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Zamus-FestivalJapanische Klänge treffen auf europäische

3 min
Naoko Kikuchi

Naoko Kikuchi

Musik des 19. Jahrhunderts aus Japan und Europa war im Rahmen des Zamus-Early-Music-Festivals im Kölner Museum für Ostasiatische Kunst zu hören.

Im Programmheft findet sich ein interessantes Bild des japanischen Malers Tadashi Morya (1912-2003): Links vorne spielt Kiwako Toda, die Frau des ersten japanischen Botschafters im kaiserlichen Österreich, auf dem Koto, einer traditionsreichen Brettzither aus ihrem Heimatland. Am rechten Bildrand ist, auf einem Sessel, ein Mann mit weißem Bart platziert, der angestrengt zuhört und dabei in ein Notenblatt schaut – unverkennbar Johannes Brahms. Das Sujet dieser interkulturellen Begegnung ist keine Fantasie des Künstlers, sondern, wenn man so will, Historienmalerei: Tatsächlich ließ sich der Komponist seinerzeit, aufmerksam geworden durch eine Drucksammlung japanischer Volksmusik, in Wien von Kiwako Toda auf ihrem Instrument vorspielen.

Das fiel nicht von ungefähr in die Zeit der ersten großen Kulturbegegnung zwischen Japan und Westeuropa im Nachgang zu den Weltausstellungen von Paris (1867) und Wien (1873), den Initialzündungen der in vielen Kunstmetiers folgenden Welle des Japonismus. Brahms selbst wurde als Musiker davon noch nicht beeinflusst, wohl aber sein jüngerer französischer Zeitgenosse Debussy. Der benutzte in seiner Tondichtung „Prélude à l´après-midi d´un faune“ die fremden leittonfreien Harmonien und die spezifische schwebende Klanglichkeit japanischer Musik, um sich aus dem gewohnten Idiom der europäischen Romantik produktiv herauszuhebeln.

Das Past-Foward-Ensemble

Das Past-Foward-Ensemble

Der „Faun“ erklang jetzt als Schlussnummer im Konzert des jungen PastForward-Ensembles unter seinem Konzertmeister Shunske Sato – einem Programmteil des diesjährigen Zamus-Festivals „for early music“. Die Aufführung, naheliegend im Kölner Museum für Ostasiatische Kunst, vereinigte unter dem genauso beziehungsreichen Titel „Prélude à l´après-midi au Japon“ Musik des 19. Jahrhunderts aus Japan und Europa. Aus Japan war ein von der Virtuosin Naoko Kikuchi eindrucksvoll vorgestelltes Koto-Stück von Yatsuhashi Kengyo (17. Jahrhundert) zu hören, dem Brahms seinerzeit gelauscht haben mag. Außerdem, gespielt von Kikuchi und Sato, ein 1930 entstandenes „Frühlingsmeer“ von Michio Miagi (1894-1956), ein überzeugender Hybrid aus japanischer Tradition und europäischem Impressionismus.

Europa war, abgesehen von Debussy und Brahms (Poco Allegretto aus der dritten Sinfonie) durch zwei Sätze aus Schuberts früher fünfter Sinfonie vertreten. Letztere hat freilich nicht nur nichts mit Ostasien zu tun, sondern warf auch von der Interpretation her einige Fragen auf. Zum einen wurde der Sound der Kammerformation im Forte leicht hart, gellend und uncharmant – was freilich auch an der insgesamt nicht sonderlich bekömmlichen Akustik im (ob der Umgebung von Innenhof und Adenauer-Weiher) zweifellos stimmungsvollen Foyer des Museums liegen mochte.

Befremdlich waren, zum anderen, die starken Temposchwankungen; die intensiven Dolce-Anmutungen in den leisen Stellen besagen ja nicht, dass diese automatisch langsamer kommen müssen als die Tutti-Einsätze. Hinu kam irritierend eine Spielkultur des ausgeprägten, zum Teil etwas katzenlaut-artigen Portamento. Allerdings verbietet sich diesbezüglich unreflektierte Ablehnung. Gut möglich – Kent Naganos „Wagner-Lesarten“ haben diese Erkenntnis gleichfalls gezeitigt –, dass man zur Schubert-Zeit eben mit starkem Portamento spielte. PastForward als Originalklang-Formation wird da schon zuverlässig Quellenforschung betrieben haben. Den stärksten Eindruck hinterließ trotzdem der Debussy (in dem, wenn schon, denn schon, die Harfe durch den Koto ersetzt worden war): Schwebend, schwellend, flutend ergossen sich die Meditationen des Fauns in den Saal – da entstand eine Aura, der sich so leicht wohl kein Besucher entziehen konnte.

Zu hundert Prozent ostasiatisch – koreanisch in diesem Fall – war es in „Utopie des Augenblicks“ zugegangen, dem ersten Konzert des Zamus-Abends im Ostasiatischen. Auch das vierköpfige Berliner (!) GaMuAk-Ensemble (durchweg wohl mit Koreanerinnen besetzt) überließ sich im Miteinander von Tanz, Gesang und Perkussion (die zum Teil kräftig was auf die Ohren gab) einer Trance aus Rhythmus, Körper und Klang, die unmittelbar auf den Hörer überzuspringen geeignet war. Sechs „Stücke“ waren im Programmheft ausgewiesen, aber der mutmaßlich hohe Improvisationsanteil lässt den europäischen „Werk“-Begriff eigentümlich unpassend erscheinen und man tauchte tatsächlich in eine ganz andere Welt ein.