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Anhörung zu VerbotsverfahrenAussage von Hape Kerkeling erzürnt AfD – Lob für „hervorragende Rede“ aus Köln

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Der Entertainer Hape Kerkeling sitzt während einer mündlichen Anhörung zu einem Parteiverbotsverfahren gegen die AfD auf Bundesebene im Plenarsaal des Thüringer Landtags. (Archivbild)

Der Entertainer Hape Kerkeling sitzt während einer mündlichen Anhörung zu einem Parteiverbotsverfahren gegen die AfD auf Bundesebene im Plenarsaal des Thüringer Landtags. (Archivbild)

Hape Kerkeling positioniert sich klar zu einem möglichen AfD‑Verbotsverfahren. Eine Aussage stößt der AfD besonders auf.

Der Entertainer und Autor Hape Kerkeling hat sich für ein Parteienverbotsverfahren gegen die AfD ausgesprochen – und damit den Zorn der in Teilen rechtsextremen Partei auf sich gezogen. „Allein ihre beschönigende Haltung gegenüber der NS-Diktatur macht sie in meinen Augen verfassungswidrig“, sagte Kerkeling am Mittwoch (30. September) bei einer Anhörung im Thüringer Landtag zu einem möglichen AfD-Verbotsverfahren.

Wer Menschen gezielt verängstige, ob mit Behinderung, anderem Glauben, anderer Hautfarbe, queer oder transgender, verletze die unantastbare Würde eines jeden Menschen, führte der Entertainer aus. Er habe große Hoffnung, dass das Bundesverfassungsgericht – sollte es zu einem Verfahren kommen – der AfD keinen „Persilschein“ ausstellen werde.

Hape Kerkeling: „Wir dulden keinen Faschismus in Deutschland“

„Angst, Lügen und Hass waren die Zutaten der nationalsozialistischen Ideologie. Und sie sind es heute für die Marschrichtung dieser rechtsextremen Partei“, sagte Kerkeling weiter. „Eine Partei, die ihre Existenz aus der Schürung von Hass gegen Minderheiten speist, hat in unserem Land mit seiner grauenvollen Geschichte keinen Platz.“ Kerkeling sagte, er spreche als Nachfahre eines Opfers des Nationalsozialismus. Sein Großvater war als politischer Häftling im Thüringer KZ Buchenwald bei Weimar inhaftiert.

Der Plenarsaal des Thüringer Landtags während einer mündlichen Anhörung zu einem Parteiverbotsverfahren gegen die AfD auf Bundesebene mit Schauspieler Hape Kerkeling (Mitte, l).

Der Plenarsaal des Thüringer Landtags während einer mündlichen Anhörung zu einem Parteiverbotsverfahren gegen die AfD auf Bundesebene mit Schauspieler Hape Kerkeling (Mitte, l).

„Das Versprechen unseres Staates lautet: Wir dulden keinen Faschismus in Deutschland und wir dulden auch nicht dessen Beginn“, führte Kerkeling aus. „Unser Grundgesetz ist nicht das Produkt von Deutschtümelei, sondern das Vermächtnis und die zum Gesetz gereifte Erinnerung an die Gräueltaten der Nationalsozialisten.“

Wer nicht verantwortungsvoll mit der Geschichte umgehe, dürfe niemals Verantwortung für die Zukunft Deutschlands übernehmen, betonte der Entertainer. „Die Verharmlosung des Dritten Reiches disqualifiziert für Staatsämter.“ Ähnlich hatte sich Kerkeling bereits im April beim Gedenken zur Befreiung des KZ Buchenwald geäußert.

Erste derartige Anhörung in einem deutschen Parlament

Kerkeling appellierte zudem an die Abgeordneten, den Einfluss der Landesregierung im Bundesrat zu nutzen, um das Verfahren endlich anzustoßen. „Ausgerechnet von hier, aus dem Land, in dem die Geschichte ihre bittersten Lehren erteilt hat, muss dieses Signal kommen.“ Kerkeling sprach auf Einladung der Linken-Fraktion, die die Anhörung beantragt hatte. Es war die erste derartige Anhörung in einem deutschen Parlament.

Thüringens AfD-Fraktionsvize Daniel Haseloff reagierte am Donnerstag mit scharfer Kritik auf eine Aussage Kerkelings. „Mir tut natürlich die Geschichte des Herrn Kerkeling ein Stück weit leid und ich verstehe auch seine Emotion, aber das mit uns in Verbindung zu bringen, ist natürlich ein harter Vorwurf, ein harter Angriff“, sagte Haseloff in Erfurt. Der 38-Jährige bezeichnete einen Satz in Kerkelings Anhörung mit einer Anspielung auf einen Wahlkampfslogan des AfD-Politikers Ulrich Siegmund als „skandalöse Aussage“.

AfD kritisiert Buchenwald-Aussage von Hape Kerkeling

Kerkeling hatte im Frageteil seiner Anhörung gesagt: „Menschen, die mit dem Wahlslogan kommen: ‚Alles ist möglich‘ – bei einem Autohersteller verstehe ich das. Da geht es dann um Geschwindigkeitssteigerung, mehr Sitzplätze im Auto. Aber eine politische Partei, bei der alles möglich ist und die das zu ihrem Wahlslogan macht, bei denen ist unter Umständen auch Buchenwald möglich.“

Kritik gab es an diesen Worten auch von weiteren AfD‑Politikern. Kerkeling habe „augenscheinlich den Verstand verloren“, schrieb etwa Petr Bystron auf der Plattform X zu einem Video von Kerkelings Aussagen. „Dann sollte man auch noch Dieter Hallervorden, Dieter Nuhr, Harald Schmidt und Lisa Eckhart zu Rate ziehen“, hieß es derweil bei Beatrix von Storch. Kerkeling zu befragen, sei „lächerlich“, fügte die AfD-Politikerin hinzu. 

Lob für Hape Kerkeling: „Volle Zustimmung“

Lob für Kerkelings Auftritt gab es unterdessen aus Köln: „Eine hervorragende Rede“, kommentierte der SPD-Politiker Karl Lauterbach auf der Plattform X. „Wer die Vergangenheit unseres Landes leugnet, disqualifiziert sich für jedes demokratische Amt“, fügte er hinzu. Auch die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt äußerte sich in dem sozialen Netzwerk. „Danke, Hape, für deine Worte“, schrieb sie. „Volle Zustimmung.“ 

Sachsen-Anhalts AfD-Spitzenkandidat Siegmund hatte im Landtagswahlkampf in seinem Bundesland mit dem Spruch „Alles ist möglich“ für seine Partei geworben. Die AfD wurde in Sachsen-Anhalt bei der Wahl stärkste Kraft und will in Magdeburg eine Regierung bilden. Der dortige AfD-Landesverband sowie die Thüringer AfD mit ihrem Landespartei- und Fraktionschef Björn Höcke werden jeweils vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft und beobachtet. (das/dpa/kna)