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BundestagswahlDie Grünen im Kanzlerkandidaten-Check der Redaktion

3 min
Grünenspitze

 Annalena Baerbock und Robert Habeck, die Bundesvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen

Sie oder Er? Er oder Sie? Annalena Baerbock und Robert Habeck nehmen die Frage aller Fragen bei den Grünen wieder mal hin. Ihrer Partei wie dem Wahlvolk schulden sie bis heute eine Antwort. Wer wird erste Kanzlerkandidatin oder erster Kanzlerkandidat der Grünen – nach mittlerweile 41 Jahren Parteigeschichte? 

Oberrealo Joschka Fischer, erster Außenminister mit Grünen-Parteibuch, hat einmal gesagt, mit dem Einzug ins Kanzleramt betrete man gewissermaßen die „Todeszone“ der Politik, entsprechend einem jener 8000er-Berge, dessen Besteigung man ohne Sauerstoff kaum überlebe. Baerbock oder Habeck – einer von beiden will diese Zone jetzt betreten, aber keinesfalls festfrieren.

Potenzial haben beide

Die beiden Grünen-Chefs sind inzwischen vermutlich mehr als „Talente“, eher ein Versprechen auf die Zukunft und zweifelsohne zentrale Figuren ihrer Partei, seit sie die Führung der Grünen mit ihrer Wahl an die Spitze an jenem 27. Januar 2018 übernommen haben. Habeck war da noch Landesminister für Umwelt und Landwirtschaft in Schleswig-Holstein und rang den Delegierten dieses Bundesparteitages das Zugeständnis ab, noch für eine Übergangszeit von acht Monaten Minister bleiben zu dürfen. Denn bei den Grünen gilt als ewiges Glaubensgelübde weiter die Trennung von Partei- und Regierungsamt. Baerbock hat bislang noch kein Ministerium gelenkt, führte aber gemeinsam mit Habeck im Vorsitz die Grünen von Wahlerfolg zu Wahlerfolg – im mittlerweile vierten Jahr ihrer Polit-Ehe.

Unter den beliebtesten Politikern

Die beiden Grünen-Vorsitzenden haben sich mittlerweile in die Riege der – nach Umfragen – zehn wichtigsten und beliebtesten Politiker Deutschlands hochgearbeitet. Baerbock auf Platz neun des Politbarometers – mit deutlich aufsteigendem Trend. Habeck auf Platz sechs – mit leicht steigender Zustimmung. Zwischen Ostern und Pfingsten wollen sie entscheiden, wer von beiden als grüne Nummer eins in den Bundestagswahlkampf ziehen wird.Die 40 Jahre alte Bundestagsabgeordnete mit Wahlkreis Potsdam und der 51 Jahre alte Schriftsteller, selbst Quereinsteiger in die Politik, haben sich zu dieser Personalie bislang komplett bedeckt gehalten. Sollten beide schon entschieden haben, wer die Grünen in diesem Wahlkampf von vorne führt, dann hüten sie dieses Geheimnis perfekt.

Wahlkampf mit Selbstvertrauen

Aber ihre Statements sind inzwischen öffentlich, dass sie sich das Kanzleramt zutrauen. Habeck räumte das Thema schon im vergangenen Sommer ab. Im Dezember legte Baerbock in einem Interview mit der „Bild am Sonntag“ nach. „Ja, ich traue auch mir das Kanzleramt zu“, sagte sie. Feinschmecker der Textexegese deuteten den Satz allerdings so, dass das Wörtchen „auch“ an merkwürdiger Stelle stehe, so, als stelle sich Baerbock hinter Habeck. Selbstbewusst hätte es heißen müssen: „Ja, ich traue mir das Kanzleramt zu.“ Ohne auch. Wie auch immer. Noch sind sich Baerbock und Habeck grün, gelten und funktionieren auch in der Außenwahrnehmung als Team. Baerbock sagt: „Deshalb werden wir gemeinsam entscheiden, was das Beste für das Land und für unsere Partei ist.“

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Beide profilieren sich auf ihren Feldern. Habeck wühlt sich tapfer durch Details und Untiefen der Finanzpolitik. Baerbock hat einmal gesagt: „Ich komme eher aus dem Völkerrecht.“ Internationale Politik. Damit deutet sie vieles an. Auch ihren Machtwillen. Wer immer von beiden die Kanzlerkandidatur übernimmt, geht damit auch ins Risiko. Schlagen die Grünen – wie schon so oft bei Bundestagswahlen – nach guten oder sehr guten Umfragewerten am Wahltag hart auf dem Boden der Wirklichkeit auf, wäre eine Debatte über das Spitzenpersonal wahrscheinlich. Eine etwaige Niederlage würde auch an der Kanzlerkandidatur festgemacht – Folgen für den Parteivorsitz nicht ausgeschlossen.