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Bericht aus AfghanistanTaliban sollen Frauen ohne Ganzkörperschleier festnehmen

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Afghanische Frauen in Tschadoren gehen am 8. Juni 2026 nahe der Großen Moschee in Herat eine Straße entlang.

Afghanische Frauen in Tschadoren gehen am 8. Juni 2026 nahe der Großen Moschee in Herat eine Straße entlang.

Frauen verschwinden nach Kontrollen von den Straßen Herats. Was Zeugen aus Afghanistan berichten, erzeugt Besorgnis.

In Afghanistan sind mehrere Frauen von der Sittenpolizei der radikalislamischen Taliban festgenommen worden, weil sie sich angeblich nicht an die Kleidervorschriften gehalten haben. Die UN-Mission in Afghanistan (Unama) zeigte sich am Sonntag besorgt angesichts „mehrerer Festnahmen und Inhaftierungen“ von Frauen in der westlichen Stadt Herat wegen „angeblicher Nichteinhaltung der Kleiderordnung“.

Zeugen, die aus Sicherheitsgründen anonym bleiben wollten, berichteten der Nachrichtenagentur AFP, dass am Samstag Frauen festgenommen worden seien, weil sie keine Ganzkörperschleier wie den Tschador oder die Burka trugen.

Frauen wurden in Transporter gesetzt und abgeführt

Sie habe gesehen, wie zwei Mitarbeiter des Ministeriums für die Verbreitung der Tugend und die Verhinderung des Lasters (PVPV) – von denen einer eine Peitsche bei sich hatte – „zwei Frauen, die keinen Tschador trugen, in ein Fahrzeug setzten“, sagte eine 23-jährige Frau.

Die Festgenommenen hätten ein muslimisches Kopftuch getragen. „Alle haben Angst“, fügte sie hinzu. Eine andere Frau teilte mit, sie habe gesehen, wie Beamte des Ministeriums Autos anhielten und die Kleidung der Insassen prüften. Dabei seien mehrere Frauen in Transporter gesetzt worden.

Taxifahrer sollen keine Frauen ohne Tschador mehr befördern

Das Ministerium äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht zu den Festnahmen. Es gebe „nichts Ungewöhnliches“ in Herat, teilte die Pressestelle mit. Die Kleiderordnung sei „ein göttliches Gebot und ein geltendes Gesetz, und wir sind verpflichtet, sie durchzusetzen“, erklärte das Ministerium.

Ein AFP-Journalist berichtete, dass sich wegen der Festnahmen viele Frauen nicht mehr auf die Straße wagen. Ein 20-jähriger Taxifahrer sagte, man sehe keine Frauen mehr in der Stadt. Taxifahrer seien angehalten worden, „keine Frauen ohne Tschador mehr zu befördern“, sagte er.

Deutschland schiebt nach Afghanistan ab

Die Taliban sind in Afghanistan seit 2021 wieder an der Macht. Die Islamisten hatten zunächst angekündigt, liberaler zu regieren als während ihrer Herrschaft zwischen 1996 und 2001. Schnell wurden die Rechte von Frauen und Mädchen aber wieder drastisch eingeschränkt. Der Zugang zu weiterführenden Schulen wurde untersagt, Arbeitsmöglichkeiten wurden stark begrenzt. Frauen müssen sich zudem in der Öffentlichkeit vollständig verhüllen.

Anfang des Jahres sorgte darüber hinaus ein Erlass der Taliban-Regierung für internationale Kritik: Nach Angaben von UN Women hebt das sogenannte Dekret Nummer 12 die Gleichstellung von Männern und Frauen vor dem Gesetz formell auf. Trotzdem gibt es Abschiebungen nach Afghanistan – sowohl Einzelabschiebungen per Linienflug als auch Sammelcharter. (afp/red)