„Rigoletto“ ist als Wiederaufnahme in der Kölner Oper zu sehen, mit solider Inszenierung, gutem Gesang und inspiriertem Orchester.
„Rigoletto“ in KölnUmbau-Pausen wegen Bühnentechnik

Katharina Thalbachs Inszenierung war schon 2012 in Köln zu sehen.
Copyright: Archivbild: Oper Köln
Allmählich kehrt nach dem Festtrubel der Alltag in der alt-neuen Kölner Oper ein, sprich: der normale Repertoirebetrieb. Doch dass man im Haus am Offenbachplatz noch (oder wieder) an einem Anfang steht, wird den Besuchern mitunter auch auf unwillkommene Weise nahegebracht. Bei der samstäglichen Wiederaufnahme von Verdis „Rigoletto“ in der 2012er Inszenierung von Katharina Thalbach sahen sich die Besucher – darunter erkennbar nicht nur Opern-Aficionados, sondern auch viele, die einfach mal die Location nach mühsam bewältigten Sanierungsskandalen und Eröffnungsjubel kennen-lernen wollten – mit der Notwendigkeit konfrontiert, gleich zwei längere Pausen durchzustehen. Der „Rigoletto“ dauert netto nur zwei Stunden, da reichte also eine Unterbrechung. Die zweite wurde diesmal für Umbauten benötigt – ein Indiz dafür, dass es mit der vieldiskutierten Bühnentechnik tatsächlich noch hapert.
Thalbachs Inszenierung (die Premiere fand seinerzeit noch im damals maroden Riphahn-Bau statt, 2017 kam es zu einer Neuauflage im Staatenhaus) lässt immer noch nicht vor Begeisterung aus dem Sessel hüpfen, gewinnt aber an Überzeugungskraft gerade im Vergleich zu der spektakulär misslungenen Regie der Eröffnungsproduktion, des „Rosenkavalier“.
Sicher, Thalbach geht nicht sonderlich einfallsreich zu Werke, da kann es auch ein aufgeblasener Plastikpenis in der initialen Orgie im Herzogspalast nicht herausreißen. Es fehlt an einer Konzeptionsidee, anhand derer das Ganze durchzudeklinieren wäre, etwa einer konsequenten psychologischen Analyse der verinnerlichten Gewaltbeziehungen zwischen den Menschen oder einer Ausleuchtung des zentralen Fluchmotivs. Die komplette Oper steht ja unter einem Fluch, er erschöpft sich nicht darin, dass da jemand öfters mal „maledetto“ faucht.
Aber es gibt auch keine verquer-unverständlichen Subtexte und überambitionierten neuen Spielebenen. Alles ist hübsch an seinem Platz, Personenführung und Choreografie sind solide und durchweg nachvollziehbar. Nach wie vor ist die Oper, ohne dass sich aus dieser Situierung irgendetwas ergäbe, nicht im 16., sondern im beginnenden 20. Jahrhundert angesiedelt.
Gesungen wird auf gutem Niveau
Mantua bleibt hingegen Mantua, die Bühne (Ezio Toffolutti) ist mit finster ragenden Renaissance-Architekturen umstellt, die aber von unten nach oben gekehrt und perspektivisch verzerrt erscheinen – jedenfalls im ersten Bild, das im zweiten Akt wiederkehrt. Verkehrte, kaputte Welt? Schön und gut, nur versandet das Motiv im zweiten Bild (Rigolettos Haus mit Gildas von außen einsehbarem Stübchen im ersten Stock) und im dritten Akt (Sparafuciles Spelunke am Fluss) – dort ist die Ausstattung ziemlich realistisch. Dabei ist ja auch Rigolettos Privatheit alles andere als heil. Epstein-Anspielungen gibt es nicht (das Thema war 2012 auch noch nicht aktuell), aber die wären auch verzichtbar, weil sie sich im Kopf des Zuschauers eh einstellen.
Gesungen wird auf gutem Niveau: Großartig in seiner Beweglichkeit und wohltönenden Grandezza ist Ioan Hoteas Herzog. Eindringlich zwischen Angst, Wut und Verzweiflung, wenn auch etwas einheitlich in der Farbe, Insik Choi in der Titelpartie. Angemessen finster William Thomas als Sparafucile. Enkeleda Kamani als Gilda findet zauberhaft ätherische, geradezu entmaterialisierte Töne im ganz Leisen, vor allem in ihrer auratischen Sterbeszene. Wenn sie freilich aufmacht, kommt Druck auf die Kehle, dann verschwimmen Linien im starken Vibrato, und sie bleibt auch schon mal leicht unter Ton.
Der Männerchor der Oper singt fabelhaft, nicht nur soundstark und homogen, sondern auch mit großem rhythmischem Appeal. Das Gürzenich-Orchester produziert unter Matteo Beltrami einen inspirierten Verdi-Klang – da gibt es kein dumpfes Hum-ta-ta, sondern die Partitur wird in Temperament, Agilität und schlanke, fokussierte Dramatik aufgelöst. Viel Beifall für alle Beteiligten!
Nächste Aufführungen: 7., 17., 23., 25., 29. Oktober
