Abo

Uwe Rohbeck vom Schauspiel KölnSchmerzhafte Trennungen und schlechte Texte

3 min
Uwe Rohbeck auf der Willy Millowitsch Bank

Uwe Rohbeck vom Schauspiel Köln auf der Willy Millowitsch Bank

Seit dieser Spielzeit gehört Uwe Rohbeck zum Ensemble des Schauspiel Köln. Ein Gespräch über Schauspieleralltag und Erfahrungswerte. 

Als Treffpunkt haben Sie das Willy-Millowitsch-Denkmal vorgeschlagen, nicht zuletzt, weil Sie hier in der Gegend wohnen. Gibt es ansonsten eine Beziehung zu diesem Kölner Original?

Eigentlich erst nachdem ich 1987 die DDR verlassen habe und in München gelandet bin. Da war er mir dann übers Fernsehen ein Begriff mit seiner Rolle als Kommissar Kleefisch - genauso wie das Millowitsch-Theater. Das ist schon imposant.

Sie selber waren an vielen verschiedenen Theater engagiert...

Ich habe mal nachgezählt, und Köln ist das elfte Haus, an dem ich angestellt bin. Und ich hoffe auch, mein letztes.

Welche Tipps haben Sie für junge Kolleginnen und Kollegen, wie man mit all diesen Wechseln am besten umgeht?

Das hat mich auch zuletzt eine Anfängerin, eine junge Kollegin, gefragt und meinte, sie sei jetzt schon fertig. Ich sagte ihr dann, dass es, bei allen Höhen und Tiefen, wichtig sei, nicht den Spaß zu verlieren, nicht zu verkrampfen, locken zu bleiben, zu atmen. Man sollte sich rechtzeitig eine gewisse Gelassenheit aneignen, die man in diesem Beruf braucht.

Wie schafft man diese häufigen Wechsel im persönlichen, im privaten Bereich?

Der Freundeskreis ist natürlich eingeschränkt, ist immer da, wo man gerade arbeitet. Es ist auch die Frage, ob man Familie hat oder wie ich allein lebt. Ich hatte viele Freundinnen, die auch Schauspielerin, auch am selben Theater waren. Das ist dann auseinandergegangen, weil sie dahin gegangen ist, ich dorthin. Das ist sehr schmerzhaft. Aber wo eine Tür zufällt, öffnet sich eine neu. Und durch die muss man dann wieder durch. Also, immer offen und wach bleiben und hoffen, dass was Neues, was Spannendes passiert. Und das ist ja auch meistens so.

Sie hatten in dieser Spielzeit vier Premieren und eine Wiederaufnahme, das heißt bis zum Sommer steht Spielen an?

Ja! Und darauf freue ich mich sehr. Proben sind schön, aber auch wahnsinnig anstrengend, gerade, wenn man so viel hintereinander macht.

Jetzt habe ich auch wieder mehr Zeit, Musik zu machen. Und an meinem 64. Geburtstag saß ich abends bei mir zu Hause und fragte mich, Uwe, welches Instrument kannst du noch nicht spielen? Zuerst dachte ich an Saxofon, aber das ist wohl zu laut. Und dann erinnerte ich mich an eine gute Freundin, die Querflöte spielt, was ich damals schon immer bewundert habe. Jetzt habe ich mir eine gute Yamaha gekauft. Ich bin eigentlich relativ flink darin, ein neues Instrument zu lernen - schneller, als einen schlechten Theatertext zu lernen.

Welche Instrumente spielen Sie noch?

Trompete, Orgel, Schlagzeug, Bass, und ich habe sehr viele Gitarren. Ich habe den Überblick ein bisschen verloren, aber ich glaube, ich habe 18 Gitarren.

Machen Sie auch gern mit anderen zusammen Musik?

Das würde ich schon gern, aber es ist immer eine Frage der Zeit.

Weil Sie, wenn andere Zeit für Hobbys haben, auf der Bühne stehen...

Genau. Doch es ist auch für einen Schauspieler sehr schön, wenn man ein Instrument kann, denn der Beruf hat sehr viel mit Rhythmus zu tun. Ich spüre das, wenn ich Rollen erarbeite, was für einen Rhythmus eine Figur haben kann. Da steht dann in meinem Textbuch etwa bei einem Monolog Dreivierteltakt. Mit so etwas arbeite ich sehr gerne.

Neben der Schauspielerei haben Sie auch sehr viel Regie geführt. Wie schafft man es, wenn man „nur“ als Schauspieler engagiert ist, die Klappe zu halten?

Ich kann das sehr gut, denn ich will mich nicht einmischen in die Regie - denn sonst würde ich selber Regie führen. Ich habe aber bewusst damit aufgehört, weil ich einfach spielen wollte. Man kann natürlich kleine Tipps geben, aber eigentlich ist das nicht meine Aufgabe.

Man kann sicher auch Einfluss nehmen, in dem man der Regie bestimmte Spielweisen anbietet?

Natürlich arbeiten wir alle mit kleinen, feinen Mittelchen, um unser Verständnis von einer Figur durchzusetzen. (grinst)

Zuletzt hatte ein junger Kollege bei einer gemeinsamen Premiere einen veritablen Texthänger. Was geht einem dann durch den Kopf?

Man stirbt schon mit. Aber ein Blackout passiert, auch das gehört zu unserem Beruf und ist mir natürlich auch schon passiert. Ich arbeite dann gerne mit der Souffleurin oder dem Souffleur zusammen und sage: Ich hänge wie eine Bogenlampe. Oder man improvisiert. Mit dem Kollegen Andreas Beck stehe ich schon mehr als 20 Jahre zusammen auf der Bühne, da würde das so gehen, dass wir uns gegenseitig die Bälle irgendwie zuspielen. Das sind alles Erfahrungswerte.

Je länger man dabei ist, umso lockerer kann man damit umgehen. Ich stehe jetzt fast 40 Jahre auf der Bühne, und irgendwas würde mir schon einfallen, um meinen Arsch zu retten.