Abo

Nach Eklat in BonnAfghanisches Konsulat sucht unbezahlte Praktikanten

2 min
Afghanisches Konsulat in Bonn

Praktikum zu vergeben: Beim afghanischen Generalkonsulat können sich Studierende, Absolventen und Interessierte bewerben. Auch nach der Machtübernahme der Taliban hing dort noch die alte afghanische Flagge und nicht das Banner der Islamisten. (Archivbild)

Das afghanische Konsulat in Bonn sorgt für Verwunderung: Trotz vakantem Chefposten werden nun Praktikanten gesucht.

Die diplomatische Vertretung Afghanistans in Bonn benötigt Nachwuchskräfte, obwohl der Chefposten vakant bleibt. Eine Stellenanzeige sorgt nach einem Vorfall im Herbst für Verwunderung.

Obwohl die Position des Generalkonsuls unbesetzt ist, hat die afghanische Vertretung in Bonn mit der Suche nach Praktikanten begonnen. Dies wurde auf der Internetpräsenz des Konsulats bekannt gegeben, nachdem diverse Medien bereits darüber berichtet hatten.

Ein Vorfall bezüglich des Personals der diplomatischen Vertretung in Bonn sorgte im zurückliegenden Herbst für Aufsehen. Die deutsche Regierung gestattete nach der Machtübernahme durch die Islamisten in Afghanistan zwei vermeintlichen Taliban-Diplomaten die Einreise. Für einen von ihnen war eine Tätigkeit in Bonn vorgesehen. Inzwischen ist der frühere Generalkonsul, Hamid Nangialay Kabiri, nicht mehr tätig; die Mitarbeiter hatten ihre Tätigkeit aus Protest eingestellt.

Diplomatischer Status: Chefposten des Konsulats bleibt vakant

Eine offizielle Anerkennung der in Afghanistan herrschenden Taliban durch die Bundesrepublik Deutschland besteht nicht. Trotzdem fanden kürzlich Unterredungen auf Arbeitsebene mit Repräsentanten der Islamisten statt. Ziel war es unter anderem, die Rückführung von Straftätern nach Afghanistan zu vereinfachen.

Hierzu verlautet aus dem Auswärtigen Amt, ein Beamter, der seinerzeit eingereist war, sei als „Konsul“ bei der afghanischen Vertretung in Bonn akkreditiert. Diese Funktion sei aber nicht identisch mit dem Posten des Generalkonsuls, welcher für die Führung des Konsulats zuständig ist. Laut den Informationen ist diese Stelle nach wie vor vakant.

Eine Stellungnahme zur gegenwärtigen Ausschreibung lehnte das Auswärtige Amt auf Nachfrage vorerst ab. Ebenso war die afghanische Vertretung in Bonn für eine Auskunft bislang nicht erreichbar.

Ausschreibung richtet sich an Studierende ohne Vergütung

Gemäß der Stellenausschreibung richtet sich das Angebot an Studierende, Akademiker und weitere Personen, die den Wunsch haben, „praktische und berufliche Erfahrung in einer diplomatischen Vertretung“ zu erlangen. Die Tätigkeit, die in Sparten wie Passwesen, Informationstechnologie oder auch Public Relations absolviert werden kann, ist laut den Angaben unentgeltlich.

Die Bewerbung steht Personen ungeachtet ihrer Staatsangehörigkeit offen, vorausgesetzt, sie besitzen eine gültige deutsche Aufenthaltserlaubnis. Ein Wohnsitz in der Nähe sowie Kenntnisse in Englisch oder den in Afghanistan verbreiteten Sprachen Dari und Paschtu werden als vorteilhaft erachtet.

Gleichstellung: Weibliche Bewerber explizit erwähnt

Die Stellenausschreibung adressiert ausdrücklich auch „Bewerberinnen“, und auf dem zugehörigen Portal kann ein weibliches oder diverses Geschlecht ausgewählt werden. In Deutschland ist die Sicherstellung von Chancengleichheit bei Stellenausschreibungen jedoch eine gesetzliche Vorschrift.

Diese Formulierung bildet einen starken Gegensatz zur Situation in Afghanistan. Dort erfahren Frauen und Mädchen seit der Machtübernahme durch die Taliban 2021 eine systematische Unterdrückung. Der Zutritt zu universitärer Bildung sowie zu zahlreichen Berufsfeldern bleibt ihnen verwehrt. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.