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ZDF-Sendung sorgt für Streit„Der Auftritt bei Lanz war eines ehemaligen Generals unwürdig“

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Hitzige Debatte im ZDF: Roderich Kiesewetter, Markus Lanz, Verena Jackson, Erich Vad im Studio.

Hitzige Debatte im ZDF: Roderich Kiesewetter, Markus Lanz, Verena Jackson, Erich Vad (v.l.) im Studio.

Während Ex-Merkel-Berater Vad nach einem Auftritt im ZDF Zuspruch vom politischen Rand bekommt, gibt es für Kontrahent Kiesewetter Unterstützung aus NRW. 

Dass es bei einem Aufeinandertreffen von CDU-Politiker Roderich Kiesewetter und Erich Vad, dem ehemaligen militärpolitischen Berater von Altkanzlerin Angela Merkel, nicht harmonisch zugehen würde, dürfte vielen Zuschauerinnen und Zuschauern schon vorab klar gewesen sein.

Tatsächlich lieferten sich Kiesewetter und Vad in der gleichnamigen ZDF-Talkshow mit Moderator Markus Lanz am Donnerstagabend (21. Mai) dann die erwarteten hitzigen Wortgefechte – und auch in den Reaktionen auf die Sendung wird eine starke Polarisierung der Debatte deutlich.

Erich Vad und Roderich Kiesewetter streiten bei „Markus Lanz“

Während Vad, Brigadegeneral a. D., die Talkshow dafür nutzte, für Verhandlungen mit dem Kreml zu plädieren und davor zu warnen, dass Deutschland „in einem Konflikt mit Russland landet“, sowie einem möglichen EU-Beitritt der Ukraine ein „hohes Eskalationspotenzial“ attestierte, hielt Kiesewetter entsprechend vehement dagegen.

Roderich Kiesewetter im Gespräch mit Markus Lanz.

Roderich Kiesewetter im Gespräch mit Markus Lanz.

„Die Bundesregierung steht an der Seite der Ukraine, deswegen kann die Bundesregierung nicht Verhandler sein zwischen Russland und der Ukraine“, stellte der CDU-Politiker klar. „Wir verhandeln nicht über die Ukraine! Die Ukraine muss gestärkt werden, dass Russland aus der Ukraine abzieht!“, bekräftigte Kiesewetter seine Haltung und betonte: „Die Ukraine schützt uns gerade.“

„Sie machen unseren Bürgern Angst – das findet alles nicht statt“

„Sie wären ein super ukrainischer Verteidigungsminister“, konterte Vad – und sorgte dafür für Ärger bei Kiesewetter. Das sei eine „böse Unterstellung“, antwortete der CDU-Politiker. Vad wiederum warnte erneut: „Wenn es einen europäischen Krieg gibt, läuft er in unserem Land!“ Auch das blieb nicht ohne Replik: „Sie machen unseren Bürgern Angst – das findet alles nicht statt“, antwortete Kiesewetter. 

Nach dem Schlagabtausch im ZDF gab es am Freitag für beide Kontrahenten Zuspruch. So lobten etwa BSW-Chef Fabio De Masi und AfD-Politiker den Auftritt des ehemaligen Merkel-Beraters.

Alice Weidel und Fabio De Masi stellen sich hinter Erich Vad

„Erich Vad warnt: Die ‚Deep Strikes‘ der Ukraine bergen ein immenses Sicherheitsrisiko für Deutschland. Doch statt Friedensverhandlungen strebt die CDU eine direkte Kriegsbeteiligung der EU – und damit Deutschlands – an“, schrieb AfD-Chefin Alice Weidel auf der Plattform X mit Blick auf Angriffe auf Ziele tief in Russland, mit denen die Ukraine sich gegen die Aggression des Kremls verteidigt. Parteikollege Maximilian Krah attestierte Vad, „in der Sache vollkommen recht“ zu haben.

Ähnlich lautete das Urteil von De Masi: Vad habe „absolut Recht“ mit einigen seiner Punkte, schrieb der BSW-Chef bei X. „Es ist erbärmlich, wie die Ukraine ein Bauer auf dem geopolitischen Schachbrett wurde und diese Schlafwandler und radikalisierten Sesselgeneräle unser Land der Gefahr eines großen Krieges aussetzen“, so der frühere Linken-Politiker.

Früherer Gummersbacher Bürgermeister unterstützt Kiesewetter

Zuspruch für Kiesewetter und Kritik an Vad gab es unterdessen aus dem Kölner Umland. „Der Auftritt von Erich Vad bei Lanz war eines ehemaligen Generals der Bundeswehr unwürdig“, schrieb der frühere Bürgermeister der Stadt Gummersbach, Frank Helmenstein, bei X.

„Vads rüde Verbalattacken gegenüber Roderich Kiesewetter dürften Putin erfreut haben“, hieß es weiter von Helmenstein, der von 2004 bis 2025 die Geschicke im Gummersbacher Rathaus leitete. „Wer derart aggressiv russische Narrative bedient, hat im ÖRR nichts zu suchen“, lautete das Fazit des ehemaligen Bürgermeisters, der für die CDU kandidiert hatte. Kiesewetter bedankte sich für den Beitrag. „Ganz herzlichen Dank für diesen Klartext, lieber Frank“, kommentierte der CDU-Politiker bei X.

Ukrainischer Botschafter verbreitet Kritik an Vad weiter

Indirekt positionierte sich unterdessen auch der ukrainische Botschafter in Deutschland, Oleksii Makeiev – und verbreitete gleich mehrere Vad gegenüber kritische Beiträge anderer Nutzer bei X weiter. Darunter fanden sich Wortmeldungen mit harscher Kritik am ehemaligen Merkel-Berater.

„Wäre Deutschland angegriffen worden, während General Vad militärische Verantwortung trug, hätte er Merkel am ersten Tag dazu geraten, die bedingungslose Kapitulation zu unterschreiben“, hieß es etwa in einem Beitrag. Ein anderer von Makeiev verbreiteter Post enthielt viel Lob für Vads Kontrahenten: „Kiesewetter zerlegt Erich Vad mit Fakten und dieser verliert völlig die Fassung. Starke Argumente statt heißer Luft – wir brauchen definitiv mehr Politiker wie Herrn Kiesewetter!“

Bundesregierung stellt sich hinter Ukraine – und das Baltikum

Die Bundesregierung hatte unterdessen bereits vor der ZDF-Sendung ihre Position bekräftigt. „Die Ukraine erbringt den größten Beitrag zur europäischen Sicherheit außerhalb der NATO“, erklärte Außenminister Johann Wadephul (CDU). Am Freitag sprach Wadephul dann auch dem Baltikum die Solidarität der Bundesregierung aus. 

„Wir stehen solidarisch an der Seite unserer baltischen Verbündeten in Estland, Litauen und Lettland, die mit absurden russischen Anschuldigungen und gefährlichen Drohungen angegriffen werden“, schrieb Wadephul mit Blick auf fortwährende Verbalattacken Moskaus auf die baltischen Staaten – zuletzt hatten etwa Äußerungen des litauischen Verteidigungsministers über die russische Ostsee-Exklave Kaliningrad für Wut in Moskau gesorgt.

Wadephul zeigte sich unterdessen unbeeindruckt von Russlands rhetorischen Attacken, die immer wieder auch Deutschland treffen. „Eine Drohung gegen einen Verbündeten ist eine Drohung gegen das gesamte Bündnis“, stellte der CDU-Politiker klar. „Wir lassen uns nicht einschüchtern. Wir stehen zusammen.“