Sie gilt seit Jahren als Anwärterin auf den Literaturnobelpreis, jetzt hat Anne Carson die begehrte und renommierte Auszeichnung bekommen.
„Sie war sehr überrascht“Literaturnobelpreis geht an Kanadierin Anne Carson

Die Ständige Sekretärin der Schwedischen Akademie Ingrid Carlberg gibt bekannt, wer den Literaturnobelpreis 2026 erhält.
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Die kanadische Dichterin und Autorin Anne Carson wird in diesem Jahr mit dem prestigeträchtigen Literaturnobelpreis ausgezeichnet. Das gab die Schwedische Akademie in Stockholm bekannt. Die 76-Jährige bekommt die Auszeichnung für ihr „kühnes und erfinderisches Werk, das im spielerischen Dialog mit der klassischen Tradition neue Formen für die zeitgenössische Literatur geschaffen hat“, wie die Ständige Sekretärin der Akademie, Ingrid Carlberg, bei der Verkündung sagte.
Sie habe kurz mit der Preisträgerin am Telefon sprechen können, sagte Carlberg. „Sie war sehr überrascht. Wir hatten nicht viel Zeit zu sprechen, aber sie hat mir erzählt, dass sie gerade in Island ist, um dem Wind zuzuhören.“
Lange Zeit ging der Literaturnobelpreis fast nur an Männer
Im vergangenen Jahr war der Ungar László Krasznahorkai mit dem prestigeträchtigen Preis ausgezeichnet worden, und zwar „für sein unwiderstehliches und visionäres Œuvre, das inmitten apokalyptischen Terrors die Macht der Kunst bekräftigt“. Nachdem die Jury damit einen europäischen Mann ausgezeichnet hatte, hatten viele vor der diesjährigen Vergabe spekuliert, dass nun eine Frau von einem anderen Kontinent zum Zug kommen könnte.

Die kanadische Schriftstellerin Anne Carson nahm am 20. November 2024 in New York City an der 75. Verleihung der National Book Awards im Cipriani Wall Street teil.
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Die Schwedische Akademie stand lange in der Kritik, weil sie jahrzehntelang vor allem männliche weiße Autoren aus westlichen Ländern ausgezeichnet hatte. Nach einem Skandal um sexuellen Missbrauch im Jahr 2018 wurde sie tiefgreifend reformiert. Seitdem ging jeder zweite Literaturnobelpreis an eine Frau.
Unter den insgesamt 122 bisherigen Preisträgern sind allerdings nur 18 Frauen. Nur wenige der Prämierten haben ihr Werk in asiatischen Sprachen oder Sprachen des Nahen Ostens verfasst. Afrikanische Sprachen wurden überhaupt nicht berücksichtigt.
Wer zuletzt aus Deutschland den Literaturnobelpreis bekam
Der Literaturnobelpreis gilt als wichtigste literarische Auszeichnung der Welt. Jedes Jahr gehen dafür etwa 200 Nominierungen ein. Wer für den Preis vorgeschlagen wird, unterliegt wie bei allen Nobelpreisen für 50 Jahre der Geheimhaltung.
In den vergangenen Jahren war der Preis immer abwechselnd männlichen und weiblichen Literaten zugesprochen worden. Letzter deutschsprachiger Literaturnobelpreisträger war der Österreicher Peter Handke, der die Auszeichnung 2019 bekam. Die letzten deutschen Preisträger waren Herta Müller 2009, Günter Grass 1999 und Heinrich Böll im Jahr 1972.
Der Nobelpreis ist in diesem Jahr mit zwölf Millionen schwedischen Kronen (gut eine Million Euro) dotiert. Verliehen werden die Auszeichnungen in Literatur, den Wissenschaftskategorien und Wirtschaft am 10. Dezember, dem Todestag von Preisstifter Alfred Nobel, in Stockholm. Der Friedensnobelpreis wird am selben Tag in Oslo überreicht – an wen, wird am Freitag verkündet. (afp/dpa)
