Donald Trump zeigt sich als König und Jesus, als McDonald's-Konsument, und feiert sich in Form eines Triumphbogens – was will er uns damit bloß sagen?
Shitposts und TriumphbögenSo funktioniert Donald Trumps Ästhetik der Schamlosigkeit

US-Präsident Donald Trump spricht mit einer Frau von Door Dash, die ihm zwei Tüten mit McDonald's-Essen zum Oval Office des Weißen Hauses geliefert hat.
Copyright: Alex Brandon/AP/dpa
Am vergangenen Montag bestellte sich Donald Trump Fast Food ins Weiße Haus. Ein Publicity-Stunt, um für seine „Keine Steuer auf Trinkgelder“-Initiative zu werben. Die aus den sozialen Medien als „DoorDash-Oma“ bekannte Lieferfahrerin war eigens aus Arkansas eingeflogen worden. Der Präsident schwadronierte vor der versammelten Presse über alles Mögliche und musste am Ende von ebendieser daran erinnert werden, der einbestellten Fahrerin nun auch wirklich ein Trinkgeld zu geben.
Doch das arrangierte Treffen lieferte immerhin ein sprechendes Foto der ganz speziellen Trump-Ästhetik, über die es ganz bestimmt einmal einen großformatigen Prachtband des Taschen-Verlages geben wird. Treffend erscheint vor allem die Kombination aus talmihaft glänzenden Gold-Applikationen am Oval Office und gut gefüllten McDonald's-Tüten, aus hohlem Luxus-Gepränge und minderwertigen Inhaltsstoffen.
Aber noch wichtiger ist der Moment der Gegenüberstellung, das krasse Bild des Burger verschlingenden Sonnenbank-Potentaten im Goldpalast, den dieser evoziert.
Dreimal dürfen Sie raten, wer sich in den Goldverzierungen des Oval Office spiegeln soll
Oberflächlich betrachtet – im buchstäblichen wie im übertragenen Sinn – verspricht der Trump'sche Goldfetischismus ein zweites „Gilded Age“ der USA – so hatte Mark Twain, in satirischer Absicht, die Aufschwungphase der Vereinigten Staaten nach Ende des Bürgerkrieges getauft. Also ein strahlendes Zeitalter, in dem keine matten Flächen erlaubt sind, in dem alles gülden zu glänzen, alles ungebrochen zu reflektieren hat. Und dreimal dürfen Sie raten, wer sich in diesen Vergoldungen spiegeln soll.
Das aufgeblasene Ego des Möchtegern-Alleinherrschers zeigt sich auch in der maßstabslosen Gigantomanie der Kunst- und Bauprojekte unter Trump. Die mögen ihren Ursprung in der Manie des Immobilienunternehmers haben, sämtliche Bauprojekte mit seinem in goldenen Lettern ausbuchstabierten Namen zu versehen, vom Trump Tower auf Manhattans Fifth Avenue zum Trump Plaza und Trump Castle in Las Vegas: Selbstverherrlichungsporträts in Stahl und Beton.
Aktuell setzen sie sich fort mit den offiziellen Gedenkmünzen zum 250. Geburtstag der USA, die das Konterfei des Präsidenten tragen. Und der Ankündigung aus dem US-Finanzministerium, dass Trumps Unterschrift zukünftig 100-Dollar-Noten zieren wird. Und mit dem 250 Fuß (ca. 76 m) hohen Triumphbogen, den der Präsident ebenfalls vorgeblich aus Anlass der 250-Jahr-Feier auf der dem Lincoln Memorial gegenüberliegenden Seite des Potomac River errichten lassen will. Im Volksmund bereits als „Arc de Trump“ verhöhnt, soll das Bauwerk sein Pariser Vorbild um ein Drittel überragen.

Matthew Taylor, Mitglied der Kommission für Bildende Künste, begutachtet während einer öffentlichen Sitzung der Kommission für Bildende Künste im National Building Museum am 16. April 2026 in Washington, D.C., ein Modell des von Präsident Donald Trump vorgeschlagenen Triumphbogens zum 250-jährigen Jubiläum des Landes.
Copyright: Andrew Harnik/Getty Images via AFP
Auch hier täuscht der kunstgeschichtliche Blick. Das neoklassische Design erzählt von Rückwärtsgewandtheit, von der Sehnsucht nach alter, ungebrochener Glorie. Die Dimensionen des Projekts aber, die absichtliche Verzwergung des Monuments für den Mitbegründer der Republikanischen Partei und wohl größten amerikanischen Präsidenten – der Triumphbogen wäre 46 Meter höher als das Memorial –, verweisen auf die aus allen Fugen geratene Jetztzeit, auf den zwischen Barock, Groteske, Prahlerei und Pornografie changierenden Trumpismus: die Überwältigung durch unverfrorenen Vulgarismus.
Sein Bildprogramm hat Donald Trump selbst am besten im berüchtigten „Access Hollywood“-Video zusammengefasst, von dem man im Oktober 2016 irrtümlich annahm, es würde ihn die Präsidentschaft kosten: „Grab 'em by the pussy.“ Man kann prinzipiell nicht zu weit gehen, wenn Zuweitgehen das Prinzip ist. Das galt Anfang des Jahres, als er ein unfassbar rassistisches Video postete, das Barack und Michelle Obama als Affen zeigte. Das gilt selbst noch für das hyperrealistische, KI-generierte Kitschbild, das Trump vor wenigen Tagen auf seiner Social-Media-Plattform „Truth Social“ als Debattenbeitrag in seinem Streit mit Papst Leo XIV. veröffentlicht hat, und das ihn als Erlöserfigur in weißem Gewand und rotem Umhang zeigt, die einem alten Mann im Krankenbett ihre heilende, ätherisch strahlende Hand auf die Stirn legt. Was selbst unter den Maga-Anhängern „Blasphemie“-Rufe auslöste. Trump wiegelte mit der Lausbubenentschuldigung ab, er habe sich doch nur als Arzt zeigen wollen: „Und ich mache die Menschen tatsächlich besser.“

Diese am 13. April 2026 erstellte Fotoillustration zeigt ein Bild von US-Präsident Donald Trump auf einem Bildschirm sowie ein von ihm auf seiner Plattform „Truth Social“ gepostetes, KI-generiertes Bild, auf dem er sich selbst als Jesus Christus darstellt, nachdem er Papst Leo XIV. kritisiert hatte. Trump veröffentlichte später ein KI-generiertes Bild, auf dem er sich offenbar als Jesus Christus darstellt.
Copyright: AFP
Nun könnte man das Bild einer genaueren Betrachtung unterziehen, es im Sinne der christlichen Ikonografie untersuchen, mit Statuen des heilenden „Beau Dieu“ an gotischen Kathedralen vergleichen. Oder wilde Verschwörungsmythen angesichts der dämonischen Figur in der oberen Bildmitte spinnen. Bringen würde das wenig, schließlich könnte auch die Künstliche Intelligenz, die diesen Fiebertraum generiert hat, nicht erklären, was genau sie da halluziniert hat. Entscheidend ist allein die atemberaubende Geschmacklosigkeit des Bildes, mit deren Hilfe Trump einmal mehr das Bewusstsein von Millionen Menschen okkupiert.
Diskursbeherrschung durch Narzissmus: Haben wir schon vergessen, dass sich der Präsident nur wenige Tage nach dem Tod von Franziskus ein Bild von sich als Papst gezeigt hatte? Dass er während seiner zweiten Amtszeit regelmäßig KI-Werke gepostet hat, die ihn in Rollen zeigen, die ihm nicht zustehen: als Superman, als König von Manhattan, als von Benjamin Netanjahu gewürdigter Friedensnobelpreisträger, beim gemeinsamen Röhren mit einem Löwen oder als Napalmduft schnüffelnder Colonel Kilgore aus „Apocalypse Now“, der seine Kampfhubschrauber gen Chicago ziehen lässt: „Ich liebe den Geruch von Deportationen am Morgen“, überschrieb Trump dieses Bild.
Hier zumindest ist die Drohgebärde in Richtung der von den Demokraten regierten Metropole eindeutig. Was uns dagegen Trump als muskelstrotzender Sith-Lord – halb „Star Wars“, halb Arnold Schwarzenegger in „Predator“ – sagen soll, bleibt rätselhaft. Doch gerade darin liegt die Botschaft.
Walter Benjamin hat schon 1935 in seiner Schrift „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ vor der von den Faschisten betriebenen „Ästhetisierung der Politik“ gewarnt, vor ihren auf Effekte setzenden Inszenierungen, deren zentraler Bestandteil der Führerkult sei und die unweigerlich im Krieg gipfeln werde: „Der Krieg, und nur der Krieg, macht es möglich, Massenbewegungen größten Maßstabs unter Wahrung der überkommenen Eigentumsverhältnisse ein Ziel zu geben.“
Donald Trumps politische Anti-Ästhetik zielt in eine ähnliche Richtung, obwohl er weniger die Weltherrschaft als eine Monopolstellung in der Aufmerksamkeitsökonomie anzustreben scheint. Erfolgreich, muss man sagen, denn die halbe Welt redet seit Jahren über nichts anderes mehr, als über diesen wenig reizvollen, durch und durch kindischen Mann, dessen herausragendste Eigenschaft seine Schamlosigkeit ist – und seine Bereitschaft, diese zur Allzweckwaffe zu machen.
