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Bericht über drei ForderungenTrump-Regierung sorgt für neuen Alarm auf Grönland

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US-Präsident Donald Trump. (Archivbild)

US-Präsident Donald Trump. (Archivbild)

Die „New York Times“ berichtet über geheime Gespräche über die Zukunft Grönlands – und neue Forderungen der USA.

Während die Welt auf den Konflikt mit Iran schaut, laufen seit Monaten vertrauliche Gespräche über die Zukunft Grönlands. Seit Januar verhandeln Unterhändler aus den USA, Grönland und Dänemark – das für Grönlands Außenpolitik zuständig ist – in Washington hinter verschlossenen Türen. Das berichtet nun die „New York Times“ unter Berufung auf Regierungsvertreter aus allen drei Ländern.

Die Gespräche sollen US-Präsident Donald Trump demnach einen Ausweg aus seinen früheren Drohungen einer militärischen Übernahme Grönlands bieten. Doch grönländische Politiker sind alarmiert – denn die amerikanischen Forderungen gehen offenbar weit über das Militärische hinaus und bedrohen nach ihrer Einschätzung die Souveränität der Insel mit ihren 57.000 Einwohnern. Konkret geht es offenbar um drei Punkte.

Grönland: Drei zentrale Trump-Forderungen

1. Dauerhafter Militärstützpunkt: Washington will die bestehende Verteidigungsvereinbarung von 1951 so anpassen, dass US-Truppen auf Grönland stationiert bleiben können – selbst im Fall einer grönländischen Unabhängigkeit. Das entspricht einer Art „Ewigkeitsklausel“, die Grönland auf Generationen binden würde. Das Pentagon schreitet dabei dem Bericht zufolge bereits zur Tat: Ein US-Marineoffizier wurde zuletzt in die Südgrönland-Stadt Narsarsuaq entsandt, um einen Flughafen aus dem Zweiten Weltkrieg, den Hafen und mögliche Kasernenstandorte zu inspizieren.

Menschen schwenken in der Hauptstadt Nuuk die grönländische Flagge. (Archivbild)

Menschen schwenken in der Hauptstadt Nuuk die grönländische Flagge. (Archivbild)

2. Vetorecht bei Investitionen: Die USA fordern ein effektives Vetorecht gegenüber größeren Investitionsvorhaben auf der Insel – um Russland und China auszusperren. Kopenhagen und Nuuk lehnen das als Verletzung der grönländischen Souveränität indes ab. Zur Debatte steht nun angeblich ein Kompromiss: Dänemark übernimmt die Prüfung von möglichen Investitionen, aber mit amerikanischem Mitspracherecht – was paradoxerweise Kopenhagens Einfluss in Grönland stärken könnte.

3. Zugang zu Rohstoffen: Grönland verfügt über riesige Vorkommen an Öl, Uran und seltenen Erden. Die USA wollen eine Kooperation beim Abbau der Ressourcen. Ministerpräsident Jens-Frederik Nielsen signalisierte kürzlich grundsätzliche Gesprächsbereitschaft, betonte aber: „Wir haben sehr strenge Umweltvorschriften – und das wird so bleiben.“

Grönland: „Halbe Unabhängigkeit ist keine Unabhängigkeit“

Der 33-jährige Nielsen, der erst vergangenes Jahr vom Badminton-Nationalspieler zum Regierungschef aufstieg, sucht nun Rückhalt in Dänemark. „Ich bin fast leid, es immer wieder zu sagen“, erklärte Nielsen und fügte hinzu: „Die Frage der grönländischen Unabhängigkeit müssen wir intern entscheiden. Da sollten sich weder die Amerikaner noch irgendjemand sonst einmischen.“

Parlamentsmitglied Justus Hansen warnte unterdessen: Bekämen die USA alles, was sie verlangen, werde es „niemals echte Unabhängigkeit“ für Grönland geben. „Dann können wir unsere Flagge gleich auf Halbmast setzen“, fügte Hansen hinzu. 

Grönlands Premierminister: „Wir sind nicht käuflich“

Grönländische Politiker blicken insbesondere nervös auf den 14. Juni – Trumps Geburtstag. Die frühere Außenministerin Vivian Motzfeldt fürchtet, der Präsident könnte nach einem Ende des Iran-Konflikts seinen Fokus zurück auf Grönland richten – und sieht ebenfalls Trumps Geburtstag als problematisches Datum. Tage wie diese könne Trump bei seinen Expansionsambitionen „gut gebrauchen“, warnte Motzfeldt.

Die Verhandlungen werden auf amerikanischer Seite von Michael Needham geführt, einem engen Berater von Außenminister Marco Rubio. Bisher haben sich beide Seiten öffentlich bedeckt gehalten. Grönlands Premierminister Nielsen hatte unterdessen bereits im vergangenen Jahr seinen Standpunkt deutlich gemacht. 

„Es wurde oft gesagt, dass jemand unser Land haben möchte. Das nehmen wir ernst. Grönland ist keine Immobilie“, sagte Nielsen damals dem „Spiegel“. Sein Land sei jedoch offen für Geschäfte und bereit, die Partnerschaft mit allen Mitgliedern der westlichen Allianz zu stärken. „Aber wir sind nicht käuflich.“ Eine wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den USA schließe er nicht aus, sagte Nielsen zudem, „jedoch auch zu unseren Bedingungen“.