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Umzug der Kölner Oper„Plötzlich merkt man, was gefehlt hat“

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20260918, Köln. Serie "Der größte Umzug Kölns": Cellist Daniel Raabe spielte mit dem Gürzenich Orchester schon im "alten" neuen Haus. Foto: Costa Belibasakis

Cellist Daniel Raabe spielte mit dem Gürzenich-Orchester schon im "alten" neuen Haus. Hier steht er vor dem Bühneneingang zu seinem altbekannten Arbeitsplatz.

In unserer Serie „Der größte Umzug Kölns“ treffen wir Daniel Raabe, der als Cellist des Gürzenich-Orchesters schon in der alten Oper gespielt hat. 

Am Künstlereingang der Oper herrscht geschäftiges Treiben: Aus dem Rolltor kommt einem gerade ein riesiges Sofa auf einem Rollbrett entgegen, das Empfangspersonal stellt im Akkord Zugangskarten aus. Daniel Raabe kennt die Räume, die sich hinter dem Eingang auftun, die irgendwie vertraut sind und doch ganz neu. Er bewegt sich zielstrebig im flotten Schritt durch die verwinkelten Gänge des Backstagebereichs, auch wenn dabei ab und zu der große Instrumentenkoffer auf seinem Rücken in einem Türrahmen hängenbleibt.

Seit 1990 ist Raabe Cellist beim Gürzenich-Orchester, das bei etwas über der Hälfte seiner Auftritte gemeinsam mit dem Ensemble der Kölner Oper auf der Bühne steht. Der Orchestergraben im Opernhaus im Herzen der Stadt war über viele Jahre seine Arbeitsstätte – und ab diesem Sonntag, mit der Premiere des „Rosenkavaliers“, wird er es nach 14 langen Jahren endlich wieder sein. „Man kann es noch gar nicht so richtig glauben“, sagt Raabe schließlich bei einer Limo in der neuen Kantine. Die war einmal so etwas wie „sein Wohnzimmer“. Eine der vielen schönen Erinnerungen an den Offenbachplatz: „Die war damals viel kleiner und verraucht. Hier haben sich alle – Sänger, Chor, Orchester – nach den Vorstellungen und Proben getroffen, bis der Pförtner irgendwann das Licht ausgemacht hat.“

Nie richtig wohlgefühlt

Die Oper sei ein Haus gewesen, zu dem man sich zugehörig fühlte: „Ähnlich wie die Philharmonie, ist das einfach ein Stückchen Heimat – nicht nur das Gebäude, sondern auch die musikalischen Erlebnisse, die man hatte.“ Anfang der 90er Jahre sei eine große Blütezeit der Oper mit vielen wunderbaren Inszenierungen gewesen. Sänger, Orchester und Publikum hätten das gemeinsam erlebt und gefeiert. Ein Gemeinschaftsgefühl, das es an all den anderen Orten, wie so vieles, einfach nicht gegeben habe: „Man gewöhnt sich an so manche Missstände. Aber eigentlich haben wir uns nie wohlgefühlt.“ 14 Jahre lang spielten Gürzenich-Orchester und Opernensemble fast überall in der Stadt: im blauen Zelt des Musical-Domes, im Landesgericht am Reichensperger Platz, im Palladium und schließlich im Staatenhaus – und nie sei es ideal gewesen, so Raabe. Im Staatenhaus hätte es zwar auch gute Produktionen wie die legendäre „Soldaten“-Inszenierung gegeben, doch ansonsten sei es „wirklich defizitär“ gewesen.

„Wir haben uns nicht richtig gehört, der Klang hat sich nicht entwickelt, der Raum war viel zu niedrig, das Orchester war oft vor der Bühne auseinandergezogen platziert, mal neben der Bühne, mal hinter der Bühne. Es war einfach nicht optimal“, erinnert sich Raabe, „und dann kommt man in diesen Operngraben und merkt plötzlich, was gefehlt hat.“ Diese erste Klangprobe im sanierten alten Haus im Februar war „sehr emotional“. Viele aus dem Orchester, die wie der Cellist schon einmal im Haus gespielt haben, gehen bald in den Ruhestand. Für sie sei es ein „sehr wehmütiger Moment“ gewesen, so Raabe. Die jungen Kolleginnen und Kollegen wiederum seien erstaunt gewesen, dass sie jetzt so ein Haus bekommen, das sie vorher nie hatten.

Die Wege werden wieder viel kürzer

Ein Haus eines namhaften Architekten im Herzen der Stadt. Ein Haus, mit deutlich besserer Akustik, wie der Cellist findet: „Der Raum ist homogener, der Klang ist kompakter, man kann ihn viel besser kontrollieren, weil man sich besser hört. Mein Eindruck ist, dass der Klang auch wärmer ist.“ Aber auch ein Haus, in dem sich ganz pragmatische, für den Orchesterbetrieb wesentliche Dinge erheblich verbessern werden: Zum Beispiel hat wieder jede Instrumentengruppe ein eigenes Stimmzimmer, in dem sie sich einspielen kann. Zum Vergleich: Im Staatenhaus waren alle Räumlichkeiten miteinander verbunden, sodass schon das Einspielen kaum möglich war.

Neustartkonzert mit dem Ensemble der Oper, dem Opernchor, der Band „Kasalla“ und dem Gürzenich-Orchester beim Eröffnungsfest der Bühnen am Sonntag

Neustartkonzert mit dem Ensemble der Oper, dem Opernchor, der Band "Kasalla" und dem Gürzenich-Orchester beim Eröffnungsfest der Bühnen am Sonntag

Und auch die Wege werden wieder viel kürzer. Von den Stimmzimmern bis zum Eingang in den Orchestergraben – zwei schwere schwarze Türen, die an diesem Tag noch verschlossen sind – sind es nach Raabes Schätzung vielleicht fünfzig Meter. Und von dort stolpert man nach getaner Arbeit förmlich in die Kantine, die schon jetzt wieder zu einem sozialen Treffpunkt geworden ist. Fast alle Tische sind belegt, immer wieder grüßen zufällig vorbeilaufende alte Bekannte den Musiker. Vorfreude und Aufregung liegen in der Luft.

Noch bis vor wenigen Wochen hat sich das hier keiner getraut. Zu tief sitzen die Enttäuschungen der letzten Jahre: „Alle haben sich nach den Erfahrungen immer wieder gefragt: Wird das was?“ Bis zur ersten Probe gemeinsam mit den Sängerinnen und Sängern kurz vor der Sommerpause: „Da hat man gespürt: Wir gehen jetzt wirklich rein. Wir hatten endlich Gewissheit und haben uns einfach richtig gefreut.“ Am Wochenende spielte das Gürzenich-Orchester dann beim „Neustart“-Konzert endlich das erste Mal wieder vor vollen Rängen: „Das ist schon etwas Besonderes, dass man ins Publikum schaut, und alles ist wieder gefüllt.“ Und auch an diesem Donnerstag sitzt das Orchester zum Festakt wieder auf der großen Bühne. Doch so richtig los geht es für Raabe erst im Orchestergraben mit der Premiere am Sonntag: „Wenn man in die erste Aufführung geht – das ist Ankommen. Das wird für alle schon sehr emotional sein. Ich hoffe auch für das Publikum.“


Nach mehr als 14 Jahren im Exil kehren die Kölner Bühnen endlich in die Innenstadt an ihren angestammten Platz zurück. Wir begleiteten den großen Treck an den Offenbachplatz im Kulturteil mit unserer Sommerserie „Der größte Umzug Kölns“ aus vielen Perspektiven, unter anderem von Sängerinnen, Bühnenarbeitern und Denkmalschützern. Am 27. September startet die erste Produktion der ersten Saison in der sanierten Riphahn-Oper – mit dem von GMD Andrés Orozco-Estrada dirigierten „Rosenkavalier“ und an diesem Donnerstag, den 24. September, einem Festakt mit Ensemble, Chor und Diana Damrau als illustrem Gast.