Abo

„Jede Woche Hinweise“Amsterdamer Rijksmuseum entdeckt neues „altes“ Rembrandt-Gemälde

3 min
Das Gemälde „Vision von Zacharias im Tempel“ von Rembrandt in Amsterdam

Das Gemälde „Vision von Zacharias im Tempel“ von Rembrandt in Amsterdam

Das renommierte Amsterdamer Museum konnte ein Werk, das sich Jahrzehnte in Privatbesitz befand und in Vergessenheit geriet, Rembrandt zuschreiben.

Kunstexperten des Rijksmuseum in Amsterdam haben ein bisher unbekanntes Gemälde des niederländischen Malers Rembrandt entdeckt. Das Museum teilte am Montag mit, dank neuester Technik hätten die Wissenschaftler die Echtheit des Werks „Vision von Zacharias im Tempel“ aus dem Jahr 1633 bestätigen können. Es sei dem Museum kürzlich zur Untersuchung übergeben worden.

Die Analyse von Farbpigmenten, Pinselstrichen, der Signatur und insbesondere der Änderungen, die während des Malens vorgenommen wurden, deuteten auf eine Urheberschaft des Meisters selbst hin, heißt es.

Das Bild war 1898 das letzte Mal im Rahmen einer großen Rembrandt-Ausstellung im Stedelijk Museum anlässlich der Krönung von Königin Wilhelmina gezeigt worden. Dann sei 1960 der deutsche Kunsthistoriker Kurt Bauch zu dem Schluss gekommen, dass es sich um keinen Rembrandt handele, heißt es. Er schrieb das Werk Jan Lievens zu.

1961 verschwand das Rembrandt-Gemälde von der Bildfläche

1961 sei das Bild dann von privater Hand gekauft worden und anschließend von der Bildfläche verschwunden. Der aktuelle Besitzer habe sich unlängst beim Rijksmuseum gemeldet, und erstmals nach Jahrzehnten habe das Bild genau untersucht werden können – nach neuestem technischen Standard. Zwei Jahre habe dieser Prozess gedauert und führte letztlich zu diesem erfreulichen Ergebnis.

Zu sehen ist eine Szene aus dem Alten Testament zur Zeit von Herodes. Der Hohepriester Zacharias empfängt im Tempel eine Botschaft des Erzengels Gabriel: Während eines Rauchopfers wird ihm und seiner Frau Elisabeth die Geburt eines Sohnes angekündigt. Bei dem Sohn handelt es sich um den späteren Johannes den Täufer.

Kurator: Bekommen jede Woche Mails zu vermeintlichen Rembrandts

Das Kunstwerk ist ab Mittwoch, dem 4. März, öffentlich zu sehen. Den sensationellen Fund machten laut „De Telegraaf“ der Kurator Jonathan Bikker zusammen mit seiner Kollegin Petria Noble. Für Bikker ist es bereits das zweite Mal, dass er Rembrandt-Werke „entdecken“ konnte. 2023 gelang ihm dies mit zwei kleineren Porträts. Das Zacharias-Motiv ist laut Bikker bis dahin in der niederländischen Malerei überhaupt nicht verbreitet gewesen, Rembrandt betrat hier also Neuland.

Das Rijksmuseum beherbergt die weltweit größte Sammlung von Werken des Rembrandt Harmenszoon van Rijn, so der vollständige Name des Malers. 22 Gemälde sind hier zu sehen, darunter die berühmte „Nachtwache“ aus dem Jahr 1642. Daneben befinden sich 60 Zeichnungen und mehrere hundert Druckgrafiken dort. Gleichzeitig ist das Rijksmuseum ein Zentrum der Rembrandt-Forschung.

Kurator Bikker erklärt dem „Telegraaf“, das Rijksmuseum erhalte ständig Hinweise auf vermeintliche Rembrandt-Werke. „Wir bekommen jede Woche E-Mails von Leuten, die glauben, einen Rembrandt zu Hause zu haben. Meistens ist es aber nichts“, so Bikker. In diesem Fall habe es aber genug Gründe gegeben, der Sache auf den Grund zu gehen.

Das Kölner Wallraf-Richartz-Museum besitzt unter anderem ein Rembrandt-Selbstbildnis aus der Zeit um 1668, das also kurz vor dessen Tod entstanden ist. Für die Ausstellung „Expedition Zeichnung“, die noch bis zum 15. März zu sehen ist, nahmen die Kölner Expertinnen und Experten niederländische Meister unter die Lupe. Sie schrieben die Skizze „Christus und die Ehebrecherin“, die bislang „nur“ der Werkstatt Rembrandts zugeordnet wurde, dem Meister selbst zu. (cme, mit afp)