Köln – „Wir sind in konstruktiven Gesprächen“, sagt Stefan Bachmann am Rande der Sondersitzung des Bühnenausschusses, bei dem die Unternehmensberatung actori ihr Bühnen-Gutachten über die Kosten für eine Spielzeit am Offenbachplatz (die Rundschau berichtete) präsentierte. „Wir“, das sind Bachmann und die Stadt, namentlich Oberbürgermeisterin Henriette Reker. Das Gesprächsthema: Verhandlungen über einen Verlängerung von Bachmanns Intendanz über die Spielzeit 2022/23 hinaus, von der die Rundschau erfahren hatte.
Rückblick: Bachmann, der heute seinen 55. Geburtstag feiert, hatte die Intendanz 2013 im Interim begonnen, mit der Option, mehrere Spielzeiten im sanierten Schauspielhaus arbeiten zu können. Die Wiedereröffnung platzte 2015 aus den bekannten Gründen, Bachmann entschloss sich „aus künstlerischen Gründen“ nicht in dieser Endlos-Warteschleife zu verharren. Später unterschrieb er einen Vertrag, der bis zum derzeit voraussichtlichen Ende des Interims 2023 läuft.
Um die Findungskommission wurde es still
In der Zwischenzeit hatte sein designierte Nachfolger Carl Philip von Maldeghem nach seiner Antrittspressekonferenz derartige Gegenwind und Häme erfahren, dass er nach fünf Tagen das Handtuch warf und in Salzburg blieb. OB Reker machte die Intendantensuche zur Chefsache und richtete eine Findungskommission ein. Aber während nach der Nichtverlängerung von Birgit Meyer mit Hein Mulders sehr schnell ein neuer Opernintendant gefunden wurde, blieb es in der Frage Schauspiel still. Wie sich jetzt herausstellte aus gutem Grund.
Und auch wenn Stefan Bachmann sich nicht zu den laufenden Vertragsverhandlungen geäußert hätte, sein Wortbeitrag im Bühnenausschuss sprach Bände: „Man kann der Kreativität noch freieren Lauf lassen“ sagte er über das Gutachten, Und: „Wenn wir das Depot erhalten können, brauchen wir die Halle Kalk nicht, weil wir hier vielfältige Möglichkeiten haben!“
Das actori-Gutachten spricht sich ebenfalls für den Erhalt des Depots 2 als rechtsrheinische Spielstätte für das Schauspiel aus, aber auch für den Standort einer eigenen Sparte „Tanz“ der Bühnen im Depot 1. Und Bachmann könnte sich auch eine Rotation zwischen Depot 1 und 2, zwischen Schauspiel und Tanz vorstellen: „Denn vielleicht hat ja auch das Schauspiel mal ein Projekt, mit dem man ins Depot 1 gehen kann.“
Halle Kalk versus Depot war nur einer der vielen Punkte, die actori in ihrem 500 Seiten starken Papier behandelt hatten und nun dem Ausschuss in guten 30 Minuten kompakt und informativ präsentierten. Ausgehend von einem Musterspielplan (unter anderem 7 Premieren in der Oper und 8 im Schauspielhaus) stellten sie einen Mehrbedarf von rund 6 Millionen Euro fest, wobei 2,2 Millionen durch Landesmittel gedeckt und 800 000 Euro bereits vom Rat für die neuen Werkstätten bewilligt seien. Die Einrichtung der Tanzsparte mit eigener Intendanz und 20-köpfiger Kompanie koste fünf Millionen zusätzlich.
Positive Reaktionen
Die Reaktion von Seiten der Politik fiel durchweg positiv aus, Nachfragen zu Details wurden von actori-Geschäftsführer Frank Schellenberg und seiner Kollegin Nora Pähler von der Holte meist ausführlich und nachvollziehbar beantwortet. Allein in Bezug auf die Nutzbarkeit für die freie Szene, auf die Birgitta von Bülow (Grüne) und Maria Helmis (SPD) abzielten, blieb man schwammig.
Für Lorenz Deutsch, den kulturpolitischen Sprecher der FDP, ist es „gut, dass wir jetzt eine solide Grundlage haben für alles, was es zu entscheiden gibt. Aber das künstlerische Output muss zu dem Aufwand passen, den wir betrieben haben.“

