- Am Sonntag begann im Vatikan eine einzigartige Konferenz, die das Antlitz der katholischen Kirche auf lange Sicht verändern könnte.
- Mittendrin ist Papst Franziskus, der als eher liberal gilt und Veränderungen vorantreiben möchte.
- Es ist das erste Mal, dass er dafür das Instrument der Synode wählt. Das sind die Gründe, warum er darauf setzt.
Vatikan – Papst Franziskus ist ein Schlitzohr. Viele Katholiken und auch Nicht-Gläubige liegen ihm wegen seiner einnehmenden Art zu Füßen. Als moralische Instanz wird der Argentinier wahrgenommen. Das ist vor allem seinem Engagement für Umweltschutz und für soziale Veränderungen geschuldet.
Helden entsprechen vor allem dem Bedürfnis derjenigen, die heroische Figuren aus ihnen machen. Natürlich ist auch Franziskus in erster Linie ein Mensch, mit ebenso zahlreichen wie menschlichen Mängeln. Diese werden erwartungsgemäß vor allem von seinen Kritikern hervorgehoben, von denen nicht wenige im Vatikan sitzen. Keine gute Figur machte der Papst zum Beispiel im Missbrauchsskandal.
Die Gefahr einer Kirchenspaltung ist zu groß
An diesem Samstag ernannte Franziskus 13 neue Kardinäle und nimmt damit implizit auf die Wahl seines Nachfolgers Einfluss. Am Sonntag begann dann mit der Amazonien-Synode ein weiteres katholisches Großereignis, auf dem nicht nur über Ausbeutung, integrale Ökologie, sondern vor allem auch über Kirchenthemen wie den Zölibat oder die stärkere Beteiligung von Frauen und Laien am katholischen Leben debattiert wird.
Der Papst ist, was diese Themen angeht, eher liberal eingestellt. Er kann Veränderungen während seines seit nunmehr sechs Jahren währenden Pontifikats aber nicht über das Knie brechen. Die Gefahr einer Kirchenspaltung wäre zu groß.
Früher blieb nach den Diskussionen alles wie gehabt
Franziskus wählt deshalb erneut das Instrument der Synode, um Veränderungen auf den Weg zu bringen. Das war schon bei der Thematik der Zulassung der wiederverheirateten Geschiedenen zu den Sakramenten der Fall. Erst wurden die Menschen vor Ort befragt, die naturgemäß andere Bedürfnisse als die katholische Hierarchie haben. Jetzt sollen die Bischöfe über diese Bedürfnisse debattieren und dem Papst unverbindliche Vorschläge machen. Franziskus erlässt dann irgendwann nach der Konferenz allgemeingültige Beschlüsse.
Früher durften die Bischöfe diskutieren, dann blieb alles wie gehabt. Dieser Papst hingegen treibt seine Herde an, damit diese ihm dann die Entscheidungen leichter macht. In Rom ist von der „Methode Franziskus“ die Rede. Es ist die Methode eines Schlitzohrs.
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