Großes Können bewiesen beim Kölner Meisterkonzert sowohl die Tschechische Philharmonie unter Semyon Bychkov als auch Cellistin Sol Gabetta.
Sol Gabetta mit der Tschechischen PhilharmonieMusikalische Sternstunde der Saison

Cellistin Sol Gabetta
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In seiner Kölner Zeit als Chefdirigent des WDR Sinfonieorchesters war Semyon Bychkov nicht unumstritten. Es kam freilich auch immer auf die Repertoirewahl an. Seine Deutungen der deutschen Spätromantik – Wagner, Mahler, Strauss – fanden meist einhellige Zustimmung. Romantisch-spätromantisch ging es jetzt auch im von ihm dirigierten Meisterkonzert in der Kölner Philharmonie zu. Und siehe da: Im Verbund mit dem Klangkörper, der Tschechischen Philharmonie, als deren Chefdirigent er seit sechs Jahren amtiert, durfte das Publikum eine musikalische Sternstunde der laufenden Saison erleben. Um mit dem Schluss zu beginnen: Mendelssohns Italienische Sinfonie gehört werkgeschichtlich und auch ihrer klassizistischen Prägung halber nicht der Spätromantik an, aber Bychkov und die Seinen machten auch keinerlei Versuche, sie in diese Richtung zu trimmen. Im Gegenteil: Fett klang hier gar nichts, alles war – bei teils starker Reduktion der Dynamik – frisch, hell und agil, schlank, vital und gut belüftet. Eine großartige Balance von Ruhe und Bewegung im Mit- und Gegeneinander der Instrumentalstimmen.
Eines der besten europäischen Orchester
So ein Resultat, das sich mit Dvoráks einleitender Ouvertüre „Karneval“ bereits angekündigt hatte, bekommt der Dirigent allein in der Tat nicht hin. Aber so, wie die Gäste sich in Köln präsentierten, muss man sie zu den besten europäischen Orchestern zählen. Der Streichersound ist in seiner unaufdringlichen Brillanz und Schönheit genauso superb wie der Seelenklang der Holzbläser in den intensiv ausgesungenen lyrischen Stellen.
Star des Abends war Sol Gabetta als Solistin in Elgars spätem und tatsächlich auch spätromantischem Cellokonzert. Das Werk hält für den Interpreten Fallen bereit. Das rhythmische Ostinato im 9/8-Takt des ersten Satzes kann auch leiernde Ödnis erzeugen, wenn es nicht von innen mit Leben erfüllt wird. Solches indes gelingt Gabetta, die das Werk äußerst gerne spielt, in hohem Maße. Auf ihrem großartigen Goffriller-Cello unterläuft ihr kein einziger belangloser oder expressiv unerfüllter Ton oder Takt. Im Zentrum ihrer Interpretation stand freilich der Abschiedsgestus dieser Musik, der Gebetsklang, die traurig absteigende Linie, ihr Zerbrechen und Verstummen. Das war zum Heulen schön.
Man nähme es Gabetta nicht übel, verschwände sie daraufhin kommentarlos im Off. Das tat sie dann aber doch nicht, sondern dankte für den inbrünstigen Beifall mit einem (von den Orchester-Celli grundierten) Schumann-Stück „im Volkston“.
