Das WDR-Funkhausorchester feiert „The Sound of Pride“ anlässlich des Christopher Street Day in Köln.
„The Sound of Pride“Köln, wie es schwingt und klatscht

Das Ensemble des WDR-Funkhausorchesters
Copyright: Dominik Mentzos
Noch vor Beginn des Konzerts signalisieren Scheinwerfer und Leuchtröhren in allen Regenbogenfarben die Buntheit möglicher Spiel- und Lebensarten. Schon zur Begrüßung schlägt dem WDR Funkhausorchester und seinem Chefdirigenten David Brophy mit Johlen und Pfeifen eine hoch energetische Sympathiewelle entgegen. Der Begeisterungswille erreicht dann auch gleich mit dem euphorisierenden „Dancing Queen“ von ABBA einen ersten Höhepunkt. Das Orchesterarrangement ist brillant gemacht und ersetzt die wiederkehrenden Akkordeinwürfe des Klaviers durch strahlende Trompeten.
Köln stand bereits die ganze Woche unter dem Vorzeichen des Christopher Street Day, der hier so ausgiebig, groß, vielstimmig und bunt gefeiert wird wie kaum anderswo in Europa. Der Abend vor der abschließenden „Pride Parade“ bot in der fast ausverkauften Philharmonie „The Sound of Pride“. Durch das Konzert führte Bennie Bauerdick. Der 1LIVE-Moderator erscheint in hochhackigen Stiefeletten mit glitzernder Epauletten-Hose, um dann ein ums andere Mal in anderem Outfit einen Großteil des Farbspektrums des Regenbogens zu durchlaufen. Später bekennt er ganz lässig, was ohnehin klar ist: Er ist schwul, stammt aus dem Sauerland und hatte sich von vielem zu befreien, um heute seine Homosexualität offen leben zu können. Die ihm aus dem Saal entgegengebrachte Resonanz verrät, dass es anderen ähnlich erging.
„We Are Family“ reißt das Publikum früh von den Sitzen
Gleich der zweite Song „We Are Family“ reißt das Publikum von den Sitzen, alle klatschen und schwingen im Stehen mit. Scheinwerfer strahlen auch ins Auditorium und vereinen das Publikum zur bunten Familie. Wie der Evergreen der Sister Sledge werden auch alle weiteren Songs enthusiastisch gefeiert. Zu Gloria Gaynors „I Will Survive“ steigert sich das Klatschen zum Tanzen. Der Saal feiert die Musik und auch sich selbst. Die meisten Lieder wurden zwar nicht als Queere-Hymnen geschrieben, aber durch die Community dazu gemacht, entweder weil die Interpreten homosexuelle Ikonen waren oder die Texte eine solche Aneignung nahelegen, etwa Freddie Mercurys „I Want to Break Free“, Marianne Rosenbergs Schlager „Er gehört zu mir“ oder Taylor Swifts „Shake it Off“.
Neben rein orchestralen Arrangements mit tollen Soli von Posaune, Trompete, Saxophon und E-Gitarre singen die Musicalstars Amani Robinson und Markus Fetter mitreißend, mit sehr verschiedener Ausstrahlung: sie lässig, sinnlich und ansteckend, mit viel Body and Soul, er dagegen mit stilisierten Ballettposen wie eine schöne Kunstfigur. Die Schwulen-Hymne „Secret Love Song“ singt Fetter bewundernswert wandelbar, schluchzend, strahlend, zerbrechlich und kraftvoll. Im Saal gehen dazu die Lichter hunderter sanft geschwenkter Handys an. Die Botschaften sind ebenso einfach wie klar und wichtig. Es geht um „Gleichberechtigung, Akzeptanz, Zusammenhalt“. Aus Lady Gagas „Born This Way“ kann man ableiten: „Egal ob schwul, lesbisch, bi oder trans, weiß oder schwarz, liebe Dich, wie Du bist!“ Ähnlich lässt sich in Gloria Gaynors „I Am What I Am“ die Kernaussage verstehen: „And what I am, needs no excuses“.
Moderator Bauerdick nimmt sein knallrotes Bolerojäckchen zum Anlass, auf die Farbe der Aidshilfe hinzuweisen und darauf, dass seit den 1980er Jahren über vierzig Millionen Menschen an HIV gestorben sind. In wechselnder Garderobe erscheinen auch Amani Robinson und Markus Fetter: sie mit armlangen pinken Handschuhen und üppiger Federboa in den Regenbogenfarben zu „Pink Pony Club“ von Chappell Roan; er wahlweise ganz in Schwarz, Beige oder Glitter. Am Ende wünscht man sich gegenseitig „Happy Pride, macht’s gut!“, bekennt sich zum Song „Everybody needs somebody to love“ und feiert gemeinsam als große Mitsing-Zugabe nochmals „We Are Family“.
