Moskau bekommt die Folgen seines Angriffskriegs gegen die Ukraine immer heftiger selbst zu spüren – und die Wut der eigenen Bevölkerung.
„Moskau wird fallen“Angriffserie geht weiter – Wut in Russland, Häme aus der Ukraine

Ein Screenshot aus einem in den sozialen Netzwerken kursierenden Video soll eine Rauchsäule über Wolgograd zeigen.
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Ukrainische Drohnen haben in der russischen Millionenstadt Wolgograd ein weiteres Lagerhaus des Online-Händlers Wildberries und eine Ölraffinerie in Brand gesetzt. Gouverneur Andrej Botscharow bestätigte die Einschläge und schrieb auf dem Telegram-Kanal der Gebietsverwaltung von fünf Verletzten durch die Angriffe. Von russischen Telegram-Kanälen veröffentlichte Videos zeigten große Brände und dichten Rauch über der Stadt.
Dutzende Raffinerien und Öldepots wurden bereits angegriffen
Neben den Industrieobjekten seien in der Stadt, die früher Stalingrad hieß, auch ein Wohnblock und ein privates Wohnhaus beschädigt worden, schrieb er. Später teilten die Behörden mit, dass wegen der Größe des Feuers zusätzliche Einheiten zu den Löscharbeiten ausgerückt seien. Auch Wildberries selbst bestätigte den Treffer in seinem Lagerhaus.
Seit rund viereinhalb Jahren führt Russland Krieg in der Ukraine. Das angegriffene Land wehrt sich gegen die Invasion zuletzt verstärkt mit Drohnenattacken, die den Krieg zurück in das Land des Aggressors tragen. Seit Monaten steht dabei besonders die russische Ölindustrie im Visier des ukrainischen Militärs: Dutzende Raffinerien und Öldepots wurden bereits angegriffen. Damit will Kiew den russischen Truppen die Treibstoffversorgung und dem Kreml die Kriegsfinanzierung erschweren.
Ukraine lässt Wildberries-Lagerhäuser in Flammen aufgehen
Seit zwei Wochen greift die Ukraine zudem regelmäßig Lagerhäuser des größten russischen Online-Händlers Wildberries an. Inzwischen sind elf Standorte des als „Russlands Amazon“ bekannten Unternehmens vollständig oder teilweise in Flammen aufgegangen. Die Ukraine begründet den Beschuss damit, dass auf der Plattform auch militärische Güter für russische Soldaten an der Front gehandelt würden.
Auch aus der Region Tatarstan wurden am Freitagmorgen (31. Juli) Explosionen gemeldet. Der russische Telegram-Kanal Astra berichtete, über einem Wildberries-Logistikzentrum in Zelenodolsk steige Rauch auf. Eine Bestätigung für einen ukrainischen Angriff gab es zunächst weder von dem Unternehmen noch von örtlichen Behörden. Laut der „Kyiv Post“ befinden sich auch Ölanlagen in der Region; Bewohner hätten in sozialen Netzwerken von mehr als 30 Explosionen berichtet.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj berichtete derweil von insgesamt drei Angriffen gegen Wildberries. „Insbesondere wurden heute Maßnahmen gegen drei Logistikzentren in verschiedenen Regionen der Russischen Föderation ergriffen – in Sarapul, Kasan und Wolgograd, die in Entfernungen von etwa 500 bis fast 1300 Kilometern liegen“, schrieb Selenskyj auf der Plattform X.
Freude in der Ukraine: „Moskau wird fallen“
In der Ukraine herrschte unterdessen offene Freude über die offenbar erfolgreichen Angriffe. Die oftmals bei Drohnenangriffen federführende 414. Brigade für unbemannte Systeme, die wegen des Kampfnamens ihres Anführers Robert Brovdi („Magyar“) auch als „Magyars Vögel“ bekannt ist, scherzte über eine „Missernte an Wildbeeren“.

Ein Screenshot aus einem Video soll ein brennendes Wildberries-Lagerhaus in Russland zeigen. (Archivbild)
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Damit dürften die Ukrainer auf die Zerstörung zahlreicher Wildberries-Lagerhäuser in Russland anspielen. „Wir werden standhalten“, kündigten die Drohnentruppen in den sozialen Netzwerken zudem an. „Moskau wird fallen und die Krim wird aufgerichtet und wieder aufgebaut“, hieß es weiter.
Wut und Kraftausdrücke in Russland: „Leute, das ist komplett beschissen“
In Russland herrscht in der Bevölkerung unterdessen weiterhin Unverständnis über die zahlreichen erfolgreichen ukrainischen Attacken. Immer wieder beklagen Russinnen und Russen in den sozialen Netzwerken, dass es keinerlei Luftverteidigung gegeben habe.
Am Freitag kursierte etwa ein Video, auf dem ein junger Russe wütende Worte angesichts der Drohnenangriffe findet. „Leute, das ist komplett beschissen. Entschuldigt die Kraftausdrücke“, erklärt der Mann und berichtet dann von „herumfliegenden Vögeln“, womit ukrainische Drohnen gemeint sein dürften.
Moskau rüstet sich: Karten mit Luftschutzbunkern veröffentlicht
In Russland rüstet man sich unterdessen offenbar für weitere ukrainische Großangriffe – auch auf die Hauptstadtregion Moskau. Am Donnerstag veröffentlichten russische Behörden erstmals Karten, auf denen Standorte von Luftschutzbunkern verzeichnet sind. Das Register umfasst Keller von Wohnhäusern, Tiefgaragen, Postämter und andere verstärkte unterirdische Anlagen, die dem Schutz der Zivilbevölkerung dienen.
Der Kreml hat unterdessen seinen Kriegskurs in dieser Woche mehrfach bekräftigt. Zunächst betonte Machthaber Wladimir Putin, dass Moskau Anspruch auf die gesamte östliche Ukraine erhebt, und prophezeite dem Nachbarland den vollständigen Zerfall.
Außenminister Sergej Lawrow ließ drastische Worte folgen – und schwor die Russen auf eine Fortführung des Krieges ein. Eine andere Option als einen Sieg über die Ukraine könne es für Russland nicht geben, erklärte Lawrow, „wenn wir unsere russische Zivilisation bewahren wollen“. (mit dpa)
