Erneut Explosionen im Iran, Gegenangriffe auf US-Basen im Golf: Der Streit zwischen Washington und Teheran um die Straße von Hormus lässt die Waffenruhe wackeln. Was wird aus den Verhandlungen?
Angriffe und VergeltungsschlägeKrieg zwischen USA und Iran eskaliert weiter

US-Präsident Trump droht dem Iran weitere Angriffe an.
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Die USA haben im Streit mit dem Iran um die Straße von Hormus in zweiter Nacht in Folge Ziele in der Islamischen Republik bombardiert. Es seien entlang der iranischen Küste rund 90 militärische Ziele, darunter Luftabwehrsysteme, Küstenüberwachungsanlagen sowie Raketen- und Drohnenlager getroffen worden, teilte das US-Militär mit. Irans Revolutionsgarden - die Elitestreitmacht des Landes - griffen nach eigenen Angaben im Gegenzug erneut US-Stützpunkte in den beiden mit Washington verbündeten Golfstaaten Kuwait und Bahrain an.
US-Präsident Donald Trump drohte dem Iran noch heftigere Angriffe an. Die Attacken des US-Militärs seien Vergeltungsmaßnahmen für vom Iran beschossene Schiffe, teilte Trump auf seiner Plattform Truth Social mit. „Sollte sich so etwas wiederholen, wird es noch viel schlimmer kommen!“ Das zuständige US-Regionalkommando Centcom teilte unterdessen in den frühen Morgenstunden mit, dass die neue Angriffswelle abgeschlossen sei.
Iran warnt: Wortbruch wird nicht mehr folgenlos bleiben
Irans Verhandlungsführer Mohammed Bagher Ghalibaf schrieb am frühen Morgen auf der Plattform X: „Amerika hat noch immer nicht begriffen, dass Einschüchterung und Wortbruch nicht mehr folgenlos bleiben. Um es ganz deutlich zu sagen: Wenn ihr zuschlagt, werdet ihr selbst getroffen.“
Laut dem regierungstreuen Sender Press TV forderte Teheran den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen nach den erneuten „großangelegten“ US-Angriffen zu sofortigem Handeln auf und warnte Washington vor den Konsequenzen.
Erneut Explosionen im Iran
Iranische Medien berichteten in der Nacht von Explosionen in mehreren Gebieten entlang der Küste des Landes. Unter anderem habe es Detonationen im Bereich der Großstadt Bandar Abbas, der Hafenstadt Buschehr und der Insel Abu Musa im Persischen Golf gegeben. Laut der staatlichen Nachrichtenagentur Irna wurden auch Gebäude am Flughafen der Stadt Iranschahr beschädigt. Zudem sei eine Eisenbahnbrücke in der nordöstlichen Provinz Golestan getroffen worden, meldete der Staatssender Irib. Laut Press TV war es der erste US-Angriff in der Region seit dem Beginn der Waffenruhe im April. Laut den Revolutionsgarden wurde noch eine weitere Brücke getroffen.
Der Golfstaat Kuwait geriet daraufhin in der zweiten Nacht in Folge unter Beschuss. Die Luftabwehr wehre Raketen- und Drohnenangriffe ab, teilte die Armee mit. Details gab es zunächst nicht. Auch in Bahrain heulten wie in der Nacht zuvor die Alarmsirenen. Beide Länder beherbergen US-Militärbasen, die nur wenige Hundert Kilometer vom Iran entfernt liegen.

Der Iran pocht auf die Kontrolle über die Straße von Hormus. (Archivbild)
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Streit um Straße von Hormus eskaliert
Das US-Institut für Kriegsstudien (ISW) schrieb in einer Lage-Analyse, der Iran sei bereit, sich auf einen umfassenden Konflikt mit den USA einzulassen, sollte dies zur Sicherung seiner Kontrolle über die Straße von Hormus nötig sein. Laut Experten ist die für den globalen Handel mit Öl, Gas und Dünger wichtige Meerenge Irans stärkstes wirtschaftliches und militärisches Druckmittel.
Die Wiederöffnung der Straße von Hormus ist ein zentrales Element des Rahmenabkommens, auf das sich Washington und Teheran Mitte Juni verständigt hatten. Doch der entsprechende Passus in dem Abkommen enthält Formulierungen, die Interpretationsspielraum lassen. Der Iran pocht darauf, laut Abkommen allein verantwortlich für die Verwaltung der Meerenge zu sein.
Bericht: Angriffe könnten noch länger dauern
Nach Informationen des US-Nachrichtenportals „Axios“ bereitet sich das Weiße Haus auf eine mögliche mehrtägige oder sogar mehrwöchige militärische Auseinandersetzung mit dem Iran in der Meerenge vor. Die Dauer und die Intensität der neuen Angriffe hingen von den nächsten Schritten Teherans ab, hieß es unter Berufung auf US-Regierungsbeamte. Sie könnten ein oder zwei Tage, eine Woche oder einen Monat andauern, je nachdem ob der Iran seine Angriffe auf Handelsschiffe in der Straße von Hormus fortsetze, hieß es.
Nach Trumps Darstellung wollen die Iraner aber weiterhin ein Friedensabkommen. „Sie haben vor kurzem angerufen, sie wollen unbedingt ein Abkommen abschließen“, behauptete er auf dem Rückflug vom Nato-Gipfel nach Washington. Er sei sich aber nicht sicher, ob sie eines Abkommens würdig seien oder sich an eines halten würden, sagte Trump. Auf die Frage einer Journalistin, warum Irans Führung Handelsschiffe angreife, wenn sie doch an einem Abkommen interessiert sei, sagte er: „Weil ... sie etwas verrückt sind.“
Trump über Irans Führung: „Sie sind Abschaum“
Bereits in der Nacht zum Mittwoch hatte das US-Militär nach eigenen Angaben mehr als 80 Ziele im Iran attackiert. Trump stellte daraufhin am Rande des Nato-Gipfels in Ankara die Waffenruhe offen infrage und äußerte Zweifel an einer Fortsetzung der Verhandlungen mit Teheran. „Ich denke, es ist vorbei. Ich will nichts mehr mit ihnen zu tun haben. Sie sind Abschaum“, sagte er. Irans Außenminister Abbas Araghtschi schrieb auf X: „Wir begegnen Obszönitäten nicht mit Obszönitäten, sondern mit Taten: furchtlos und mit großem Mut“.
Die erneute Eskalation erfolgte während der Trauerfeiern für Irans Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Chamenei. Mehr als vier Monate nach seiner Tötung durch einen israelischen Luftangriff soll er heute im Imam-Resa-Heiligtum seiner Heimatstadt Maschhad - dem wichtigsten Zentrum des schiitischen Islams im Iran - unter Ausschluss der Öffentlichkeit beerdigt werden. Nach seiner Tötung hatten die USA und Israel mehr als fünf Wochen Krieg gegen den Iran geführt, bis im April eine Waffenruhe vereinbart wurde.
Iran will erst verhandeln, wenn Drohungen aufhören
Laut Irans Außenminister Araghtschi wird es keine Verhandlungen über ein endgültiges Abkommen zur Beendigung des Krieges geben, solange Drohungen andauerten. Der Vermittlerstaat Pakistan hatte nach den US-Angriffen in der Nacht zum Mittwoch beide Konfliktparteien zu Zurückhaltung aufgerufen.
Man fordere alle Seiten auf, ihren Verpflichtungen aus dem Rahmenabkommen nachzukommen, hieß es. Darin war vereinbart worden, innerhalb von 60 Tagen einen endgültigen Deal auszuhandeln. Nach den jüngsten Kämpfen ist jedoch unklar, ob dieser Zeitplan noch Bestand hat. Streitpunkte sind weiterhin das iranische Atomprogramm, die Sicherheit der Schifffahrt in der Straße von Hormus sowie Irans Unterstützung für militante Gruppen in der Region.
Gut informierte Kreise in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad hatten am Mittwoch Sorgen zurückgewiesen, die jüngste Eskalation könne den Verhandlungsprozess gefährden. Eine nächste Runde wäre demnach wieder in Pakistan möglich. Auch die katarische Hauptstadt Doha sei im Gespräch. (dpa)
