Er ist eine Rock-Ikone, ein Sexsymbol und nach mehr als 60 Jahren Karriere immer noch aktiv: Am 26. Juli feiert Mick Jagger seinen 80. Geburtstag.
Rocklegende Mick JaggerDer Macker mit dem Augenzwinkern wird 80

Mick Jagger mit Ron Wood (l.) und Keith Richards (r.) beim Auftritt in Gelsenkirchen im vergangenen Jahr.
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Was kommt einem in den Sinn, wenn man an ihn denkt? Ein spindeldürrer Kerl, der wie ein Derwisch über die Bühne fegt und sich in einer Art und Weise bewegt, die bei jedem andern als völlig albern abgetan werden würde. Ein übergroßer, extrem sinnlicher Mund. Eine herausgestreckte Zunge, die zum Logo seiner Band Rolling Stones wurde. Ein Typ, der ausgemergelt daherkommt, aber gleichzeitig tonnenweise Energie und Sex-Appeal verströmt.
Und bei all dem kann man nicht fassen, dass Mick Jagger am 26. Juli satte 80 Jahre alt wird. Wenn man ihn und eine Reihe seiner Altersgenossinnen und -genossen anschaut, ist klar: Nicht nur ist 80 das neue 60, nein, das sind Altersgenießende.
Jagger wird am 26. Juli 1943 in Dartfort, Kent, geboren, Vater und Großvater sind Lehrer, die Mutter eine politisch aktive Frisörin. Aber Mick, genauso wie seinen jüngeren Bruder Chris, drängt es zur Musik. Schon seine erste Band covert Songs von Blues-Größen wie Muddy Waters oder Bo Didley genauso wie Stücke von Chuck Berry und Little Richard.
Nach einer kurzen Zeit bei Alexis Korner's Blues Incorporated gründet er mit Keith Richards die Rolling Stones. Der Rest ist Popgeschichte.

Die Rolling Stones 1964 (von links):Mick Jagger, Bill Wyman, Brian Jones, Keith Richards und Charlie Watts.
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Aber was macht Jaggers Faszination aus, den Charme, mit dem er sogar all jene betört, die sich nicht als Fan bezeichnen würden? Selbstredend: seine Stimme, in deren Höhe sich bisweilen Hyäne und Sirene treffen. Aber auch: diese gehörige Portion Selbstironie, immer ein bisschen drüber, ohne Scheu überkandidelt – camp im besten Sinne des Wortes, am Ende very british. Ein Macho, ein Macker, aber immer auch mit Augenzwinkern.
Und ein Typ, dessen Begleiterinnen – darunter Ehefrau Nummer eins, Bianca Jagger, Sängerin Marianne Faithfull oder Modell Jerry Hall – immer wieder wechselten. Sein Nachwuchs umfasst insgesamt acht Kinder von mehreren Müttern, sowie Enkel und Urenkel.
Aber in Sachen Songschreiben hält er seinem sogenannten „Glimmer Twin“ seit den 60er Jahren die Treue: Keith Richards. Die zwei lernen sich in der Schule kennen, verlieren sich aus den Augen, laufen sich wieder über den musikalischen Weg und beginnen eine Partnerschaft, die durch sämtliche Höhen und Tiefen, in die Drogenhölle und zurück führt und bis heute anhält.
Die scheinbar perfekte Kombi: Jagger steht für den Sex, Richards für die Drugs, beide zusammen für den Rock’n’Roll. Die Wurzeln der Band liegen im Blues und frühem Rock’n’Roll, diese „schwarze“ Musik prägt die Songs, die das Duo Jagger/Richards in den kommenden Jahrzehnten schreiben wird – allen voran „(I can’t get no) Satisfaction“.
Die Songs sind natürlich immer rockig, weil man die wildere Variante der Beatles sein wollte. Aber auch oft sehr tanzbar: „Get off of my cloud“, „Let’s spend the night together“, „Jumpin’ Jack Flash“ oder „Brown sugar“ hört man diese Wurzeln an. Deshalb geraten auch Disco-Anflüge ab Ende der 70er wie „Miss you“ oder „Emotional rescue“, „Start me up“ oder „Undercover (of the night)“ nie peinlich.
Und wenn die Band „Harlem Shuffle“ oder Jagger im Duett mit David Bowie „Dancing in the streets“ covern, geht der Soul der Originale nie verloren. Selbst eines der großartigsten Lieder der Stones, „Sympathy for the Devil“, lebt nicht zuletzt von seinem unwiderstehlichen Groove.
Aber Jagger kann auch leidenschaftlich und verzweifelt klingen, wobei in seiner Band Balladen vielleicht nicht die wichtigste Rolle spielen. „Angie“, „Wild horses“ oder natürlich „You can’t always get what you want“ – das Lied über die Tatsache, dass man nicht all das bekommt, was man möchte, aber zu dem Shluss kommt: „but you get what you need“ – Du kriegst, was du brauchst. Für Mick Jaggers Leben stimmt das sicherlich.