Sparpläne beim Krisen-SenderRBB streicht Stellen und stellt TV-Sendungen ein – Thadeusz und Nuhr betroffen

Lesezeit 3 Minuten
Auch eine Sendung des Comedians Dieter Nuhr ist vom RBB-Sparkurs betroffen. (Archivbild)

Auch eine Sendung des Comedians Dieter Nuhr ist vom RBB-Sparkurs betroffen. (Archivbild)

Die Sparpläne im Krisen-Sender RBB werden konkreter. Betroffen sind auch ein Auftritt von Dieter Nuhr und ein Format mit Jörg Thadeusz.

Der in eine tiefe Krise gestürzte Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) will bis Ende 2024 insgesamt 100 Stellen streichen. Außerdem sollen Sendungen eingestellt werden. Hintergrund sind geplante Einsparungen von fast 50 Millionen Euro, wie der öffentlich-rechtliche ARD-Sender am Mittwoch in Berlin mitteilte. Die Rede war von „Misswirtschaft der vergangenen Jahre“.

Interims-Intendantin Katrin Vernau, seit Herbst im Amt, sagte laut Pressemitteilung: „Ohne unser entschiedenes Handeln noch in der laufenden Beitragsperiode würden wir spätestens Ende 2024 in einen finanziellen Abgrund blicken. Die Zahlungsfähigkeit wäre nicht mehr ohne Weiteres sichergestellt.“

RBB: 100 Stellen fallen weg

Neben den 100 Stellen, die wegfallen sollen - insgesamt gibt es im Sender aktuell 1650 Stellen - wird es Veränderungen im Fernseh-Sendeschema geben. Die RBB-Hörfunkwellen bleiben dagegen laut ARD-Sender erhalten. „Der RBB wird keine Radiowelle einstellen.“

Wie genau das TV-Programm aussehen wird, ist noch nicht im Detail bekannt. Die Entwicklung der angestrebten Formate müsse noch erfolgen. Weiter hieß es: „Nach 22 Uhr wird kein Geld mehr in Fernseh-Formate investiert. Die Sendung „Thadeusz und die Beobachter“ wird der RBB ab 2024 nicht mehr produzieren.“ Darüber berichteten zuerst „B.Z.“ und „Bild“.

Sparkurs beim RBB: Einzelsendung von Dieter Nuhr betroffen

Auch eine einzelne Sendung von Satiriker Dieter Nuhr wird 2024 wegfallen, die für die ARD-Themenwoche geplant war. Zudem werde es 2024 keine fiktionale Serie des RBB mehr geben - und auch keinen RBB-Mittwochsfilm im Ersten. Das bekannte Satireformat „Nuhr im Ersten“ wird hingegen auch 2024 vom Sender fortgeführt.

Der RBB teilte weiter über Twitter mit: „Weil nach 22 Uhr im Schnitt weniger Menschen fernsehen, sparen wir hier an allen Tagen und stellen für den späten Abend künftig keine Sendungen mehr her.“

Bei Facebook äußerte sich Dieter Nuhr selbst zu der Meldung: „Da es keine Themenwoche gibt in diesem Jahr, konnte auch mein Beitrag dazu nicht gestrichen werden.“

RBB im Sommer 2022 in eine beispiellose Krise gestürzt

Zudem wird der RBB seine Federführung der ARD-Seite für das gemeinsame „Mittagsmagazin“ mit dem ZDF abgeben. Der RBB versicherte aber zugleich, der ARD sei die Kooperation sehr wichtig. ZDF-Intendant Norbert Himmler sagte: „ZDF und RBB haben in den letzten fünf Jahren bewiesen, wie man eine effiziente gemeinsame Produktionsinfrastruktur auf die Beine stellt. Wir gehen deshalb davon aus, dass die Kooperation auch dann erhalten bleibt, wenn der RBB die Federführung innerhalb der ARD niederlegt.“

Der RBB war im Sommer 2022 in eine beispiellose Krise gestürzt, als durch Medienberichte Vetternwirtschafts- und Verschwendungsvorwürfe gegen die Spitze lautgeworden waren. Die gesamte damalige Geschäftsleitungsriege ist nicht mehr im Amt. Im Zentrum des Skandals stehen die fristlos entlassene Intendantin Patricia Schlesinger und der Sender-Chefaufseher Wolf-Dieter Wolf. Beide wiesen Vorwürfe zurück.

Die Generalstaatsanwaltschaft Berlin ermittelt, es gilt die Unschuldsvermutung. Rechnungshöfe prüfen derzeit ebenfalls, eine externe Anwaltskanzlei arbeitet zudem an einem Bericht.

ARD, ZDF und Deutschlandradio werden durch Rundfunkbeiträge finanziert, die Haushalte und Firmen zahlen. Die Höhe liegt bei monatlich 18,36 Euro, die aktuelle Beitragsperiode dauert noch bis Ende 2024. Auf den RBB entfielen 2021 nach Angaben des Sender-Beitragsservices im Jahre 2021 rund 436 Millionen Euro Erträge. (dpa)

Nachtmodus
Rundschau abonnieren