Die Inszenierung zu David Foster Wallaces berühmter programmatischer Rede arbeitet sich mit viel Gagenhumor an einer Realität ab, die aus den Fugen geratenen ist.
„This is Water“ in KölnDer Welt steht das Wasser bis zum Hals

Wirkt bei der Wallace-Inszenierung im Studio Trafique mit: Katharina Rettich
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Zum Prolog eine Parabel: Zwei junge Goldfische (Dominik Hertrich und Jona Krispin im Video) schwimmen zur Unterwasser-Uni. Unterwegs begegnet ihnen ein älterer Fisch und fragt: „Morgen Jungs, wie ist das Wasser?“ Die jungen Fische schauen dem älteren Fisch nach, bis einer den anderen fragt: „Was zum Teufel ist Wasser?“
„This is Water“, David Foster Wallaces berühmte programmatische Rede aus dem Jahre 2005, die mit dieser Parabel beginnt, wird in Björn Gabriels neuester Inszenierung im Studio Trafique nicht nur zitiert. Wallaces hintersinnige Denkanstöße zum Umgang mit einer immer mehr aus den Fugen geratenen Realität erscheinen auch 20 Jahre später hochaktuell und bestens geeignet, um einen Theaterabend ins Laufen zu bringen.
Mit David Foster Wallace in den ultimativen Alltags-Stresstest
Auf der Bühne ist es dann ein tapferes Trio in Neopren-Anzügen, das den Diskurs nicht scheut, auch wenn den Dreien das Wasser bis zum Halse steht. Katharina Rettich, Lucas Rosenberg und Tomasso Tessitori gehen mit David Foster Wallace im Gepäck in den ultimativen Alltags-Stresstest. 2026 sind es die Algorithmen, die das Leben bestimmen. Bilder haben die Deutungshoheit übernommen. Zu verführerisch ist der schöne Schein der digitalen Bilderwelten im Vergleich zu der unerbittlichen Realität im Alltag.
Oder sind längst die Computerwelten die neue Realität und das analoge Alltagsgeschehen nur noch ein Anachronismus? Regisseur Björn Gabriel lässt seinem Trio auf der Bühne viel Luft, um Positionen und Standpunkte abzuklären und jenseits der gewitzten Wortgewitter die Lust am (Theater-)Spiel auszuleben. Der Überlebenskampf der Menschheit wird hier trotz aller dystopischen Ausblicke mit Humor und feiner Selbstironie geführt.
Galgenhumor, der viel Spaß macht
Dem scheinbar übermächtigen Bilderrausch auf der Videoleinwand (Video-Art: Jan van Putten) rückt man schelmisch mit der eigenen Kamera entgegen. Projektionen und persönliche Positionen werden im Perspektivwechsel infrage gestellt, der Fokus neu justiert, die Dynamik der eigenen Egozentrik mit Empathie eingedämmt und nach neuen, positiven Visionen Ausschau gehalten.
Immer wieder klopft die muntere Debattenrunde dabei die Theorie auf konkrete Umsetzung ab. Wenn dann das (Er)schöpfen aus dem Vollen nicht mehr weiterführt, hilft auch schon einmal ein Lied auf der Gitarre oder ein frisch gebackener Crêpe, um die Akkus im Abnutzungskampf gegen die diversen globalen Katastrophen wieder etwas aufzuladen. Mag sein, dass hier nur noch Galgenhumor die Stimmung hochhält, aber der macht zumindest an diesem Theaterabend jede Menge Spaß.
Nächste Termine: 9. Oktober, 20 Uhr, 11. Oktober, 18 Uhr, 3. und 4. November, 20 Uhr