenter praktiziert wird. Charakteristisch für diese Ästhetik sind nostalgische, extrem feminine Bildsprachen mit Elementen wie Schleifen, zarten Farbtönen oder Glitzer, die für Zusammenhalt und die Suche nach der eigenen Identität stehen.

Eine ähnliche Optik verwendet Rodrigo im Video zu ihrer Single „drop dead“, wo sie mit Rüschen-Shorts in Versailles tanzt, was Kritik hervorrief. Es wurde behauptet, Rodrigo, die ihre Karriere mit Disney-Formaten begann, würde eine bedenkliche „Infantilisierung“ vorantreiben. Kritische Stimmen beschuldigen sie, ein Frauenbild zu fördern, das Weiblichkeit gezielt kindlich und zugleich verführerisch darstellt und somit eher patriarchale Vorstellungen bestärkt als sie zu hinterfragen. Im Gegensatz dazu interpretieren andere dies als gezielten Umgang mit ebendiesen Stereotypen, vergleichbar mit Sabrina Carpenter, die sich ebenfalls häufig in Babydoll-Kleidern zeigt.

Fachliche Einordnung: „Reclaiming“ und der „Male Gaze“

Die Diskussionen um Carpenter und Rodrigo verdeutlichen, wie Weiblichkeit in der Popmusik thematisiert wird. Häufig erfolgt die Definition weiblicher Pop-Künstlerinnen primär über ihre Erscheinung, was ihr musikalisches Werk in den Schatten stellt. Die Musikwissenschaftlerin Penelope Braune kommentiert die Auseinandersetzung gegenüber der dpa mit den Worten: „Das Problem ist doch nicht, dass eine Frau ein kurzes, verspieltes Kleid trägt“. Sie fügt hinzu: „Das Problem ist viel eher eine Kultur, die weibliche Körper permanent sexualisiert und anschließend Frauen für genau diese Sexualisierung verantwortlich macht.“

Mittlerweile nutzen zahlreiche Künstlerinnen diese Form der Objektivierung gezielt für sich. Diese Methode ist häufig als „Reclaiming“ bekannt, was die Wiederaneignung eines Merkmals zur Rückgewinnung von Deutungshoheit beschreibt. Laut Braune birgt dies jedoch auch eine gewisse Zwiespältigkeit. Die Trennlinie zwischen Fremdzuschreibung und Eigenverantwortung werde unscharf. „Pop(kultur) findet nicht im luftleeren Raum statt“, erklärt sie. Jeder Look sei mit einer Industrie und den Logiken der Vermarktung verbunden. Ein „Reclaiming“ könne zwar stärkend intendiert sein, aber „trotzdem in einer Bildökonomie zirkulieren, die vom Male Gaze geprägt ist.“ Der Begriff Male Gaze (männlicher Blick) beschreibt die historisch vorherrschende Neigung in Kunst und Medien, Frauen aus der Sichtweise eines heterosexuellen Mannes zu präsentieren.

Olivia Rodrigos Reaktion auf die Vorwürfe

Wie Rodrigo in einem Gespräch mit der „Vogue“ erläuterte, nimmt sie mit ihrer Garderobe Bezug auf die „Riot Grrrl“-Bewegung aus den 90er-Jahren. Damals kombinierten Musikerinnen wie Courtney Love gezielt jugendlich anmutende Kleidung mit Elementen wie Springerstiefeln und zornigen Liedtexten, um so mit gängigen Rollenklischees zu brechen.

Im „Popcast“-Podcast der „New York Times“ äußerte Rodrigo, die Kritik an ihrer Kleidung mache sie „wirklich wütend“. Sie führte weiter aus: „Das zeigt, wie wir Pädophilie in unserer Kultur normalisieren. Und es ist auch genau diese Rhetorik, die uns als Mädchen von klein auf eingetrichtert wird: 'Trag das nicht, denn dann wird ein Mann deinen Körper sexualisieren und es ist deine Schuld.' Das ist so seltsam.“ Laut Braune sei die entscheidende Frage, „ob wir Olivia Rodrigo als handelnde Künstlerin ernst nehmen, oder aber, ob wir ihr sofort unterstellen, sie reproduziere bloß fremde (männliche) Fantasien?“

Im Gegensatz zu anonymen Kritikern im Internet zeigen sich andere Musikerinnen und Musiker wesentlich positiver gegenüber Rodrigo. So ist Robert Smith nicht nur auf der neuen Platte vertreten, sondern hatte ihre Lieder schon früher gelobt. Ebenso nahm Courtney Love sie gegen Anschuldigungen in Schutz. Rodrigo ist die Komponistin mehrerer erfolgreicher Lieder, die deutliche Anleihen an der Pop- und Rockmusik der 80er- und 90er-Jahre nehmen. Mit ihrer Single „drop dead“ konnte sie bereits zum vierten Mal einen Titel direkt auf dem ersten Platz der Billboard-Charts positionieren. Ihre globale Konzertreise, die im kommenden Jahr auch Station in Deutschland macht, ist bereits vollständig ausverkauft. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.