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Wallraf-Schau„Bon Voyage, Signac!“Kuratorin über Ausstellungen in Corona-Zeiten

3 min

Köln – Paul Signac (1863 – 1935) sitzt auf gepackten Koffern. Zuerst sollte er mit der Wallraf-Ausstellung „Bon Voyage, Signac!“ am 5. Oktober in See stechen, dann am 5. März und schließlich am 16. April. Corona sorgte stets für die Stornierung des überwiegend maritimen Trips. Für Kuratorin Barbara Schaefer ist das zunächst ein mentales Problem: „Man gibt ja immer kurz vor der Eröffnung einer Ausstellung Vollgas und wird dann abrupt abgebremst.“

Dass das Haus über die Fondation Corboud selbst ein imposantes Konvolut von Spätimpressionisten besitzt, lindert freilich den logistischen Druck. Unter den 76 Exponaten sind nur neun allerdings sehr renommierte Leihgaben. „Und in diesen Zeiten spürt man eine große Solidarität unter den Museen. Auch wir verlängern die Leihfristen, wenn andere Häuser schließen mussten und erfahren das jetzt umgekehrt selbst.“ Bis zum neuen Enddatum am 22. August hat man die zugesagten Bilder sicher, „und ich könnte mir vorstellen, dass die Leihgeber auch noch einmal etwas Zeit dranhängen würden“.

Barbara Schaefer

Ausgangspunkt der Schau war der Glücksfall einer neuen Leihgabe der Stiftung Kunst in Landesbesitz NRW, Signacs „Konstantinopel: Yeni Djami“ aus dem Portigon-Konvolut.

Dass es sic hier um die Bosporus-Metropole handelt, konnte man anfangs nur ahnen, so stark war das Bild verschmutzt. „Unsere Restaurierung, maßgeblich von Caroline von St. George, hat das zum Glück ungefirniste Werk Pinselstrich für Pinselstrich gereinigt. Wir haben mitgefiebert, und nun erstrahlt es in neuem Glanz. Tatsächlich ist das subtile Farbspiel zwischen Türkis und Rosa, sowie die aus dem Sommerdunst auftauchende Silhouette mit den Kuppeln und Minaretten erst jetzt wieder zu sehen.

„Statt dieses Gemälde nun stillschweigend in die Sammlung zu hängen, haben wir eine Geschichte darum herumgestrickt.“ 2015 hatte man eine Seine-Reise mit den die Impressionisten inszeniert, nun holt man deutlich weiter aus: Von Paris geht es über Normandie und Bretagne nach La Rochelle, sodann durch die Provence bis zur Côte d’Azur, um nach Stippvisiten auf Korsika und in Venedig schließlich am Bosporus in Konstantinopel (heute Istanbul) zu enden.

Viel mehr als „Pünktchenmalerei“

Landkarten spiegeln den Reiseverlauf, „während sich die Lichtstimmung deutlich verändert, je weiter die Maler in den Süden kommen“. Zwar zählen auch Cézanne, Bonnard, Courbet und Van Gogh zur illustren Reisegruppe, aber Signac ist der Protagonist. „Da fasziniert mich auch sein Leben, er war gewissermaßen Nachfolger von George Seurat als Haupt der Neoimpressionisten, stand mit den Intellektuellezirkeln in Kontakt und galt als rigoroser Pazifist.“

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Und künstlerisch? „Natürlich ist dieser Stil auch für das Publikum zugänglicher als etwa mittelalterliche Kunst.“ Dennoch sei es interessant, hier auch wissenschaftlich in die Tiefe zu gehen. „Man spricht ja manchmal etwas abwertend von Pünktchenmalerei, aber vor einem Glanzstück wie dem Saint-Tropez-Bild aus der Potsdamer Sammlung Hasso Plattner sieht man, welche ungeheuren Facetten dieser Stil bei Signac birgt.“ Neben diesem Meisterwerk schätzt sie besonders die Marseille-Ansicht aus dem Metropolitan Museum New York („zum Niederknien!“), „außerdem bin ich ein Fan von unserem Signac „Capo di Noli“ und von Claude Monets Gemälde „Fischerboote am Strand von Etretat“.

Würde sie sich denn von den Museen lautstärkere Forderungen nach baldigen Öffnungen wünschen? „Im Moment glaube ich persönlich einfach, dass wir alle an einem Strang ziehen sollten, um die dritte Welle zu brechen. Das ist mir jetzt wichtiger, als eine Woche früher oder später zu öffnen“.